Schicksal "Adoption" - ein Weckruf

Was uns sonst noch so alles bewegt
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Bargusin
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Schicksal "Adoption" - ein Weckruf

Beitrag von Bargusin » Di 20. Dez 2011, 10:35

Mir liegt es sehr am Herzen, dazu beizutragen, daß der Blick auf die Schicksale adoptierter Kinder und Erwachsener sowie vor allem deren Herkunftsmütter in unserer Öffentlichkeit nicht gänzlich verlorengeht, weil es auch zu meinem Schicksal gehört. Ich will Euren Blick zuerst mittels einer ghanaischen Fabel darauf lenken, wie tief verankert die Herkunft eines Lebewesens in seiner Seele ist - das gilt für einen Menschen ebenso wie für einen Adler:

Der Adler, der ein Huhn sein sollte

Ein Mann ging in den Wald, um nach einem Vogel zu suchen, den er mit nach Hause nehmen konnte. Er fing einen jungen Adler, brachte ihn heim und steckte ihn in den Hühnerhof zu den Hennen, Enten und Truthühnern. Und er gab ihm Hühnerfutter zu fressen, obwohl er ein Adler war, der König der Lüfte.

Nach fünf Jahren erhielt der Mann den Besuch eines naturkundigen Mannes. Und als sie miteinander durch den Garten gingen, sagte der: „Dieser Vogel dort ist kein Huhn, er ist ein Adler.“ „Ja,“ sagte der Mann, „das stimmt. Aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn, auch wenn seine Flügel drei Meter breit sind.“

„Nein“, sagte der andere. „Er ist noch immer ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers. Und das wird ihn hoch hinauf fliegen lassen in die Lüfte.“ „Nein, nein“, sagte der Mann, „er ist jetzt ein richtiges Huhn und wird niemals fliegen.“

Darauf beschlossen sie, die Probe zu machen. Der naturkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: „Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde: breite deine Schwingen aus und fliege!“

Der Adler saß auf der hochgereckten Faust und blickte sich um. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken, und er sprang zu ihnen hinunter.

Der Mann sagte: „Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn!“ „Nein“, sagte der andere, „er ist ein Adler. Versuche es morgen noch einmal.“

Am anderen Tag stieg er mit dem Adler auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: „Adler, breite deine Schwingen aus und fliege.“ Aber als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hof erblickte, sprang er abermals zu ihnen hinunter und scharrte mit ihnen.

Da sagte der Mann wieder: „Ich habe dir gesagt, es ist ein Huhn.“ „Nein“, sagte der andere, „er ist ein Adler und hat das Herz eines Adlers. Lass es uns noch ein einziges Mal versuchen.

Am nächsten Morgen erhob er sich früh, nahm den Adler und brachte ihn hinaus aus der Stadt, weit weg von den Häusern, an den Fuß eines hohen Berges. Die Sonne stieg gerade auf, sie vergoldete den Gipfel des Berges, jede Zinne erstrahlte in der Freude eines wundervollen Morgens.

Er hob den Adler hoch und sagte zu ihm: „Adler, du bist ein Adler. Breite deine Schwingen aus und fliege.“ Der Adler blickte umher, zitterte, als erfülle ihn neues Leben - aber er flog nicht.

Da ließ ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen. Und plötzlich breitete er seine gewaltigen Flügel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher und kehrte nie wieder zurück.“

(Aus: Müller L., Erwachen zum Glück des Seins. Die Kunst, sich selbst zu lieben.
Kreuz Verlag 1994, Seite 9-11)
Fundort: http://www.adoptierte-siegen.de/
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


"Halt dich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt." (Khalil Gibran)

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Re: Schicksal "Adoption" - ein Weckruf

Beitrag von Bargusin » Di 20. Dez 2011, 14:55

Natürlich hat jeder Mensch sein, ihm individuell auferlegtes "Kreuz zu tragen" (Zum "Tragen unseres Kreuzes" siehe in unserem Forum eine kleine, lehrreiche Geschichte: http://forum.norbert-hegenbarth.de/phpB ... 172&t=2023]).. Doch ein "Adoptionspäckchen" enthält seine ihm eigenen, speziellen Lasten, wie sie die Psychologische Psychotherapeutin Irmela Wiemann, die sich im Besonderen der Themen "Adoptions-/Pflegekinder" annimmt, in folgender Übersicht allgemein zusammenfaßt:

