Die Sterbeforschung: Zum neuen Buch von Bernard Jakoby

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Die Sterbeforschung: Zum neuen Buch von Bernard Jakoby

Beitrag von DocNobbi » So 13. Feb 2011, 15:04

Die Sterbeforschung
Zum neuen Buch von Bernard Jakoby

Es gibt ein Leben nach dem Tod. Und das Leben vor dem Tod ist eine Schule für das Leben nach dem Tod. Diese Grundaussage Swedenborgs wird längst nicht mehr nur von Swedenborgianern verbreitet. Seit mehreren Jahren hat sich der Sterbeforscher Bernard Jakoby dieser Botschaft angenommen. Jüngst ist sein neuestes Buch »Wir sterben nie: Was wir heute über das Jenseits wissen können« erschienen, das uns Anlass zu dem folgenden Bericht gibt.

Bernard Jakoby (geb. 1957) war bereits dreimal im Swedenborg Zentrum Zürich, wo er Vorträge und Seminare anbot. Außerdem wird er 2008 unser Gastredner auf der Swedenborgtagung sein und dort über das Thema seines neuen Buches sprechen.

Jakoby ist überzeugt, dass Bewusstsein unabhängig vom Gehirn existiert: »Als Sterbeforscher, der sich über 20 Jahre mit dem Phänomen der Nahtoderfahrungen und dem Sterbeprozess beschäftigt hat, weiß ich, dass das Bewusstsein des Menschen unabhängig vom Körper existiert und nach seinem Tod fortbesteht.« (Seite 162). Die Indizien, »welche die Sterbeforschung der vergangenen 40 Jahre für ein Leben nach dem Tod akribisch zusammengetragen hat,« sind »bei Weitem den Annahmen überlegen«, »dass mit dem Tod alles aus ist.« (Seite 9f.)

In dem Buch von Bernard Jakoby stoßen wir immer wieder auf Aussagen, die uns durch die Jenseitslehren Emanuel Swedenborgs und Jakob Lorbers bestens vertraut sind. Die bekannte Einsicht beispielsweise, dass das Jenseits keine objektive Welt, sondern die Schöpfung oder Innenwelt unseres eigenen Geistes ist, liest sich bei Jakoby so: »Das Jenseits ist eine Welt der Gedanken. Die Seele erkennt sofort, was ihr Denken bewirkt. Während des Erdenlebens muss der Mensch an das, was er tun will, denken und dann körperlich aktiv werden, um einen Gedanken umzusetzen. Wenn ich ein Konzert besuchen will, muss ich zunächst eine Karte kaufen und dann dorthin fahren. Im Jenseits reicht der Gedanke aus, und im gleichen Augenblick ist man dort. Geist und Denken sind eins und wirken zusammen. Das Leben dort besteht ausschließlich aus unseren Gedanken.« (Seite 175f.). »Die Welt des Jenseits besteht also aus Gedankenformen … Die Seele ist buchstäblich das, was sie denkt.« (Seite 176). Swedenborg formulierte diese Einsicht bereits im 18. Jahrhundert so: »In keiner Weise kann man sagen, der Himmel sei außerhalb von je mandem; er ist viel mehr innerhalb; denn jeder Engel nimmt den Himmel außerhalb seiner selbst gemäß dem Himmel in sich auf.« (HH 54). Und bei Jakob Lorber hieß es ein Jahrhundert später: »Denn niemand kommt weder in die Hölle noch in den Himmel, sondern ein jeder trägt beides in sich … Denn es gibt nirgends einen Ort, der Himmel oder Hölle heißt, sondern alles das ist ein jeder Mensch selbst; und niemand wird je in einen an dern Himmel oder in eine andere Hölle gelangen, als die er in sich trägt.« (GS II,118,10 und 12). Es würde zu weit führen, die Ergebnisse der modernen Sterbeforschung Punkt für Punkt mit dem Jenseitswissen der neuen Offenbarungen zu vergleichen.

Stattdessen soll nicht unerwähnt bleiben, dass Bernard Jakoby auch auf Emanuel Swedenborg hinweist. Jakoby schreibt: Swedenborgs »Darstellungen über das Leben nach dem Tod stimmen in Vielem verblüffend mit dem überein, was wir aus den Nahtoderfahrungen wissen.« (Seite 136). Er meint aber auch: »Das Werk von Swedenborg enthält viele Informationen über geistige Zustände der Seele nach dem Tod. Es wäre aber dringend erforderlich, seine Erkenntnisse in eine heutige Sprache zu übersetzen und mit den vorliegenden Forschungsergebnissen abzugleichen. Dann erst wird sich der wahre geistige Wert seiner Visionen erschließen.« (Seite 138). Diese Außenperspektive auf Swedenborg ist interessant. Zum einen werden die Gemeinsamkeiten der Auditionen und Visionen Swedenborgs mit den Erkenntnissen der modernen Sterbeforschung anerkannt, zum anderen bekommen wir aber auch unsere Aufgabe in der Gegenwart genannt. Es reicht nicht mehr aus, Swedenborgs Einsichten aus dem 18. Jahrhundert einfach ins 21. Jahrhundert hineinzurufen. Der Swedenborgianismus muss sich offenbar vorher mit den seither gewonnenen Forschungsergebnissen auseinandersetzen, insoweit diese für ihn relevant sind.

Die einflussreichen Gegenpositionen zum Jenseitsglauben erwähnt Bernard Jakoby nur am Rande. Unter den Hirnforschern gibt es nicht nur den Nobelpreisträger John Eccles (1903 - 1997), der unserer Auffassung nahe steht, sondern auch den Nobelpreisträger Francis Crick (1916 - 2004), der in seinem Buch »Was die Seele wirklich ist« (1994) postulierte, dass es sich dabei »nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen« handele. Und die Kirchen sind derzeit auch nicht gerade Befürworter der neuen Jenseitslehren. Wir werden also weiter beobachten müssen, wie der weltanschauliche Kampf zwischen dem Materialismus und seinem Diesseitsglauben und dem Spiritualismus und seinem Jenseitsglauben verlaufen wird.

Die Sterbeforschung jedenfalls ist ein wichtiger Verbündeter. Dabei ist zugleich hervorzuheben, dass das Jenseitswissen auch eine eminent praktische Bedeutung für das Leben vor dem Tod hat. Bernard Jakoby geht auch auf diesen Aspekt ein: »Dieses Wissen hat eine ungeheure praktische Relevanz für unser Leben. Wir erschaffen unser eigenes Schicksal durch unsere Gedanken. Wir wissen, dass wir mit den Auswirkungen unserer Taten konfrontiert werden. Was hindert uns eigentlich, die vielen verdrängten, unerledigten Dinge des Lebens im Hier und Jetzt in Angriff zu nehmen, um uns von ihrem erdrückenden Ballast zu befreien? Warum halten wir an alten Verletzungen oder Beziehungen fest, die der Vergangenheit angehören? Warum können wir Angst, Wut, Hass oder Schuldprojektionen, die ganze Bandbreite negativer Emotionen, nicht loslassen? Wenn dieses Wissen umgesetzt würde, könnten wir uns von viel Leid und Schmerz befreien.« (Seite 242). Das Jenseits beginnt im Hier und Jetzt. Räume auf, reinige das Land deiner Seele!
Prüfe, was du hörst oder liest, mit Herz und Verstand -
und behalte das Gute !

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