Leckeres aus der russischen Küche

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Bargusin
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Leckeres aus der russischen Küche

Beitrag von Bargusin » Mo 5. Dez 2011, 19:14

Der Charakter der Russischen Küche ist vielfältig und bei vielen Rezepten sehr ländlich gehalten. Sie kennt viele einfache und wohlschmeckende Rezepte. Dabei werden die Produkte relativ unverfälscht zur Geltung gebracht. Beim Einlegen von Pilzen, Gurken, Auberginen, von Fisch oder süß-sauren Aprikosen zeigt sie jedoch außergewöhnlichen Erfindungsreichtum.

Die Russen essen gern und viel. Bereits das Frühstück fällt üppig mit Kascha (Brei) aus, die eine Buchweizengrütze, ein Hirse- oder ein Grießbrei sein kann. Im Winter gibt es dazu auch Bratkartoffeln, Spiegeleier, Omelettes oder Würstchen. Auftakt eines Mittagessens ist meist eine Suppe.

Zu Weltruhm gelangte der Borschtsch, eine Rote-Bete-Suppe mit Tomaten, Paprika und Kohl, die man mit fettem Sauerrahm anreichert.

Der Schtschi ist eine weiße Kohlsuppe, Ucha eine Fischsuppe und die Soljanka machen eingelegte Gurken, Kartoffeln, Fisch oder Fleisch aus. Eine rare Köstlichkeit ist die Botwinja, eine kalte Suppe, die aus Kwass (leicht vergorene Limonade aus getrocknetem Schwarzbrot mit Hefe und Honig), Gurken, Rettich und Räucherfisch zubereitet wird. Neben Suppen gehören zu den Vorspeisen die Sakuski, eine Reihe von Kleinigkeiten, die man zum Wodka verzehrt.

Eine Köstlichkeit sind auch Bliny, dünne Buchweizenpfannkuchen, die man mit Kaviar oder süßer Marmelade serviert, sowie Piroschki, mit Sauerkraut, Hackfleisch oder Kartoffeln gefüllte Hefeteigtaschen, die oftmals auch auf der Straße angeboten werden. Das Hauptgericht besteht meist aus Fleisch, Fisch oder Huhn. Zum Dessert stehen Eis, Kissel (eingedickter Fruchtsaft), Kompott oder Gebäck zur Auswahl.

In den russischen Rezepten findet man als Mengenangabe oft “1 Glas”. Darunter versteht die russische Hausfrau ein Glas mit 0,25 l Fassungsvermögen.

Im folgenden beispielhaft zwei Rezepte aus der russischen Küche:

Soljanka nach Art des Hauses

Zutaten: 300 g Rindfleisch, 100 g gekochter oder geräucherter Schinken, 100 g Würstchen oder Bockwürste, 2 bis 3 Zwiebeln, 1 bis 2 Salzgurken, 2 bis 3 Kartoffeln, 100 g Tomatenpüree, 50 g Butter, 500 ml Brühe, Pfeffer, Salz, Petersilie oder Dill, 100 g saure Sahne.

Zubereitung: Aus dem Fleisch eine Fleischbrühe bereiten, das Fleisch herausnehmen und die Brühe durchsieben. Danach die Brühe wieder zum Kochen bringen. In die Brühe die in Würfel geschnittenen Kartoffeln geben und 10 bis 12 Minuten kochen. Dann die klein gehackten Zwiebeln, das Tomatenpüree, die in Scheiben geschnittenen Salzgurken, die Fleisch-, Schinken- und Wurstwürfel, die Gewürze und das Salz hinzufügen. Alles unter schwacher Hitze noch 5 bis 10 Minuten köcheln.

Beim Servieren in die Soljanka saure Sahne geben und mit klein gehackter Petersilie oder Dill bestreuen.


Hähnchentopf

Zutaten: 500 g Hähnchenfleisch, 2 EL Margarine, 5 Kartoffeln, 2 Zwiebeln, 2 Möhren, 2 EL Tomatenmark, 30 g frischen Fenchel, Petersilie, Salz, Gewürze, 1 feuerfester Tontopf

Zubereitung: Das Hähnchenfleisch in Stücke von etwa 30 bis 40 g zerkleinern und in Margarine zart anbraten bis eine goldene Kruste entsteht. Danach die in Scheiben geschnittenen Zwiebeln, die in Streifen geschnittenen Möhren und das Tomatenpüree zugeben. Alles 4 bis 5 Minuten zusammen garen.