Adoptionsfolgen
für abgebende Eltern und Adoptivkinder aus psychologischer Sicht


Vorbemerkung

• Mit den leiblichen Eltern oder einem leiblichen Elternteil aufzuwachsen, ist in unserer Kultur selbstverständlich.
• Kinder sind Teil ihrer Verwandtschaft, letztes Glied von Generationen.
• Abgebende Mütter und Adoptivkinder befinden sich lebenslang in einer besonderen Situation.
• Die Kinder haben keine leiblichen Verwandten, die Mütter haben ihre Ansprüche an sich selbst und ihre gesellschaftlichen Rollenaufträge nicht erfüllt.
• Zum Leben beider Seiten gehören vielfältige Trauerprozesse.

Die Lebenssituation abgebender Mütter

• Herkunftseltern hatten selten eine geschützte und geborgene Kindheit.
• Ihr Leben ist oftmals geprägt von mangelnden materiellen Ressourcen, Unruhe, Ortswechseln, Krankheiten, Partnerschaftskonflikten usw.
• Andere haben posttraumatische Belastungsstörungen, schwere Suchtproblematiken, Behinderungen, manche eine Kombination von allem.
• Oftmals spielen Migration, Fremdsein, Sprachprobleme, illegal hier in diesem Land sein eine große Rolle
• Gefahr, von der Familie verstoßen zu werden
• Herkunftsmütter haben häufig weder durch die Väter der Kinder noch durch ihre eigenen Eltern noch durch andere Verwandte Unterstützung
• Viele sind selbst als Pflege-, Adoptiv- oder Heimkind aufgewachsen
• Zu dem Schmerz, ohne das eigene Kind zu leben, kommen Schuldgefühle, Selbstzweifel, Scham, Trauer und Bitterkeit, aber auch das Gefühl, versagt zu haben und Verlierende auf vielen Ebenen zu sein.

Auch Eltern ohne Kinder bleiben Eltern

• Mutter und ungeborenes Kind haben 9 Monate eine Einheit gebildet. Die Trennung löst bei Müttern bewusst oder in tieferen, abgespaltenen Zonen eine physiologische und psychische Katastrophe aus.
• Diese ist so groß, dass sie von vielen Müttern zunächst abgespalten (dissoziiert) wird.
• Unterschiedliche Bewältigungsstrategien bei den einzelnen Müttern: Vom Versuch, zu vergessen bis zur täglichen Trauer, Schuldgefühlen, Reue, Scham, der Sehnsucht, den Schritt ungeschehen zu machen.
• Wiederkehrende Lebenskrisen um den Geburtstag des Kindes.
• Unterschiedliche Phasen der Verarbeitung des Schmerzes: Viele Mütter berichten, dass sie zunächst über Jahre verdrängt, abgespalten haben. Erst nach 5, 10, manchmal nach 20 Jahren, wird manchen die große Tragweite ihrer damaligen Entscheidung bewusst und der Schmerz – oftmals auch anhaltende Depression – lässt sie nicht mehr los.
• Mütter, die offene Adoptionen pflegen, erleben dies ebenfalls als schmerzhaft, aber sie können die Adoptionsfreigabe besser in ihr Leben integrieren.
• Keiner Mutter gelingt es, ihr Kind auf Dauer zu vergessen.
• Die Wiederbegegnung zwischen Müttern und Adoptierten kann den Schmerz lindern, aber nie mehr aufheben.

Die Lebenssituation Adoptierter

• Wer mit Vater und Mutter aufgewachsen ist, kann sich oft nicht vorstellen, welchen Leidensweg Menschen durchleben, die ohne leibliche Verwandte groß werden. Viele Adoptivkinder führen ein Doppelleben: Einerseits gehören sie zu ihrer emotionalen-sozialen Familie. Andererseits vermissen sie ihre Herkunftsfamilie: leibliche Eltern und Geschwister.
• Der Kummer oder die Scham, von der Mutter, vom Vater getrennt, verlassen, verstoßen worden zu sein, verbindet sich mit dem fehlenden Wissen um Aussehen, charakterliche Bausteine und genetische Faktoren. Wer in einer Adoptivfamilie aufwächst, hat oft bis ins hohe Alter an dieser tiefen Lücke zu tragen.

