voodoo

"Der wahrhaft religiöse Geist ist frei von allen Gurus." (Krishnamurti, Vollkommene Freiheit)
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Hathor
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voodoo

Beitrag von Hathor » So 20. Feb 2011, 17:36

Hallo Freunde!

heute will ich euch ein wenig vom Voodoo erzählen. Dieser Brauch wird als Religion in der Karibik und im Umkreis von den Bewohnern dort betrieben. Böse Zungen sprechen sogar davon, beim Voodoo würden Zombies, diese Untoten, erschaffen.

Der Ursprung des Voodoo liegt in der Negerversklavung. Nachdem die christlichen Spanier zu Beginn des 15. Jahrhunderts die hochstehenden Azteken und Inkas unterworfen hatten, begann sich deren Zahl zu dezimieren. Zwar wehrten sich die Indianer so gut es ging, aber mit Pfeil und Bogen und anfangs ohne Pferde, das war ungefähr so, als wenn heute leichte Kavallerie gegen eine gut ausgerüstete Armee mit Panzern und Kanonen kämpft. Sie wurden wie wilde Tiere einfach abgeknallt und die eingeschleppten Krankheiten wie die Pest, Cholera, Blattern und die Geschlechtskrankheiten, denen die Naturvölker hilflos ausgeliefert waren, taten ein übriges.

So sank von 1502 = 3 Mill bis 1542 die Anzahl der Eingeborenen auf Haiti auf nur noch 200. In Mexico sanken sie von 1512 = 25 Mill bis auf 6 Mill 1542. Und immer mehr goldgierige weiße Siedler kamen hinzu. Sie benutzten, genau wie die Plantagenbesitzer, die überlebenden Indianer als billige Arbeitssklaven.

In dieser Situation schlug der erste Bischof von Chiapa Bartholomé de Las Casas im Jahre 1512 vor, billige Negersklaven aus dem Menschenreservoir Afrika zu importieren. Er wollte damit die Indianer schonen, aber durch die Versklavung eines anderen Volkes versuchte er den Teufel durch Beelzebub auszutreiben.

Der nun beginnende Negersklavenhandel machte so bekannte Zeitgenossen wie Peter Stuyvesant oder Thomas Jefferson, später Präsident der USA zu Millionären.
So wurden Millionen von Neger nach Amerika gebracht.

Die Sklaven brachten natürlich auch ihre Religion mit in die neue Heimat. Wahrend der Kolonialzeit wurde sie nur im Untergrund ausgeübt und gepflegt. Für die Sklaven war es eine natürliche Reaktion auf die ihnen aufgezwungene Ideologie der Weißen. Diese Religion hieß damals Voodoo, nennt sich aber auch Santeria, Umbanda, Macumba und Condomblé. Voodoo bedeutet "Kraft", "das Unsichtbare" oder "der Geist".

In Amerika existiert Voodoo nun überall dort, wohin immer Negersklaven importiert wurden, so in New Orleans, Miami, in Brasilien wie in der Karibik in Haiti und Kuba.

Im Grunde genommen ist diese Religion auf der Dualität von Gut und Böse aufgebaut. Ihre Götter haben genau wie Menschen auch deren Eigenschaften. Sie sind gut und schlecht, voller Haß oder Liebe, voller Tugenden oder Laster. Den Göttern werden so alle menschlichen Eigenschaften angedichtet.

Nächtliche Rituale mit Gesang, rhythmischem Trommelschlag, Rum und Zigarren und vor allem Tanz werden meist in einem provisorischen Houngan (Tempel) abgehalten. Sehr oft geraten Gläubige in Trance und werden dann von einem Loa (Gott) besessen. Der Altar ist mit allerlei Gebrauchsgegenständen bestückt und gefüllte Wassergläser dienen zum Absorbieren negativer Energie. Vor den versammelten Voodoossies schneidet der Housin (Priester) oder die Mambo (Priesterin) einem Hahn oder einer Ziege die Kehle durch.

Die ganze Zeit über tanzen einige Teilnehmer zum rhythmischen Trommelschlag bis zur Besessenheit. Dann ist es plötzlich soweit und sie fallen in Trance. An der Art des Benehmens der Trancetänzer erkennen die anderen Voodoossies dann sofort, welche Gottheit von ihnen Besitz ergriffen hat.

Da gibt es Gott Domballa, den uralten Vater, den Loa Obtala, Legba den Schelmengott, Ghede den Gott der Grenze zwischen Leben und Tod. Aguré, den Herrn des Meeres, die Göttin der Schönheit Erzulie, die sich in anmutigen Bewegungen ausdrückt, den Loa Simbi-en-deux- eaux, der Waffen und militärischen Drill liebt, außerdem für seine Derbheit bekannt ist. Der Loa Ogoun, Gott des Feuers, spielt gern mit Säbeln und läßt die Trance-Tänzer auf der Klingenspitze balancieren. Dabei werden sie nicht verletzt und das ist für die anwesenden Voodoossies der Beweis, dass tatsächlich der Gott anwesend ist.

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Re: voodoo

Beitrag von DocNobbi » Mo 21. Feb 2011, 00:26

Voodoo und katholische Kirche

Der katholische Glaube hat auf Haiti wohl eine recht eigentümliche Richtung eingeschlagen, weit ab von den Vorstellungen der Amtskirche. Für den gläubigen Wodu-Anhänger ist die kirchliche Sicht der Dinge lediglich Bestätigung und Erweiterung seines Weltbildes.

Die katholische Muttergottes findet beispielsweise sogar als „Maitresse Ezilée“ Verehrung und viele Heilige der Kirche sind in die Götterwelt des Wodu eingegangen. Natürlich mit gebührendem Abstand zum Schlangengott „Damballa“.

Der Wodu-Kult oder die Wodu-Religion auf Haiti ist ja, wie von Hathor erfahren, das afrikanische Erbe längst vergangener Tage. Aber weder Zeit noch Raum konnten der Bedeutung der magischen Vorstellungen Schaden zufügen. Eine Religion, die wohl älter ist als die meisten noch praktizierten der Gegenwart.
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