Kritische Traum-Analyse I: Physio-pathologische Träume

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Sämann
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Kritische Traum-Analyse I: Physio-pathologische Träume

Beitrag von Sämann » Do 11. Dez 2014, 13:26

Traum 1:

Ich beobachte in meinem kleinen Garten, wie ein karnivorer schwarzer Laufkäfer, ein Schneckenräuber (Cychrus caraboides) sich einer Weinbergschnecke nähert und sie angreift. Die Schnecke zieht sich rasch in ihr Haus zurück und entlässt auch sofort eine große Portion ihres glasigen zähen Abwehrschaums. Der Käfer aber arbeitet sich furchtlos durch das Geschäum und dringt so tief in das Gehäuse vor, bis nur noch sein Hinterleib daraus hervorlugt. Nun versucht die Schnecke, um ein weiteres Eindringen des Käfers zu verhindern, wiederum herauszukriechen; dies gelingt ihr aber nicht vollständig, und so ragt die Hinterseite ihres Fußes halb aus der Öffnung, und das Tier vermag sich nicht mehr weiterzubewegen. Dafür schäumt es im Todeskampf immer mehr. Plötzlich vernehme ich aus dem Gehäuseinneren deutlich ein dumpfes Knacken, wobei die Schnecke heftig zusammenzuckt. Ich denke mir: Oh jeh! Jetzt hat er das arme Ding mit seinen scharfen Zangen durchstoßen! Und wirklich, sogleich fließt aus dem Inneren des Gehäuses eine blutig-hellrote Flüssigkeit als ein Rinnsal über den Körper des gierig fressenden Käfer und tropft auf das frischgrüne Gras. Ich spüre regelrecht den Schmerz, den die Schnecke durchleidet! Mir wird plötzlich grauenhaft übel - und ich erwache mit schrecklichen Migräneschmerzen! -

Zur Symbolik: Hauptgegenstand des Traumes ist die Schnecke. Sie ist das Bild für mein Gehirn. Die Schmerzen im Gehirn spiegelten sich wieder im panischen Schäumen und Zucken, im Fluss des hellroten
Blutes aus den Schneckenleib. Das Gefressen-Werden durch einen magensaft-speiendes Tier repräsentiert die Ursache der Migräne. Der Käfer verdaut das Schneckenfleisch mittels seines Speichels vor, was dem erfahrenden Arzt ein Hinweis ist auf im Gehirn stattfindende, also dislozierte Verdauungsprozesse - die tatsächliche Ursache von Migräne-Attacken...


Traum 2:

Ich sitze bei Tisch vor einer reinweißen Tasse schwarzen Kaffees, ohne Unterteller. Ich stiere gedankenlos auf die schwarzbraune Oberfläche des Tasseninhaltes, als plötzlich genau aus dessen Mitte sich ein fadendünnes, etwa fingernagellanges leuchtend rotes Würmchen heraufwindet, dort ein Weilchen äußerst lebhaft herumschwimmt und herumzappelt und dann wieder genau in der Mitte abtaucht. - In diesem Moment erwache ich mit heftigstem Zahnschmerz.

Zur Symbolik: Die weiße Tasse mit dem schwarzbraunen Inhalt war ein Bild für den oberseits
stark kariösen Backenzahn. Das zappelnde fadendünne leuchtend rote Würmchen stellte treffend den akut entzündeten brennend-schmerzenden Zahn-Nerv dar...


Traum 3:

Ich liege in einem sehr engen halbdunklen unterirdischen Kanal. In Richtung meiner Füße blickend sehe ich einen Strom schlammig braunen Wasser mir entgegenfließen und über mich hinwegschwappen. Der Strom wird immer stärker, das Wasser beginnt zu steigen. Ich bemerke, dass ich dem Fluss im Wege war und er mich überschwemmen würde, wenn ich nicht aufstünde oder wenigstens mich zur Seite drückte. Aber es fällt mir schwer mich zu bewegen, denn ich spüre plötzlich einen brennenden, schwärenden Schmerz in meiner rechten Wade. Als ich mein Bein ansehe, ist es bis auf den Knochen aufgerissen. - Ich erwache ohne Schmerzen, mir geht es gesundheitlich gut. Aber wenige Tage später beginnt meine rechte Wade zu schmerzen, mein rechter Fuß schwillt über der großen Zehe an, schmerzt sehr und verfärbt sich bräunlich-blau. Bald darauf wird eine tiefliegende Venenthrombose in der rechten Wade diagnostiziert und dringlich behandelt.

Zur Symbolik: Der enge Kanal war die Venenbahn in der Wade. Das nähr- und sauerstoffarme Blut - im Bild des schlammigen Wassers - konnte nicht ungehindert fließen, weil - das ist etwas merkwürdig - ich selbst den Blutkanal bzw. den Wasserlauf verstopfte...


Wer um das Traum-Phänomen und seine unterschiedlichen Entstehungsqualitäten weiß, wird diese meine wirklich erlebten Träume unschwer den physio-pathologisch provozierten Traumbildern zuordnen können. Träume solcher Art sind inner-physisch erlebte krankhafte Seins-Zustände bzw. Prozesse, die der einziehende Astralleib in den physischen Körper während des Erwachens wahrnimmt und zu symbolhaften
Bildern umformt. Physio-pathologische Träume sind für die psycho-analytische Traum-Deutung irrelevant, da sie ausschließlich den physischen Körper betreffen. In der Regel dramatisiert aber gerade
die sog. professionelle "Psycho-Analyse" alles Traumgeschehen zu psychologischen Problemen. Dies ist nicht nur äußerst dilettantisch, sondern unter Umständen auch gefährlich, weil hierdurch erst wirkliche psychische Probleme heraufbeschworen werden können. Es sollte überhaupt zu allererst das Traumgeschehen hinsichtlich der physiologischen Befindlichkeit betrachtet werden, denn den physischen Leib als das unterste Wesensglied erlebt jeder Mensch. An zweiter Stelle kann dann die Seele als maßgebend betrachtet werden, das eigentliche Element der Traumprozesse. Und erst zuletzt kommt die geistige, spirituelle Ebene in Betracht, die am seltensten als Traumland betreten wird. - Welch wunderbare Bereicherung wäre es für unsere Medizin, wenn sie sich mit der physio-pathologischen Traum-Analyse befasste! -

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