Abenteuer am Baikalsee in Sibirien: 1 Jahr am Limit

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Bargusin
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Abenteuer am Baikalsee in Sibirien: 1 Jahr am Limit

Beitrag von Bargusin » Di 10. Jan 2012, 19:04

Jurtenjahr am Baikalufer

Im neu erschienenen Buch „Auszeit am Baikalsee“ von Werner Beck ist der Name Programm. Ein Jahr verbringt der Autor in einer einsamen Jurte am Ufer des Baikal, davon etwa die Hälfte der Zeit gemeinsam mit seiner Frau und die Winterzeit völlig alleine.

Das Ehepaar Beck reist mit seinem Jeep nach Russland, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Das Austesten der eigenen Grenzen beim Überleben unter einfachsten Verhältnissen am Baikalsee. In Irkutsk gestaltet sich dann jedoch bereits das Beschaffen der richtigen Ausrüstung schwierig und wie geplant eine einsame, aber winterfeste Uferhütte zu mieten, ist gar nicht möglich. So beschaffen sich beide eine Jurte, ein Filzzelt nach dem Modell mittelasiatischer Nomaden und richten sich in diesem in der Omulbucht, einer fast völlig unbesiedelten Uferregion des Baikalsees ein.

Im Buch liest man dann viel von ihrem Alltag in der Wildnis – das Errichten der Behausung, eines Toilettenhäuschens und einer Mini-Banja, wie die russische Sauna heißt. Begegnungen mit wilden Tieren gibt es zuhauf, wenn auch glücklicherweise keine mit den gefürchteten großen Bären der Region, vor denen sie die Russen immer wieder warnen und deren Spuren bis nahe an die Jurte heranführen. Kontakte zu Einheimischen in der Umgebung werden ebenfalls mehrfach geknüpft und deren oft außergewöhnliche Schicksale gehören zu den bewegendsten Momenten des Buchs.

Nach einiger Zeit reist Frau Beck wegen der bevorstehenden Geburt des Enkelkindes zurück nach Deutschland und bleibt bei der gemeinsamen Tochter. Die Winterzeit übersteht der Buchautor, der nur zur Geburt an sich wenige Wochen in Mitteleuropa verbringt, in Sibirien alleine. Die Einsamkeit wird größer, als ursprünglich geplant. Denn es gibt wegen der großen Kälte Funktionsstörungen des Satellitentelefons, das man für Notfälle dabei hat und ein angeschafftes Kätzchen stirbt in Folge einer Unachtsamkeit eines zwischenzeitlichen Zeltwächters. Beck ist auch gehandicapt durch eine Diabetes-Erkrankung und die Angst um seinen Insulinvorrat (eingefroren wird es unbrauchbar) ist nicht das einzige Erlebnis, das in ihm einen großen Adrenalinschub auslöst. Weitere folgen durch seinen waghalsigen Plan, mitten im Winter zu Fuß die Eisfläche des Baikals zu überqueren – mit mehreren auf Inseln gelegenen Wetterstationen als Zwischenrast.

Neben dem eigentlichen Text finden sich im Buch mehrere Fototafeln mit herrlichen Aufnahmen vom Weltnaturerbe Baikal und dem Leben der Extrem-Aussteiger an seinem Ufer. Daneben sind zwei Landkarten der Region im Innenumschlag enthalten und ein Epilog, der die Erlebnisse der Becks nach der „Auszeit am Baikalsee“ schildert. Wen das Wildnisleben fasziniert, wird mit dem Werk „Auszeit am Baikalsee“ voll auf seine Kosten kommen. Selbsterfahrung am Limit war das Ziel des Radikal-Abenteurers und erreicht hat er es auf jeden Fall. Andere Leser – selbst mit Sibirienerfahrung - werden vielleicht manchmal den Kopf schütteln angesichts der übergroßen Abenteuerlust. Auf jeden Fall bietet das Buch einen unterhaltsamen Lesegenuss.

Daten zum Buch: Werner Beck, Auszeit am Baikalsee – ein Jahr am Limit; Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978 3768833462

Quelle: http://www.russland.ru/
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


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