Ägypt Tierfabel, Die Maus rettet den Löwen

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Hathor
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Ägypt Tierfabel, Die Maus rettet den Löwen

Beitrag von Hathor » Do 20. Jan 2011, 15:39

Agypt. Tierfabel, Die Maus rettet den Löwen

Wieder die Erzählung einer altägyptischen Tierfabel, die so gerne im Haus den Lebens dem jugendlichen Priesternachwuchs dort gelehrt wurde. Sie entstammt dem Leidener Papyrus aus dem 14 Jahrh v. Chr.


Der Löwe jagde gern und fühlte sich als Herrscher der Tierwelt. Dann traf er eines Tages einen Panther, dessen Haut geschunden, das Fell zerrissen und er blutete aus vielen Wunden.

"Wer hat dich so zugerichtet?" frug ihn der Löwe.

Der Panther antwortete "Das war der Mensch. Es gibt nichts Listigeres als ihn, hüte dich vor ihm."
Und der Löwe wurde zornig auf den Menschen.

Danach begegnete er einem Pferd. Es hatte im Mund ein Gebiß und auf dem Rücken einen Sattel.
"Wer hat dir das angetan?" frug der Löwe.

"Der Mensch" sagte das Pferd. "Er hat mir falsche Versprechungen gemacht und ich ließ mir Sattel und Zaumzeug anlegen." Der Löwe wurde noch zorniger auf den Menschen.

Dann traf er einen Stier mit stumpfen Hörnern und die Nase durchbohrt. Auch er sagte, der Mensch sei das gewesen.Der nächste war ein Bär, dessen Krallen ausgerissen und dessen Zähne abgefeilt waren. Auch er gab dem Menschen die Schuld.Zu guter Letzt konnte der Löwe noch einen seiner Artgenossen befreien, der in eine Fallgrube gefallen war. Der Mensch hatte diese Grube angelegt.

Der Löwe war voller Ingrimm auf den Menschen und beschloss, ihm alles heimzuzahlen, wenn er ihn träfe.

Der Löwe sah vor sich eine Maus und wollte sie gerade tottreten, als sie zu ihm sprach:

" wenn Du mich jetzt tötest und frißt, dann wirst Du nicht satt. Wenn Du mir aber das Leben schenkst, dann helfe ich Dir auch einmal, wenn Du in Not bist."

Der Löwe lachte über diese Worte wie über einen Scherz, ließ aber dann, großmütig wie er war,
die Maus am Leben.

Einige Zeit später erblickte der Löwe einen Mensch, wie dieser gemütlich ein Wildbret schmausend am Lagerfeuer saß. Er wollte sich gerade heranschleichen, um dem verhaßten Menschen die Untaten an den Tieren heimzuzahlen. Doch daraus wurde nichts, denn er übersah ein Netz, dass der Mensch gespannt hatte mit der Absicht, weitere Tiere einzufangen. Jetzt war ihm auch der Löwe in die Falle gegangen.

Dann fesselte ihn der Jäger mit starken Riemen . Während er des Nachts so dalag und auf seinen Abtransport wartete, kam die Maus vorbei und nagte die Riemen durch, befreite so den Löwen.
So hatte die winzige Maus dem starken König der Tiere die Freiheit geschenkt aus Dankbarkeit, weil der Löwe ihr auch damals das Leben schenkte.

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