Danach alles zusammen in den Tontopf geben, die in Scheiben geschnittenen Kartoffeln zufügen, mit wenig Wasser auffüllen, salzen, würzen und den Topf in den Backofen geben.

Wenn alles heiß ist und die Kartoffeln gar sind, dann den Tontopf herausnehmen und mit gehackten Kräutern servieren.


Viele weitere Rezepte:
http://russische-volksmedizin.info/
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


"Halt dich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt." (Khalil Gibran)

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Re: Leckeres aus der russischen Küche

Beitrag von Bargusin » Do 8. Dez 2011, 15:03

Ein Buchtip
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Culinaria Russia - Russland Ukraine Georgien Armenien Aserbaidschan
von Truttner, Marion [Hrsg], Schmid, Gregor M. (Foto) (Deutschland)[/color]

Buchbesprechung: Für alle, die das riesige russische Land lieben oder näher kennenlernen wollen, seine verschiedenen Kulturen, die Tradition, das Essen, Geschichtliches, ist dieser Bild/Textband eine Offenbarung.

Anhand zahlloser (nachvollziehbarer) Rezepte für Gerichte aus allen Teilen des weiten Reiches wird durch gut geschriebene und informative Texte die Tradition und Mentalität der Menschen offenbar den hervorragenden Autoren sei Dank. Köche gar seien sie Hobby- oder Profiköche werden dieses Werk wie einen spannenden Roman lesen (aber nicht nur die). Und für jeden, der nur ein klein wenig künstlerisches Empfinden hat, wird daraus zusätzlich ein Augenschmaus dank Gregor Schmids fotografischer Feinfühligkeit, ja Genialität.

Das i-Tüpfelchen bei der Gestaltung dieses Bandes ist der Anhang: eine ausführliche, weiterführende Bibliografie und ein detailliertes Rezeptverzeichnis diesmal sei der Herausgeberin Marion Truttner gedankt.
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Inhalt: Russland, die Ukraine, Georgien, Armenien und Aserbaidschan: Länder an der Schwelle zwischen Europa und Asien. Die unterschiedlichsten Landschaften sowie zahllose Völker und Volksgruppen haben Kultur und Küche geprägt und reiche Traditionen hervorgebracht, die sich von Region zu Region, von Land zu Land unterscheiden. Dieses Buch lädt ein zu einer einzigartigen kulinarischen Reise - von den Karpaten bis zum Pazifik, vom Polarkreis bis ans Kaspische Meer.
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Zum Bild: Fest der Itelmenen: Beim rituellen Tanz zu Alchalalalaj verkörpert die itelmenische Frau eine Möwe, der Mann einen Bären.

Setzen Sie sich im bäuerlichen Russland an den Ofen. Bestaunen Sie gigantische Sakuska-Tafeln und die opulenten Gelage der Zaren. Lassen Sie sich erwärmen für den russischen Winter mit Eisangeln, Dampfbad und Tee aus dem Samowar. Erfahren Sie alles über Wodka und Kaviar, und entdecken Sie viele verschiedene Völker mit ihren Spezialitäten.
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Zum Bild: Ukraine: Cholodez s koropa (Karpfen in Aspik)

Reisen Sie in die Ukraine, die Heimat von Krimsekt, Borschtsch und dem großen Dichter Nikolai Gogol. Bummeln Sie über Märkte und durch die Schwarzmeer-Metropole Odessa. Staunen Sie über edle Tropfen, die im Weingut Massandra seit mehr als hundert Jahren lagern.
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Zum Bild: Georgien. Chinkali essen ist eine Kunst. Man genießt sie grundsätzlich von der Hand in den Mund. Der praktische kleine Knauf aus Nudelteig dient als Haltegriff. So kann man die gefüllten Teigtaschen bequem anbeißen, muss dabei aber gut aufpassen, dass einem der köstliche Fleischsaft nicht über die Finger läuft.