Getrennt, verlassen, ausgetauscht:
Der Dauerschmerz, fortgegeben zu sein


• In früheren Jahren waren Fachkräfte in der Adoptionsvermittlung und die Allgemeinheit der Auffassung: Das Kind bekommt in seiner Adoptivfamilie doch alles, was es braucht. Die Herkunftsfamilie ist unwichtig. Es kommt allein auf die seelisch-emotionalen Bindungen in der Adoptivfamilie an. Vielleicht war dies auch eine Schutzhaltung, um die Dimensionen von Leid und Schwere nicht in der ganzen Tragweite wahrhaben zu müssen.
• Adoptierte selbst haben mit dem Mythos gebrochen, ihr Leben sei weitestgehend in Ordnung, indem sie Lebensberichte veröffentlichten, ihre innere Zerrissenheit, ihren Schmerz benannten, der durch die liebevollsten Adoptiveltern nicht aufgehoben werden kann.

Wirkungen der Trennung kurz nach der Geburt auf das Neugeborene

• Aus der Säuglingsforschung wissen wir, dass Neugeborene ihre Mütter von anderen Menschen unterscheiden.
• Sie erkennen ihre Mütter am Geruch, an der Stimme, am Herzschlag, an den Geräuschen in Magen und Darm.
• Sie hatten neun Monate einen gemeinsamen Kreislauf, waren nahezu ein Organismus. Das vorgeburtliche Kind war physiologisch und psychisch aufs engste mit der Mutter verbunden.
• Gerald Hüther (Hirnforscher, Neurobiologe) zufolge erzeuge „nichts so viel unspezifische Erregung im Gehirn eines Kleinkindes, wie das plötzliche Verschwinden der Mutter“.
• Der frühe Verlust im Leben wird vom Säugling gespeichert
• Die frühe Trennung ist in jedem Falle eine frühe Stresserfahrung
• Und frühe Stresserfahrungen – vorgeburtliche und nachgeburtliche – haben eine Vielzahl von Folgen auf die spätere Persönlichkeit.

Häufige Reaktionen auf den frühen Verlust/Bruch im Leben

• Adoptierte leben oftmals eine von Urmisstrauen, Kampf oder Flucht und dem Abspalten von Gefühlen geprägte Beziehung zu ihren Adoptiveltern. (vgl. Simon und Rech-Simon)
• Anhaltende Trauer über den Verlust der leiblichen Eltern
• Angst, auch von anderen Menschen nicht geliebt zu werden
• Gefühle von Einsamkeit und Nichtdazugehören
• Das Gefühl, nicht in Ordnung zu sein
• Das große Nein am Anfang des Lebens führt zu Ohnmachtsgefühlen, Selbstzweifeln, Autoaggression, Aggression, Wut, manchmal: Scham, Depression, Suizidgefahr

Bindungsmisstrauen

• Das unbewusste Programm heißt: Werde ich noch einmal fortgegeben?
• Konflikte werden inszeniert, um immer wieder zu prüfen, ob die neuen Eltern das Kind auch behalten
• Die Frage: Kann ich meine Adoptiveltern glücklich machen und sie zufrieden stellen, wo sich eigentlich ein leibliches Kind gewünscht haben?
• Bei kleinster Kritik: Meine Adoptiveltern lieben mich nicht

Kinder und Jugendliche aus Adoptivfamilien ...

