Germanische Neue Medizin

(nach Dr.Hamer)
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DocNobbi
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Germanische Neue Medizin

Beitrag von DocNobbi » Sa 13. Nov 2010, 21:12

Germanische Neue Medizin

Die "Neue Medizin" wurde von Ryke Geerd Hamer begründet, der in der Folge des Todes seines Sohnes 1978 und seiner kurz später folgenden Erkrankung an Hodenkrebs seine These von den "Eisernen Regeln des Krebs" und daraus folgend 1981 die "Neue Medizin", später: "Germanische Neue Medizin" (GNM) entwickelte.
Die Umbenennung von "Neue Medizin" in "Germanische Neue Medizin" weist auf den nach seiner Verhaftung deutlich hervortretenden Antisemitismus Hamers hin.
Die "Germanische Neue Medizin" ist wissenschaftlich nicht anerkannt.

Hamer behauptet, die von ihm entdeckte "Neue Medizin" kenne die Ursachen jeder "so genannten Krankheit" (gemäß Hamers Terminologie) und schließe die Therapie gleich mit ein. Sie basiere auf "5 empirisch gefundenen "Biologischen Naturgesetzen"", den so genannten "Eisernen Regeln des Krebs", die auf jeden Fall einer Erkrankung bei Mensch, Tier und Pflanze zuträfen. Er behauptet, diese sei damit eine strenge Naturwissenschaft. Tatsächlich genügen Hamers Lehren jedoch in keinem Punkt den allgemein anerkannten Ansprüchen wissenschaftlicher Methodik. Einige Autoren rechnen die GNM daher zur Alternativmedizin oder zu den medizinischen Außenseiterlehren. Medizinische Erkenntnisse oder Alternativen werden von der GNM jedoch ebensowenig bereitgehalten wie fundierte Erkenntnisse im Sinne einer Lehre, so dass diese Einordnung umstritten ist.
Der Auslöser einer jeden "so genannten Krankheit" sei immer ein "Biologischer Konflikt", ein hochdramatisches Schockerlebnis, das Hamer als "DHS (Dirk-Hamer-Syndrom)" bezeichnet. Namensgebend sei Hamers eigener seelischer Schock nach dem Gewalttod seines Sohnes Dirk, in dem Hamer den Grund für seinen späteren Hodenkrebs sieht. "So genannte Krebs-Erkrankungen" seien in Wahrheit "sinnvolle biologische Sonderprogramme („SBS“)" und an sich bereits ein Teil des natürlichen Heilungsprozesses, der nach dem auslösenden Schockerlebnis beginne. Dieser Heilungsprozess - an dem auch Bakterien, Viren und Pilze beteiligt seien - dürfe nicht durch medizinische Behandlungen wie Medikamente oder Operationen gestört werden. Bei der Entwicklung dieser Thesen sei Hamer sein toter Sohn im Traum erschienen und habe ihn bestärkt: "Das, was Du gefunden hast Geerd ist richtig, ist vollständig richtig, ich kann es Dir sagen, weil ich jetzt mehr weiß als Du, Du hast es klug herausgefunden!"
Heilungsversprechen, die von Hamer und seinen Anhängern für bis zu 95% der Fälle von "so genannten Krebserkrankungen" gemacht werden, haben dazu geführt, dass beeinflusste Krebspatienten und deren Angehörige fest an die Germanische Neue Medizin glauben und Behandlungen im Rahmen der Wissenschaftsmedizin zum Teil kategorisch ablehnen. In der Behandlung, so behauptet Hamer, komme es vor allem auf den gesunden Menschenverstand an, nämlich darauf, dem Patienten die Zusammenhänge der „Germanischen Neuen Medizin“ zu erklären und die Angst vor der Krankheit zu nehmen, schließlich auf die "Konfliktlösung" oder "Auflösung des Konflikt-Erlebnisses". Dies sei zum Beispiel beim Krebs die Voraussetzung für die natürliche Heilung.