Lernen Sie Georgien kennen, wo die Zitronen blühen und der tamada an festlicher Tafel Trinksprüche ausbringt. Erfahren Sie von Hundertjährigen uralte kulinarische Gesundheitstipps, und erleben Sie das Herbstfest Alawerdoba, das Christen und Muslime gemeinsam feiern in jener Region, in der die Wiege des Weins vermutet wird.

Begegnen Sie in Armenien der ältesten christlichen Volkskultur der Erde. Staunen Sie über Tieropfer und Kaffeesatzleser in einem Land, wo sich jahrtausendealte Getreide- und Rebsorten gehalten haben und Brot noch im Erdofen gebacken wird. Erfahren Sie, wie die Jesiden auf der Alm Käse und die Armenier mit ihrem konjak den Franzosen Konkurrenz machen. Überschreiten Sie in Aserbaidschan die Grenze zwischen Okzident und Orient. Feiern Sie im »Land der Feuer« das alte heidnische Nowrusfest, und besuchen Sie die Reis- und Teeplantagen in Länkäran. Lassen Sie sich durch alte Karawansereien und orientalische Aromen zurückversetzen in die Zeit der Seidenstraße.
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Zum Bild: Piroggen deftig und süß: Der kurnik (1) ist eine Hochzeitspirogge mit mehreren Füllungen, eine davon muss immer Hühnerfleisch sein; watruschki (2) sind kreisrunde, offene, kleine Piroggen aus Roggen- und Weizenmehl, meist mit süßem Quark, seltener mit Konfitüre; rastegaj (3) haben oben eine Öffnung, sind meist mit Fisch, oft aber auch mit Fleisch, Reis oder Pilzen gefüllt; sotschniki (4) in Form von zusammengeklappten Halbmonden zeigen ihre Quarkfüllung.

Dieses Buch öffnet Küche und Keller der traditionsreichen fünf Länder des Ostens, und es kennt Antworten auf viele Fragen: Wie wird Kaviar gewonnen, und woher hat Boeuf Stroganoff seinen Namen? Was ist eine Hochzeitspirogge, und wie wird Senf hergestellt? Woher kommt die Nudel, und warum ist Lachs so gesund? Wie feiert man Ostern in Russland und Weihnachten in der Ukraine? Spannende und informative Texte zu unzähligen Themen aus Küche und Kultur, über 800 Fotos sowie mehr als 250 Rezepte machen Lust, die Entdeckungsreise durch Raum und Zeit mit allen Sinnen zu genießen.
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Zum Bild: Utka farschirowannaja (Gefüllte Ente)

Die Herausgeberin: Marion Trutter, geboren 1960 im Schwarzwald, reiste bereits während ihres Sprachenstudiums für Tageszeitungen und Reisemagazine um die Welt. In Mexiko blieb sie ein Jahr, landete in den 1980er-Jahren aber auch in Moskau und später in einigen Ländern der GUS. Erstes journalistisches Know-how sammelte sie bei der »Süddeutschen Zeitung«, war Redakteurin beim Reisemagazin »Travellers World« und Textchefin eines Sportmagazins. Ende 1992 machte sie sich als freie Autorin und Herausgeberin selbstständig und beschäftigt sich seither nicht nur mit Ländern und Leuten, sondern auch mit den Küchen der Welt. Sie schreibt für zahlreiche Tageszeitungen, Magazine, Hörfunksender und Food-Medien. Marion Trutter lebt, arbeitet und genießt in Starnberg bei München. In der Reihe Culinaria zeichnet sie auch für den Band Spanische Spezialitäten als Herausgeberin verantwortlich.

Der Fotograf: Gregor M. Schmid studierte Freie Malerei, Grafik und Druckgrafik, arbeitete als Kunstlehrer, Psychologe und Musiker. Er schrieb kunstdidaktische Bücher, malte Bühnenbilder, inszenierte Filme und Theaterstücke. Schon während seiner Jahre als Lehrer faszinierte ihn die Fotografie. Seit er 1990 aus dem Schuldienst ausschied, hat er mehr als 50 Fotobände und unzählige Fotoreportagen aus aller Welt veröffentlicht. Seit 1992 reiste er immer wieder nach Russland: nach Moskau und St. Petersburg, in die Städte des Goldenen Rings, an die Wolga und mit der Transsibirischen Eisenbahn. Für dieses Buch war er in fünf Ländern rund 200 Tage unterwegs, überwand zu Land, Luft und Wasser etwa 80000 Kilometer und verirrte sich in Kamtschatka zwischen Sümpfen und Bären. Seinem Schutzengel und russischen Fischern verdankt er sein Leben und der Leser die Bilder dieses Buches. Neben Reise- und Foodthemen widmet sich Gregor M. Schmid auch der Theater-, Ballett- und Kunstfotografie. Er lebt in Gilching bei München.