• werden öfter als andere Kinder "Fachleuten" vorgestellt - ambulant als auch stationär.
• Schwedische Studie bei jungen erwachsenen Adoptierten aus dem Ausland:
– Häufung von Suizid
– Suizidversuchen
– Drogenabhängigkeit
– Psychiatrie-Aufenthalte
– soziale Unangepasstheit
Quelle: Hjern, Anders, Lindblad, Frank, Vinnerljung, Bo: Suicide, psychiatric illness, and social maladjustment in intercountry adoptees in Sweden: a cohort study, The Lancet, Volume 360, S. 443-448, Stockholm, 2002

Fragen, die von Adoptierten immer wieder gestellt werden

• Weshalb wurde ich fortgegeben? Bin ich schuld daran? Habe ich etwas falsch gemacht? Warum wollten mich meine Eltern nicht?
• Wer bin ich? Wo komme ich her? Wem gleiche ich? Wenn ich meine Eltern nicht kenne, wie soll ich wissen, wer ich bin?
• Die 4 jährige Mara: Ich frage mich nur, was an mir nicht richtig war, dass meine Bauchmama mich nicht wollte?
• Kinder, die aus der Babyklappe kommen, fühlen sich noch tiefer verlassen und verloren, als Adoptivkinder, bei denen die Mütter ihre Identität und die Gründe der Trennung vom Kind in der Adoptionsstelle hinterließen.

Aussagen von Findelkindern

• Maria, 4 ½ Jahre: Wenn sie etwas besonders Schönes erlebt wird sie urplötzlich traurig und sagt: „Schade, dass meine Äthiopienmama nicht bei uns ist“.
• Magro, 7 Jahre, weint oft: „Wenn ich nur herausfinden könnte, warum ich weggelegt wurde. Ich vermisse meinen ersten Papa und meine erste Mama so sehr.“
• Anna, 3 Jahre fragt jeden Erwachsenen und jedes Kind, dem sie begegnet: „Wo bist du geboren worden?“
• Julia, 6 Jahre: „Mein Geburtstag ist der traurigste Tag in meinem Leben.“
• Christian, 14 Jahre: „Die Eltern, die meinen Geburtstag mit mir feiern, waren bei meiner Geburt gar nicht dabei. Was für ein Betrug!“

Was ist Identität?

• Wortstamm von Identität: Lateinisch: Idem = derselbe
• Identifizieren, Identifikation = Wiedererkennen, Übereinstimmen
• Unter Identität verstehen wir unsere Einmaligkeit, unsere Unverwechselbarkeit, die Kontinuität des Ich (Erik Erikson). „Das Gefühl der Ichidentität ist also die angesammelte Zuversicht des Individuums, dass der inneren Gleichheit und Kontinuität auch die Gleichheit und Kontinuität seines Wesens in den Augen anderer entspricht.“ (Erikson 1968, S. 256).

Identität Adoptierter

• Wer bin ich, wem gleiche ich? Wer gab mir meine Bausteine, meine Dispositionen?
• Oftmals negative Identifikation: Ist meine Mutter ein schlechter Mensch, weil sie ihr Kind fort gab und bin ich deshalb auch schlecht?
Ist mein Vater ein dunkles Kapitel in meinem Leben und werde ich so werden wie er?
• Das innere Bild von den leiblichen Eltern, das die Adoptiveltern und das soziale Umfeld an das Kind senden, prägt seine Identität, sein Bild von sich selbst
• Oftmals unbewusste oder bewusste Loyalität: Wenn ich in die vermeintlichen Fußstapfen meiner Mutter, meines Vaters trete, bin ich ihnen näher.

Hilfen für die Identitätsentwicklung Adoptierter

• Fotos der Eltern – Lebensgeschichte – Gründe der Fortgabe kindgerecht darstellen
• Die Eltern für das Kind aufmalen

Definition des Kindes über die leiblichen Eltern

• Auch du bestehst aus Vater und Mutter, sie leben in dir weiter
• Deinen Körper, deine Haut, deine Haare, deine Hände, deine Füße, dein Gesicht, alles hast du von ihnen bekommen.
• Du hast von ihnen deine Begabung im Tanzen und Turnen und im Sport, deine Musikalität, dein Temperament, deine Lebensfreude
• Von deiner Mutter hast du vielleicht deine grünen Augen, vom Vater deine Nase und deine Ohren

Einfühlung zeigen:
Wenn ich meine Mutter und meinen Vater nicht kennen würde….


