Die goldenen Mumien von Bahariya

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Hathor
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Die goldenen Mumien von Bahariya

Beitrag von Hathor » Fr 25. Mär 2011, 09:49

Hallo Freunde,

Die goldenen Mumien von Bahariya

In der Sahara, nahe dem Nachbarland Lybien sind unter den Oasen Farafra, Dakhla, Kharga, Siwa und Bahriya in Ägypten nur die beiden letzteren etwas bekannt. Siwa war schon in der älteren Geschichte durch seinen Amun-Tempel bekannt, dessen Orakel damals den großen Erobererer Alexander dem Großen als ägyptischer Pharao bestätigte.

Zwar gab es in Bahariya auch einen Tempel, doch er war nicht so sehenswürdig und dümpelte bis 1996 für die wenigen Touristen dahin, die sich hierher verirrten. Der Tempel in Bahariya war als einziger Tempel Ägyptens Alexander dem Großen geweiht, da er damals im Jahre 332 v Chr bei seiner Reise nach Siwa hier durchgekommen war. Damals erst wurde er erbaut. Doch das alles war vor 1996. In diesem Jahr wurde die Oase Bahariya berühmt. Wie das kam, ist jetzt Gegenstand meines Vortrages.

An einem lauen Sommerabend im Jahr 1996 bewachte der Einheimische Abdul Maugud den Tempel des Alexander in der Oase Bahariya, in der Wüste, 400 km von Kairo entfernt. Während er am Tempeleingang vor sich hindöste, riss sich plötzlich sein Esel los und preschte unter lautem Gekreische in die Wüste hinaus.
Zuerst wollte Abdul ihm nachlaufen, doch dann siegte sein Pflichtbewußtsein und er bewachte weiter seinen Tempeleingang. In zwei Stunden wurde er ja abgelöst und dann konnte er seinen Esel wieder einfangen, den er am Horizont umhertollen sah.Einzufangen brauchte er seinen Esel dennoch nicht, denn das Tier kam immer noch laut kreischend und blökend zurück. Dann rannte es wieder zu der Stelle hin, an der es vorher war. Abdul hinterher. Der Esel blieb vor einem Loch stehen, an dem er vorher eingebrochen war und der Tempelwächter schnappte sich schnell wieder die Zügel. Dann blickte er in das Loch und er sah Gold glitzern und gleissen. Abdul hatte einen Wüstenfriedhof seiner alten Vorfahren entdeckt.

Der Vorfall wurde der ägyptischen Altertümerverwaltung gemeldet. 3 Jahre dauerten die Voruntersuchungen mit Bewilligung der Gelder für das Grabungsprojekt, dann rückte das archäologische Team an. Der unterirdische Friedhof hat eine Fläche von ungefähr 6 qkm und wird von den Archäologen auf 10 000 Gräber und Mumien geschätzt.

Bisher wurden viele Einzelmumien und in Grab Nr 54 etwa 43 vergoldete Mumien mit vielen Beigaben entdeckt. Grab Nr 62 war sogar ein Felsengrab. In 15 Gräbern wuren schon 230 Mumien ausgegraben, genau untersucht und katalogisiert.

Gold gab es lange nur für die Mumie eines Pharao. Diese Sitte wurde erst zur Ptolemäer-Zeit gelockert (323 - 30 v Chr). Danach gab es Goldmasken für alle die es sich leisten konnten. Alle Mumien waren zuerst in Leinenbinden gewickelt, viele erhielten dann eine Gipskartonage mit Papyrus und Goldmasken oder vergoldeten Frontplatten. Bei Armen blieb es bei den Leinenbinden. Die meisten Frontplatten waren bemalt mit Bildern ägyptischer Gottheiten, auch mit Szenen aus der Götterwelt. Es gab Sprüche wie "Du wirst wieder leben, Du wirst für ewig leben, Du wirst von neuem jung werden für ewig."

Bisher war die Oase Bahariya abgesehen von ihren heißen und kalten Quellen und ihren 150 000 Dattelpalmen für die Touristen nur wegen ihres Alexander-Tempels eines Besuches wert. Und das nur, weil die Oase damals auf der Reiseroute von Alexander dem Großen bei seinem Orakelbesuch in Siwa lag. Wahrscheinlich hat er hier mal übernachtet.

Das war damals zur Pharaonenzeit unter dem Namen Djesdes anders. Djesdes war bekannt in ganz Ägypten für seine Spitzenweine. In der Oase Bahariya wurde seit 5 000 Jahren Weinanbau betrieben. Es gab Weine erster Qualität und die süssen Dattelweine waren hochgelobt. Die beste Note erhielten Weine aus der ersten Lese. die zweite Lese war der Landwein, eine Mischung aus Wasser, Saft und Trester war für weniger Betuchte.

Neben dem Gräberfeld mit vermutlich 10 000 Mumien stießen die Archäologen noch auf eine Mumienwerkstatt in der die Mumien in professioneller Art vorbereitet wurden. Auf langen Tischen wurde den Verstorbenen das Gehirn durch die Nasenlöcher mit einem Haken entfernt und die Eingeweiden, sowie Lunge, Leber, Magen und Darm in eigenen Kanopen beigesetzt. Dann wurde der leere Innenraum des Bauches mit Palmwein gereinigt und mit Myrrhe, Kassia, Salböl und anderen Spezereien eingerieben. 70 Tage lag die Mumie danach in Natron und verlor jede Feuchtigkeit.

Durch die Erforschung der Mumien gewann das Mumienlabor des Dr Iskander in Kairo jede Menge Erkenntnisse. Bisher wurden die Mumien schon bei der Autopsie beim Auswickeln zerstört. Jetzt wurden sie vorher durch Röntgen untersucht, auch die Computertomographie wurde dafür herangezogen. Damit kann man heute ihr Alter feststellen und auch Krankheiten, woran sie gestorben sind.
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