Germanische Religion

"Der wahrhaft religiöse Geist ist frei von allen Gurus." (Krishnamurti, Vollkommene Freiheit)
Antworten
Benutzeravatar
DocNobbi
Administrator
Beiträge: 1410
Registriert: Do 22. Jul 2010, 13:59
Wohnort: nahe Stuttgart
Kontaktdaten:

Germanische Religion

Beitrag von DocNobbi » So 6. Feb 2011, 21:48

Germanische Religion


Die Völker des germanischen Sprachraums lebten ursprünglich in Stammesverbänden, an deren Spitze Könige und Heerführer standen, in dem Gebiet zwischen Rhein, Donau und Weichsel. Als Roms Macht verfiel, ließen sich einige Stämme in Südnorwegen, Schweden sowie in Süd- und Ostengland nieder. Andere zogen ostwärts bis nach Südrussland, südwärts nach Italien und Spanien, ja sogar nach Nordafrika, errichteten jedoch keine dauerhaften Siedlungen. Die Bekehrung zum Christentum fand im angelsächsischen England und in Zentraleuropa relativ früh statt, Dänemark, Schweden und Norwegen hingegen behielten ihre alte Religion länger bei. Diese breitete sich bis nach Island aus, wo die Skandinavier einen "Freistaat" errichtet hatten. Erst im 11. Jahrhundert konnte sich das Christentum auch im Norden etablieren, und zahlreiche Berichte aus dem frühen christianisierten Island zeugen von einer blühenden Wissenschaft und großem Interesse an der skandinavischen Vergangenheit. Unsere Kenntnis der Mythen stammt hauptsächlich aus der mittelalterlichen Literatur der skandinavischen Länder, insbesondere aus dem Island der Wikingerzeit.

Die germanischen Mythen erzählen von den Konflikten zwischen Göttern und Ungeheuern. Die Götter errichteten im eigenen Reich wie in dem der Menschen eine Ordnung, begründeten Gesetz und Reichtum, Kunst und Weisheit. Ungeheuer, Frost- und Reifriesen hingegen waren bedrohlich, weil sie die Welt wieder ins Chaos zu stürzen suchten. Die Geschichten handeln von tatkräftigen, rastlosen Menschen, die an Kriege, Unsicherheit und ungünstige Wetterverhältnisse gewöhnt waren, von Kriegern, die überall einfielen und sich gegenseitig bekämpften, um neues Siedlungsgebiet zu erobern. Die Skandinavier der Wikingerzeit führten diese Tradition weiter, indem sie auf der Suche nach Ruhm und Reichtum weite Seereisen unternahmen. Die Menschen wandten sich an die Asen und Vanen, die Götter des Himmels und der Erde, die Gesetz und Ordnung fördern und Fruchtbarkeit bringen sollten. Die Götter gewährten aber auch Wissen über Vergangenheit und Zukunft, dichterische und rhetorische Inspiration, sie standen den Königen bei und sorgten für Kriegsglück sowie - nach dem Tode - für Aufnahme ins Reich der Ahnen.
Prüfe, was du hörst oder liest, mit Herz und Verstand -
und behalte das Gute !

Benutzeravatar
DocNobbi
Administrator
Beiträge: 1410
Registriert: Do 22. Jul 2010, 13:59
Wohnort: nahe Stuttgart
Kontaktdaten:

Re: Germanische Religion

Beitrag von DocNobbi » So 6. Feb 2011, 21:51

Chronologie

1. Jh. v. Chr Germanische Völker leben östlich des Rheins
9 n. Chr. Die Cherusker unter Arminius schlagen die römischen Legionen des Varus im Teutoburger Wald
Ende 4. Jh. Erste Missionierungen unter den Germanen; Übersetzung der Bibel ins Gotische
5. Jh. Ansiedlung der Angeln und Sachsen in England
375-568 Völkerwanderung
597 Das Christentum gelangt nach Kent, England
8.-11. Jh. Ausbreitung der Skandinavier (Wikingerzeitalter)
800-1200 Entstehung der Älteren Edda
ab 955 Beginn der Christianisierung Norwegens durch Olaf Tryggvason
1000 Island nimmt das Christentum an
Um 1223 Entstehung der Jüngeren Edda von Snorri Sturluson
Prüfe, was du hörst oder liest, mit Herz und Verstand -
und behalte das Gute !

Benutzeravatar
DocNobbi
Administrator
Beiträge: 1410
Registriert: Do 22. Jul 2010, 13:59
Wohnort: nahe Stuttgart
Kontaktdaten:

Re: Germanische Religion die GÖTTER

Beitrag von DocNobbi » So 6. Feb 2011, 22:06

Germanische Religion
Skandinavische Gottheiten der Wikingerzeit

Balder Sohn Odins, zum Sterben verdammt
Freyja Göttin der Fruchtbarkeit, Schwester Freyrs
Freyr Gott der Fruchtbarkeit und der königlichen Ahnen
Frigg Königin des Himmels, Gemahlin Odins
Heimdall Wächter über Asgard, galt als Vater der Menschheit
Hönir stummer Gott, Gefährte Odins
Loki Unhold und Gefährte der Götter
Njörd Gott des Meeres und der Schiffe, Vater Freyjas und Freyrs
Odin oberster Gott
Thor Gott des Himmels und des Donners, Beschützer der Gesetze und der Gemeinschaft
Tyr derjenige, der den Wolf fesselte
Ull Gott mit Kufen und Bogen