Leseprobe:
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Zum Bild: Der gemauerte Ofen in der Küche ist auch heute noch auf dem Land Mittelpunkt jedes traditionellen russischen Haushalts.

In den Dörfern Russlands werden zwei Dinge in Ehren gehalten: der Samowar und der Ofen. So heißt es im Vblksmund: »Ein Haus taugt nur so viel wie der Ofen darin«. Die Achtung vor dem Herd zeigt sich auch in zahlreichen Märchen, in denen Öfen sogar durch die Lande fahren können. Russland ist kaum vorstellbar ohne seine Holzhäuser und seine Öfen. Der russische Ofen drückt sich nicht in irgendeiner Ecke der Küche herum, sondern thront geradezu in der guten Stube. Auf den warmen Kacheln schliefen früher die Alten, die Kinder und die Kranken, Gäste fanden ihr Nachtlager auf der Ofenbank unter Girlanden aus zum Dörren aufgehängten Fischen und Pilzen. Im Ofen gibt es stets eine Vertiefung, in der Filzstiefel, Pelze, Handschuhe und Strümpfe oder Wäsche trocknen können. Vor der Ofenröhre, in der Brei oder Kohlsuppe für den nächsten Tag langsam garen und andicken, hängt oft ein Vorhang aus buntem Kattun. An der Vorderseite finden Feuerhaken, Schieber, Topf- und Pfannengabeln ihren Platz, auf den Borden und vor dem Ofenloch gusseiserne Gefäße, Töpfe und Pfannen. Das im russischen Ofen zubereitete Mahl zeichnet sich durch ein besonderes Aroma aus, da Fleisch und Gemüse langsam im eigenen Saft schmoren. Die Temperatur ist entweder konstant oder langsam fallend und nicht ansteigend wie in einem elektrischen Herd. Früher unterschied man drei Stufen des Erhitzens von Speisen: vor dem Brotbacken, unmittelbar nach dem Brotbacken und nach Gutdünken. Die richtige Temperatur zum Piroggenbacken prüft man beispielsweise, indem man eine Handvoll Mehl in den Ofen wirft. Wenn es verbrennt, muss man noch warten. Ist die richtige Temperatur erreicht, werden die Ofengerichte nicht etwa im direkten Kontakt mit dem Feuer gebraten, sondern in Tontöpfen lange geschmort oder gedünstet. Das schonende Garverfahren bewahrt die Aromen und Nährstoffe der Suppen, Eintöpfe und Braten. Die langsam sinkende Temperatur des Ofens ist ideal für die Zubereitung von Brei (kascha). Seine Getreidekörner quellen gut und die Vitamine bleiben erhalten. Der Ofen ist den Menschen auf dem Land bis heute Symbol für Wärme und Nahrung, für Gesundheit, Wohlstand und Geborgenheit. So verwenden sie besondere Sorgfalt auf das gute Stück. Kein Wunder also, dass mehr noch als der Dorfvorsteher der Ofensetzer hoch geachtet wird. Zur Zierde wurde der russische Ofen früher gewöhnlich vom Ofensetzer geweißt, mit Märchenmotiven bemalt oder mit Kacheln verkleidet. Diese waren flach oder mit Reliefs versehen, wurden lasiert und dienten als Einfassungen oder auch, zu größeren Bildern zusammengesetzt, als Schmuck mit allerlei Tier- und Jagdszenen. Mit der Gestaltung russischer Öfen beschäftigten sich neben den Ofensetzern auch bekannte Künstler, Ikonen-und Kunstmaler. Ein wahrer Meister war der symbolistische Maler Michail Wrubel (1856-1910), der eine Methode fand, die Farbe auf den Kacheln wie Perlmutt schimmern zu lassen. Bei seinen Ofendesigns verzauberte er vor allem durch herrliche Märchenmotive. Ein Zufall aber ist das nicht: Weil der Ofen für das Leben so wichtig ist, spielt er gerade auch in den russischen Märchen eine große Rolle. So in »Die böse Ziege«, die den besten Platz auf dem Ofen beanspruchte, oder in »Klein-Terentij«, der von der Tochter der bösen Hexe im Ofen gebraten werden sollte, zu guter Letzt aber das Hexlein selbst in den Ofen schob. Das bekannteste Märchen, in dem ein Ofen eine Rolle spielt, ist jedoch »Auf des Hechtes Geheiß« von Alexej Tolstoj, in dem der faule Bauer Iwan auf einem Ofen zum Zarenhof fährt und dort das Herz der Zarentochter erobert.
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Zum Bild: Der Weg zum Himmel führt am Samowar vorbei - Tee mit den Lieben bedeutet Wärme und Geborgenheit.