Olivia Pilhar

Bekannt wurde Hamers "Germanische Neue Medizin" vor allem im Zusammenhang mit der Krebserkrankung von Olivia Pilhar im Jahr 1995. Die Eltern des damals sechsjährigen Mädchens lehnten als überzeugte Anhänger von Hamers Thesen eine konventionelle Therapie ab. Dem an einem Wilms-Tumor erkrankten Kind ging es immer schlechter, in der Folge kam es zum Sorgerechtsentzug durch die Behörden, worauf die Eltern sich mit dem Kind von Österreich nach Spanien absetzten, wo Hamer das Mädchen mit seiner Methode weiter behandelte. Nach Verhandlungen konnten die Eltern dazu bewegt werden, Olivia zurückzubringen (inzwischen war der Tumor bereits mehrere Kilogramm schwer!). Schließlich erfolgte per Gerichtsbeschluss, gegen den Willen der Eltern, eine medizinisch Behandlung und Operation des Kindes. Ihre Eltern lehnen bis heute ab, dass diese Operation und medizinische Behandlung der Grund der Genesung ihrer Tochter sind. Ihr Vater, Helmut Pilhar, betreut als Anhänger der Germanischen Neuen Medizin umfangreiche Webseiten und hält Vorträge zu Hamers Thesen.

Hamersche Herde

Als Beleg für seine These führt Hamer auch angeblich auf CT-Aufnahmen sichtbare so genannte "Hamersche Herde" an. Siehe hier (Bild 1) und hier (Bild 2).
Bei den auf diesen Aufnahmen als „Hamerscher Herd“ bezeichneten konzentrischen Kreisen ("Schießscheibe") handelt es sich jedoch entgegen Hamers Aussagen um ein gut bekanntes Scannerbasiertes CT-Artefakt, ein so genanntes "Ringartefakt". Diese Ringartefakte treten z.B. durch schlecht kalibrierte oder ausgefallene Detektoren auf und sind bei CT-Geräten der 3. Generation (ab 1974) keine Seltenheit gewesen. Auf oben genanntem Bild 2 sieht man, dass sich das Ringartefakt über die Trennung der beiden Großhirnhälften erstreckt. Die Ringstruktur wird durch die so genannte Fissura longitudinalis deutlich durchbrochen, so dass zwei ungleich große Teile eines Kreises entstehen. Dies macht besonders klar deutlich, dass es sich hier nicht um eine anatomische Struktur, sondern nur um ein Artefakt handeln kann, da eine anatomische Struktur nicht ohne Verbindung von einem Organteil in einen anderen wachsen und dabei auch noch den Verlauf der Grenzstrukturen weiterhin exakt einhalten kann.
Ein Beweis für die Realität der "Hamerschen Herde" wäre eine Kernspintomographie (NMR), wie es auch in der von Hamer als "Verifikation" bezeichneten Bestätigung der Firma Siemens als Ausschlusskriterium für ein Artefakt heißt: „Ein Ringartefakt liegt demzufolge sicher nicht vor, wenn im NMR eine vergleichbare eindeutige Ringformation sichtbar ist ...". Bisher findet sich auf Hamers / Pilhars Webseiten jedoch keine einzige Kernspintografie, die einen "Hamerschen Herd" belegt.
Therapieverlauf in der GNM

"In den Behandlungssitzungen werde versucht, den angeblich zugrunde liegenden Konflikt zu finden. Dies könne, je nach Fall, zehn Minuten bis mehrere Stunden dauern. Angeblich sei die Behandlung bei den meisten Patientinnen und Patienten mit einer Sitzung erledigt." [2]