Frühgermanische Gottheiten

Donar Gott des Himmels und des Donners (angelsächsich: Thunor)
Frea oberste Göttin, Gemahlin Wodans (angelsächsisch: Frig)
Ing Fruchtbarkeitsgott mit Wagen, den auch die Angelsachsen kannten
Nehalennia Göttin der Fruchtbarkeit und des Meeres, wurde an der Küste Hollands verehrt
Nerthus Erdgöttin, wurde in Dänemark verehrt
Tefwas Gott des Himmels, des Gesetzes und der Schlacht (angelsächsisch: Tiw oder Tig)
Wodan Gott der Unterwelt, der Magie, der Inspiration, der Dichtung und der Schlacht (angelsächsisch: Woden)


Tiergötter und Totemismus

Aus der Urzeit des schweifenden Jägers stammen die Tiergötter. Sie deuten auf Totemismus hin. Es gibt eine kultische und eine soziale Form des Totemismus. Das aus dem Indianischen stammende Wort bezeichnet etwa die "Sippe" in Verbindung mit einer Schutzmacht, die als Tier verkörpert ist. Der kultische Totemismus führt magische rituelle Handlungen durch, um z. B. für Vermehrung der Jagdtiere zu sorgen, der soziale Totemismus dagegen ordnet den Stamm in Totem-Clans, die bestimmten sozialen Tabus unterliegen, z. B. dem Heiratstabu.

Bei den Germanen waren Eber, Stier, Hirsch und Vogel Totemtiere. Das heutige "Glücksschwein" geht auf den Eberkult zurück, der übrigens auch auf den sozialen Totemismus verweist; ein "germanischer" Stamm hieß nach diesem Totemtier die "Eberleute", die Eburonen. In der Römerzeit waren diese Totembezüge schon verwischt, man sprach von "heiligen Tieren", die jeweils einer Gottheit zugeordnet waren.


Frühe und vergessene Götter

Zu den frühen Zeugnissen der nordeuropäischen Mythologie gehört eine Felsengravierung aus der Bronzezeit. Sie zeigt eine Figur mit einem Speer, vielleicht der spätere germanische Gott Teiwas, der mit dem römischen Kriegsgott Mars gleichgesetzt wurde, aber auch als Gesetzesbringer galt. Vielleicht war dies auch die Gottheit, die Tacitus "Gott und Herrscher über alles" nannte und die in einem heiligen Wald verehrt wurde. Wer den Wald betrat, musste gefesselt werden - eine Vorstellung, die auch mit dem skandinavischen Tyr verbunden war. Bei diesem handelt es sich um eine spätere Form des Teiwas, den man deshalb verehrte, weil er den Wolf gefesselt hatte.

Der Donnergott Donar stand mit den großen Eichenwäldern Nordeuropas in Zusammenhang und wurde mit dem römischen Jupiter sowie mit Herkules gleichgesetzt. Sein Attribut war die Axt, ein Symbol für die Macht des Blitzes.

In der angelsächsischen Literatur finden sich Spuren von Mythen über einen jungen Gott, der vom Meer her kam und Wohltaten brachte. Das Meer wurde wie die Erde mit Fruchtbarkeit gleichgesetzt, und so war auch das Schiff eines der Hauptsymbole der Fruchtbarkeitsgötter. In Dänemark gab es eine mächtige Göttin namens Nerthus, in den Niederlanden eine Göttin der Nordsee namens Nehalennia. Außerdem wurde eine Königin des Himmels sowie eine Gefährtin der Himmelsgöttin Frea verehrt. Sowohl in germanischen als auch in keltischen Gebieten finden sich auf Steinen aus der Römerzeit Darstellungen von Begleiterinnen weiblicher Gottheiten, die als die Mütter bezeichnet wurden (häufig als Dreigestalt). Ein weiteres Symbol der Fruchtbarkeitsgötter war der Eber, der als schützender Talisman bei der Schlacht mitgeführt wurde.

Von der Frühzeit an war Wodan, der mit dem römischen Merkur gleichgesetzt wurde, eine bedeutende Gottheit. Wodan brachte Glück in der Schlacht und wurde manchmal als reitender Krieger dargestellt; doch er war eine düstere Gestalt, dessen Gefolge am Ende zu Niederlage und Tod verdammt war. Man opferte ihm Menschen, indem man sie erhängte. Obwohl er (wie Merkur) den Weg in die Unterwelt wies, wurde er auch mit dem Himmel in Verbindung gebracht und durch den Adler symbolisiert. Andere Symbole für ihn waren der Wolf und der Rabe, Wesen des Schlachtfelds. Er stand mit Weissagung, den Runensymbolen und der Ekstase in Zusammenhang und war sowohl für Krieger als auch für Dichter eine Quelle der Inspiration. Als Urahn der Könige gewährte er diesen seine Gunst, und von ihm hing ihr Erfolg ab. Wie Teiwas besaß er einen Speer und, aufgrund seiner Kenntnis der Zauberformeln für die Schlacht, die Macht zu binden und zu lösen.

Quelle:Wissen.de
Prüfe, was du hörst oder liest, mit Herz und Verstand -
und behalte das Gute !

Antworten

Zurück zu „Religionen“