»Ein gedeckter Tisch, den kein Samowar krönt, ist kein Tisch, sondern ein Ding ohne jede Würde,
eine Futterkrippe wie für Vögel und Tiere; keine Freude ist dabei, keine Ansehnlichkeit«, schreibt der sibirische Schriftsteller und Teegenießer Valentin Rasputin.

Der Teekocher ist das wohl typischste Utensil in einem russischen Haushalt: Der Samowar hat einen Ehrenplatz in jeder Familie. In früheren Jahren sorgte er für kochendes Wasser für den Frühstückstee, ohne dass der große Ofen angeheizt werden musste. Der Vorfahr des Samowars (dt. »Selbstkocher«) war der sbitennik, eine Art Teekessel mit einem Rohr für glühende Kohlen und einem Zugloch. Darin wurde das beliebte Honiggetränk sbiten (siehe Seite 85) gekocht oder erwärmt. Die erste Samowarfabrik wurde 1778 in Tula gegründet. Die Stadt der reichen Erzvorkommen und der hochwertigen Metallverarbeitung erlangte als Zentrum der russischen Samowarherstellung Berühmtheit. 1826 gab es dort acht, 1886 bereits 70 Samowarfabriken, die zum Teil sehr kunstvolle Geräte produzierten. Als Materialien verwendete man Kupfer, Messing und Weißblech, seltener Silber. In der Rüstkammer des Kreml ist ein goldener Samowar des Zaren Paul I. (1754-1801) ausgestellt, verziert mit Elfenbein, Emaille und Edelsteinen. Die üblichen Samoware bestanden aus so genanntem polnischen Silber, einer Schmelze aus Nickel mit Eisen sowie Kupfer, und waren innen stets verzinnt. Oft zierten sie Sinnsprüche wie: »Trinkst du Tee, dann lebst du hundert Jahre!« Die heutigen Samoware werden meist im Werk »Schtamp« in Tula gefertigt und sind erschwingliche Massenware. Es gibt auch Souvenir-Samoware mit herrlichen Bemalungen.

Den traditionellen Samowar beheizt man mit Holzkohle, die sich auf einem Rost im Heizrohr innerhalb des Gefäßes befindet. Moderne Samoware erhitzen das Wasser mit einer elektrischen Spirale, die jedoch dessen Geschmack und Qualität beeinträchtigt. Während im Samowar das Wasser siedet, zieht in einer kleinen Teekanne, die man auf ihn stellen kann, ein schwarzer, kräftiger Teesud. So kann sich jeder den Tee in der gewünschten Stärke mischen.