• ... dann würden mir wichtige Teile von mir selbst fehlen
• … dann würde ich eine tiefe Sehnsucht in mir spüren
• … dann würde ich mich verloren fühlen
• … ich könnte ihnen begegnen und wüsste es nicht
• … dann wüsste ich unbedingt gern den Grund, warum ich weggelegt wurde
• … wäre ich manchmal voller Trauer und Schmerz
• … hätte ich manchmal Wut auf sie
• … dann würde ich mir woanders Halt suchen
• … dann würde ich mich mit ihnen trotz allem verbunden fühlen
• … dann würde ich mir vorstellen, dass ich sie in mir trage
• … dann würde ich ihnen danken, dass es mich gibt
• … ich würde mir vorstellen, dass sie in meiner Nähe sind
• … dann würde ich denken, wenn sie mich heute sehen könnten,
• … dann würden sie sich über mich freuen und sie würden staunen, wie ich bin und was ich alles kann

Schlussgedanken zur anonymen Geburt und Babyklappe

• Durch solche Hilfen kann bei den Kindern die Wunde zwar versorgt, nicht aber geheilt werden.
• Der fehlende Boden unter den Füßen kann anonym abgegebenen Menschen nie mehr zurückgegeben werden.
• Schon Adoptierte, deren Eltern sich haben registrieren lassen, tragen lebenslang an dem Schmerz, fortgegeben worden zu sein.
• Anonym geboren oder in eine Babyklappe gelegt worden zu sein, bedeutet eine besonders radikale Form, sich unerwünscht, verstoßen und verloren zu fühlen.
• Die Gefahr, dass diese Kinder ihr Leben nicht annehmen können, ist nicht zu unterschätzen.
• Die Mütter (falls sie diese Abgabe überhaupt selbst wollten) werden lebenslang mit einer situativ getroffenen, vielleicht von anderen erzwungenen Entscheidung allein gelassen.

Quelle: http://www.irmelawiemann.de/
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


"Halt dich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt." (Khalil Gibran)

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Re: Schicksal "Adoption" - ein Weckruf

Beitrag von Bargusin » Di 20. Dez 2011, 15:25

Ein bewegendes Plädoyer für Toleranz gegenüber Frauen, die ihr Kind zur Adoption freigegeben haben.
Das Buch von Cornelia Oehlert


»Kinder gibt man nicht weg«, lautet das kategorische Urteil der meisten Menschen, wenn sie erfahren, dass eine Mutter ihr Kind zur Adoption freigegeben hat. Was sie nicht hinterfragen, ist die Geschichte dazu. Oft genug können Mütter darüber gar nicht selbst befinden, denn ›besorgte‹ Familienangehörige nehmen ihnen diese Entscheidung ab.

Lisa wurde vor neununddreißig Jahren von ihrer Mutter Claudia zur Adoption freigegeben und erst zweiunddreißig Jahre später wiedergefunden. Selbst Jahre danach kann sich Lisa nicht entschließen, ihre leibliche Mutter zu treffen. Deshalb schreibt ihr Claudia einen Brief, in dem sie ihr die ganze Geschichte erzählt. Und so erfährt nicht nur Lisa, welche schockierenden Lebensumstände zu ihrer Adoption geführt haben.

Bedingt durch negative Erfahrungen als Scheidungskind und Mutter, die von ihrer eigenen Familie zur Adoption ihres Kindes genötigt wurde, hat sie sich schon sehr früh für soziale und gesellschaftliche Themen interessiert. Durch die Suche nach ihrer vor mehr als dreißig Jahren zur Adoption freigegebenen Tochter, hat sich die Autorin in den vergangenen Jahren ganz besonders dem Thema Inkognitoadoptionen gewidmet und dabei festgestellt, dass diese durchaus nicht immer "zum Wohle des Kindes" erfolgen und der abgebenden Mutter oft großes Leid zufügen. Zu diesem Leid kommt noch erschwerend die Meinung der Gesellschaft dazu, die auf solche Frauen oft mit Verachtung reagiert. Durch ihr spannendes Buch möchte sie andere auf dieses Thema aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen.

Homepage der Autorin des Buches: http://www.cornelia-oehlert.de/

Mein kleiner Blog "Ratgeber Adoption": http://ratgeber-adoption.blogspot.com/
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


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