Das altägyptische Heer

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Hathor
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Das altägyptische Heer

Beitrag von Hathor » Sa 22. Jan 2011, 09:30

Hallo Freunde!

Etwa vor dem Jahr 1 700 v Chr waren den alten Ägyptern Pferde und Streitwagen unbekannt. Erst der Einfall der Hyksos um diese Zeit führte ihnen den Kampf von einem mit schnellen Pferden gezogenen Streitwagen vor Augen. Bis dahin kannten die Ägypter nur ihr kämpfendes Fußvolk und konnten den Streitwagen nichts entgegensetzen. Sie wurden praktisch überrannt.
Die Herrschaft der Hyksos über Ägypten dauerte 108 Jahre, dann hatten sich die Ägypter angepasst, d h sie stellten selbst Streitwagen her. Das dürfte der Wendepunkt für die ägyptische Armee gewesen sein. Das Heer wurde moderner.

Wie wurde man nun im Heer Soldat. Anfangs wurde der Beruf eines Kriegers zumeist vom Vater auf den Sohn vererbt. Schon mit sechs Jahren erfolgte bei den Kindern die Ausbildung zum Soldaten. Sie trainierten Stockkampf, Gewichtheben, Ringen, Wagenlenken, Speerkampf, Schwertkampf, Messer werfen und Bogenschießen. Diese militärische Ausbildung war erst mit beginnendem Erwachsenenalter beendet. Dann hatte man meistens auch einen militärischen Posten erreicht und durfte neu eintretende Soldaten zuerst einmal verprügeln, um ihnen Respekt einzuflößen, bevor man sie dann zum Frisör schickte.

Hier bringe ich aus dem Papyrus Anastasi III von ca 1 200 v Chr ein Schreiben von einem Vater, der seinem Sohn von einem Soldatendasein abrät und ihm lieber den Beruf eines Schreibers schmackhaft machen will.

"Was sagst du, erzählen sie, dass der Beruf des Soldaten angenehmer ist als der des Schreibers? Komm, ich erzähle dir, wie es dem Soldaten ergeht, der sich sehr anstrengen muss. Er wird schon als Kind ins Lager gebracht und ist dort eingesperrt. Er erhält heftige Prügel, sein Auge wird verwundet, seine Stirn erhält einen Schlag, dass sie aufplatzt. Er wird hingelegt und geschlagen wie Papyrus. Er muss Qualen erleiden. Komm, lass mich dir von seiner Reise nach Chor (Palästina und Syrien) erzählen und von seinem Marsch die Hügel hinauf. Er trägt seine Rationen und sein Wasser auf den Schultern wie der Esel seine Last. Sein Nacken ist hart wie der eines Esels. Seine Rückenwirbel sind gebrochen. Er trinkt brackiges Wasser und hält an, wenn er Wache stehen muss. Wenn er auf den Feind trifft, ist er wie ein gefesselter Vogel ohne Kraft in seinen Gliedern. Wenn er es schafft, nach Ägypten zurückzukehren, ist er wie ein Stock, den der Holzwurm aufgefressen hat. Er ist krank, Erschöpfung überkommt ihn. Er wird auf einem Esel zurückgebracht, seine Kleider sind gestohlen worden, sein Handlanger ist weggelaufen.... Hör auf zu sagen, dass der Soldat einen angenehmeren Beruf hat als der Schreiber."

Aus der Zeit um etwa 700 v Chr sind uns aus dem alten Ägypten geschätzte Zahlen bekannt. Damals hatte Ägypten ca 4 Mill Einwohner. 410 000 von ihnen waren Soldaten, also etwa 10%.
Zu jedem Soldat wird eine 4-köpfige Familie gezählt, so dass etwa 1 640 000 Menschen in das Militär involviert waren oder davon lebten.

In jener Zeit war das Heer wohlorganisiert. Außer der kämpfenden Truppe gab es noch Musiker (für Trommel und Fanfaren), Standartenträger, auch Schreiber, die das Schlachtgeschehen aufzeichneten, waren vorhanden.

Das kämpfende ägyptische Heer, mit dem z B der Sieg bei Megiddo oder die Schlacht bei Kadesch geschlagen wurde, bestand nach Schätzungen unserer Historiker aus 20 000 Mann. Es waren die vier Divisionen à 5 000 Mann, genannt nach den ägyptischen Göttern, nämlich die Division Ptah, Amun, Re und Seth.

Jede Division hatte 10 Regimenter, ein Regiment 2 Kompanien à 250 Mann. Die kleinste Einheit war ein Zug mit 10 Mann. Die Divisionen waren ausgerüstet mit Stöcken, Streitkolben, Schleudern, Wurfstäben, Pfeil und Bogen, Axt, Dolch, Schwert, einzelne mit Schild und dem Sichelschwert Kopesh. Eine ungenannte Anzahl Streitwagen mit einem Lenker und einem Kämpfer mit Pfeil und Bogen bildete Eliteeinheiten. Die Truppe legte 20 km am Tag zurück, hatte jeden 6. Tag eine Ruhepause und dann wieder den Tag vor jeder Schlacht eine Ruhepause.

Innerhalb von Ägypten wurden die Soldaten des stehenden Heeres auch zu Polizeieinsätzen kommandiert oder mussten Steuereintreibern bei ihrem Handwerk zur Seite stehen.
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