Für die Teezubereitung soll man stets siedendes, kein sprudelnd kochendes Wasser verwenden, da sonst die Gefahr besteht, dass sich die im Tee enthaltenen Aromastoffe verflüchtigen. Wenn das Wasser im Samowar singt, steht es kurz vor dem Kochen und hat die richtige Temperatur. Zucker, Honig, verschiedene Konfitüren warenje, siehe Seite 122 f. ) und Gelees süßen den Tee. Da die Russen auf Naschwerk schwören, gibt es dazu auch mit Nussnougat oder Vanillecreme gefüllte Waffeltorten, zartes Bisquitgebäck, Haferflockenplätzchen, piroschki aus Hefeteig (siehe Seite 18), Kringel, Lebkuchen oder Konfekt. Tee ist in Russland ein echtes Massengetränk. Er wird den ganzen Tag über genossen, ist das erste, was man einem Gast anbietet, und beschließt in Restaurants die Mahlzeit. Und wer schon einmal in russischen Zügen gereist ist, erinnert sich mit wohliger Sehnsucht an die vielen Gläser mit heißem Tee, die man beim Wagenschaffner fast zu jeder Tages- und Nachtzeit bestellen kann.
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Zum Bild: Auftanken an heißen Sommertagen: Brotkwass, das beliebteste Erfrischungsgetränk der Russen, wird auf der Straße literweise am Versorgungswagen mit Zapfhahn verkauft.

Limonnyj kwas (Zitronenkwass): 3 unbehandelte Zitronen 200 g Honig 200 g Zucker 20 g Hefe 50 g Rosinen
Zitronen in dünne Scheiben schneiden und Kerne herausnehmen. Mit 4 l kochendem Wasser übergießen, Honig und Zucker zufügen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Hefe zugeben und 24 Stunden an einem warmen Ort gären lassen. Abseihen, mit Rosinen in Flaschen abfüllen, fest verkorken und den Zitronenkwass noch ca. 4 Tage ruhen lassen.

Wischnjowyj kwas (Kirschkwass): 1, 5 kg Sauerkirschen, entsteint 20 g Hefe 200 g Zucker 50 g Rosinen
Kirschen in 4 I Wasser ca. 1 Stunde kochen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Saft abseihen, Hefe und Zucker zugeben, ca. 24 Stunden gären lassen. Mit Rosinen in Flaschen füllen, gut verkorken und den Kwass weitere 3-4 Tage stehen lassen.

Jablotschnyj kwas (Apfelkwass): 7 kg Äpfel, geschält, entkernt und in dünne Scheiben geschnitten 100 g Zucker 200 g Honig 1 Zimtstange 20 g Hefe 50 g Rosinen
Äpfel, Zucker, Honig und Zimt mit 4 I Wasser aufkochen, auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Hefe zufügen und zugedeckt 24 Stunden gären lassen. Die Flüssigkeit abseihen, in Flaschen füllen, in jede Flasche einige Rosinen geben, fest verschließen und 3-4 Tage stehen lassen.
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Zum Bild: Als typisches und sehr beliebtes Katerfrühstück nach langen Nächten gelten Trockenfisch und Bier.

Die Autorinnen und Autoren:

Hartmut Moreike begann im Rundfunk seinen Weg als diplomierter Journalist (Leipzig) und Philosoph (Moskau) vom Wirtschaftsredakteur über den Reporter für Illustrierte bis zum Reiseschriftsteller. Auf abenteuerteuerlichen Wegen durchreiste er Russland vom Nordkap bis zur Wüste Gobi. In seinen Novellen, Erzählungen und mittlerweile vier Romanen zeichnet der Autor realistische Bilder des Lebens in Russland und präsentiert sich immer wieder als profunder Kenner von Alltag, Kultur und Geschichte des riesigen Landes zwischen Europa und Asien.

Alexej Koslatschkow stammt aus Zhukovsky im Moskauer Gebiet und hat einen Studienabschluss der Literaturhochschule Moskau (Gorki-Institut). Er arbeitete viele Jahre in Russland als Journalist bei Zeitungen wie Literaturnaja Rossija, Rossijskaja gazeta und Kto-est-Kto. Bis 2004 war er Herausgeber und Chefredakteur einer eigenen Zeitung im Moskauer Gebiet und lebt jetzt in Köln als freier Autor und Journalist für kulturelle und gesellschaftspolitische Themen.

Beate Blaha, Journalistin mit Print- und Hörfunk-Hintergrund sowie Diplom der Deutschen Journalistenschule in München, arbeitet seit über 20 Jahren als Autorin und Filmemacherin beim Bayerischen Fernsehen mit Spezialisierung auf Ost- und Südosteuropa. Unzählige Reisen führten sie immer wieder in die Ukraine. Neben sozialen Themen und humanitären Projekten widmet sich die begeisterte Hobbyköchin vor allem Land und Leuten - und hierbei mit besonderem Herzblut dem Kulinarischen.