GNM und Schmerzen

Hamers Ansichten zu Schmerzen lassen sich hier nachlesen. Zitate daraus:
"... die Heilungsschmerzen, die im Prinzip etwas Positives sind, kann man nur dadurch wirksam angehen, daß der Patient die Zusammenhänge versteht, und sich auf die Schmerzen einstellt wie auf eine echte große Arbeit die er zu leisten hat. ... Hier z.B. bei der Knochenkrebsheilung, bei der die Aufdehnung der Knochenhaut in der Heilungsphase starke Schmerzen hervorruft. ... Sie sind ein gutes Zeichen und ein wichtiger Vorgang bei der biologischen Knochenheilung, weil diese Schmerzen das Individuum dazu zwingen, den betroffenen Skeletteil ruhig zu halten, der bei Belastung oder Funktionsbeanspruchung in Gefahr wäre zu frakturieren. Wichtig ist, daß der Patient begreift: Knochenschmerzen sind im Prinzip etwas Gutes, denn sie sind ein sicheres Zeichen der Heilung."
(Siehe dazu auch hier.)
Eine schmerzstillende Therapie durch Analgetika wird von der GNM abgelehnt.

Angebliche "Verifikationen" der GNM

Laut dieser Quelle, die auch einen guten Überblick über die von Hamer angeführten "Verifikationen" bietet, liegt bei keiner ein erkennbares Studiendesign vor, wurde bei keiner eine Studienmethodik veröffentlicht, ebenso wenig liegen detaillierte Daten vor. Die GNM Hamers wurde niemals in irgendeiner Art und Weise seriös nachvollzogen.
Wirksamkeit der GNM

"Der «Spiegel» berichtet von einer Überprüfung durch deutsche Behörden: Von 50 Krebskranken, welche bei Hamer in Behandlung gewesen seien, hätten nur sieben überlebt. Um die zahlreichen, teils sehr empathisch dargestellten Fallberichte in Hamers Büchern aus medizinischer Sicht beurteilen zu können, fehlen wesentliche zusätzliche Angaben, so dass bei den geschilderten Heilungen Zweifel angebracht sind." [3]

Auf dieser Liste finden sich viele Fälle von während der "GNM-Therapie" verstorbenen Menschen. Auf zuvor genannter Website findet sich auch der Fall der Michaela Jakubczyk-Eckert, besonders bekannt wurde der Fall des Sören Wechselbaum, über den u.a. im Magazin "Report Mainz" am 18. November 2002 berichtet wurde.
Anfang 2010 berichtet "Report München" unter dem Titel "Todesfalle Germanische Neue Medizin" über weitere Todesfälle, insbesondere den eines 12-jährigen Mädchens, Susanne, das mit einer Chemotherapie gute Heilungschancen gehabt hätte. Hamer, der inzwischen in Norwegen lebt, behauptet hier im Interview, man habe dem Mädchen einen "Todeschip" eingesetzt, der per Satellit ausgelöst wurde, um es zu töten. Des Weiteren wiederholt er seine bekannten antisemitischen Lügen, Juden würden nie mit Chemotherapie behandelt, nur "Nicht-Juden".
Es gibt keine einzige nach üblichen wissenschaftlichen/medizinischen Standards dokumentierte Heilung von Krebs durch die GNM.
Beispiele

Ein Beispiel, wie sich "Diagnosen" bei Anhängern der GNM gestalten, findet sich im "GNM-Forum". Aus einem veränderten Körpergefühl in der Schulter, einer kleinen Schwellung etc. wird - ohne jegliche nachvollziehbare medizinische Diagnostik - die "Diagnose Neuroblastom" und anschließende "Heilung" desselben.
Wie GNM-Anhänger auf die Frage nach eindeutigen Nachweisen einer Heilung, insgesamt "unbequeme" Fragen überhaupt (in diesem Beispiel des Forenusers "Juvit") reagieren, wird in diesem Thread im Forum des GNM-Anhängers und rechtsextremen Verschwörungstheoretikers Jo Conrad demonstriert.

Rechtslage

Die Gemanische Neue Medizin widerspricht dem anerkannten medizinischen Wissensstand. Dies hat für Behandler standesrechtliche und allgemeinjuristische Konsequenzen. Ärzten, die nach dieser Methode vorgehen, droht eine Anklage wegen unterlassener Hilfeleistung, falls sie die konventionelle Behandlung abbrechen oder nicht beginnen, und der Entzug der Approbation aufgrund grober Behandlungsfehler und vorsätzlicher Falschbehandlung.

Wikipedia
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