Isabel Kielian war nach ihrem kulturwissenschaftlichen Studium und mehrjähriger journalistischer Tätigkeit bei der Stadt Freiburg in der Abteilung für Repräsentation und Städtepartnerschaften für den Kulturaustausch mit Osteuropa zuständig. Die Jahre 1998 bis 2000 verbrachte sie als entsandte Dozentin des Goethe-Instituts in der georgischen Hauptstadt Tiflis, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem polnischen Juristen und Osteuropa-Experten Marek Kielian, Land und Leute intensiv studierte. Nach einigen Jahren am Goethe-Institut in Zagreb leben beide jetzt in Helsinki.

Marcus Würmli studierte in Basel, Catania und Wien Natur-und Geisteswissenschaften, promovierte 1971 in Wien. Der Wissenschaftler ist Autor, Übersetzer und Herausgeber von über 500 Sach- und Fachbüchern -unter anderem zu gastronomischen und önologischen Themen. Von 1999 bis 2003 erforschte er die Natur und Kultur Armeniens und lebt seit 2005 in Ostchina.

Elnara Ismailova stammt aus der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Ihre Begeisterung für die Kochkunst ihrer Heimat erbte sie schon als Kind von Großmutter und Mutter. Seit 1995 lebt sie in Deutschland und hat sich in Europa einen Namen als Solopianistin sowie als Lehrbeauftragte an der Folkwang-Hochschule in Essen gemacht. Dass sie sich nicht nur als Botschafterin der Musik, sondern auch der aserbaidschanischen Küche versteht, beweist sie regelmäßig bei Gourmetabenden in ihrer Wahlheimat Köln.
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


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Re: Leckeres aus der russischen Küche

Beitrag von DocNobbi » Sa 17. Dez 2011, 17:35

Lecker,,

also ich bin überzeugt, die russische Küche ist etwas für mich..

seit einigen Jahren gibt es ja in meinen Raum vereinzelt einige russische Lebensmittelgeschäfte, in denen ich mich auch immer kundig mache, was so angeboten wird. Und jedes mal trage ich auch eine Plastiktüte mit Gegenständen weg.. ;-)

Schon allen der Reitz des fremdländischen verleitet..
Prüfe, was du hörst oder liest, mit Herz und Verstand -
und behalte das Gute !

Flummi
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Re: Leckeres aus der russischen Küche

Beitrag von Flummi » Di 27. Dez 2011, 17:42

Halwa, eine russische Süßigkeit, sehr lecker!!!

Ja, hier bei uns gibt es auch hin und wieder einen russischen Shop. Aber ich habe immer den Eindruck, die ärgern sich, wenn Deutsche da kaufen. Das soll wohl nur für die russischen Landsleute, die dort in der Umgebung wohnen, sein. Jedenfalls wurde ich noch nie freundlich in einem russischen Shop bedient. Man guckt komisch.
Oder ich muß mir mal einen anderen Laden suchen. Denn dort, wo ich immer bin, gibt es das Halwa jetzt immer lose abgepackt. Das will ich nicht. Ich möchte das in einer vernünftigen Frischhaltebox mit Inhaltsangaben. :denke:

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Re: Leckeres aus der russischen Küche

Beitrag von Bargusin » Sa 14. Jan 2012, 18:50

Hallo Flummi,

sind die Verkäufer/innen in Deinem Laden Russen? Die russischen Verkäuferinnen in den Läden habe ich auch nicht gerade in bester Erinnerung! 8O Zum Beispiel wurden in Irkutsk Vorabend-Fernsehserien (Moskauer Zeit) zu den Ladenzeiten gesendet. Da hingen alle Verkäuferinnen vor dem Fernseher und dachten überhaupt nicht daran, Kunden zu bedienen - und wehe, Kunden beschwerten sich ... "unhöflich" ist da noch sehr höflich ausgedrückt. Auch der Plausch zwischen den Verkäuferinnen war viel wichtiger als wartende Kunden :? :winken:
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


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