von Augustinus

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DocNobbi
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von Augustinus

Beitrag von DocNobbi » Di 25. Jan 2011, 16:43

Augustinus

Wer wandelt in dem dunkeln Wald,
Den Wölfe sonst als Aufenthalt
Nur hinter dicken Bäumen kannten?

Wer liest im großen Folianten,
Dort bei der Quell', mit frommem Fleiß?
Es ist ein sehr andächt'ger Greis.
Jetzt schweigt befiedertes Gewimmel;
Die Abendröte glühet kaum.
Er kniet bei einem großen Baum,
Und schaut in den viol'gen Himmel.
Und ungesehn und ganz allein
Streckt er hinauf in Sternenschein,
Mit blassem, weinenden Gesichte,
Die Hände zu dem ew'gen Lichte,
Und seufzt, indem er leise spricht:
Wo find' ich doch im Finstern Licht?
Du, droben, in der schönen Klarheit,
Vertilge mir der Zweifel Qual,
Erläutre mich durch deinen Strahl!
Und zeige meinem Geist die Wahrheit.
In Jesus hei'ger Liebestat,
Ja selbst wenn eitle Welt sich naht,
Wenn Sonne sinkt, wenn Sterne brennen,
Im Dunkeln – muss ich Dich erkennen.
Doch – wo die Blume schön und groß,
Da nagt der Wurm in ihrem Schoß;
Und wo das Gute sich entfaltet,
Da ist der Böse mit zugleich,
Wie der Versucher in dem Zweig,
Und schleicht sich, bis er oben waltet.
Zwar bricht wohl wieder Tag hervor
Durch's ewig lichte Himmelstor,
Und schaut die Erde freudetrunken,
Wenn Finsternis dahin gesunken.
Zwar fühl' ich selbst das Guten Lust,
Süß zu erfüllen meine Brust.
Das Laster kann mich nur erschrecken.
Und gegen dieses Schreckenbild,
Mit diamantnem Tugendschild,
Muss kämpfend ich die Brust bedecken
Doch – ohne Schatten, was ist Licht?
Wir fühlen ohne Schmerzen nicht
Die wahre Freude hier im Leben.
Ward Bosheit nicht der Welt gegeben,
Damit sie immer, kampfbereit,
Die Tugend stärke durch den Streit?
Wenn Wolken uns den Mond verraten,
Zeigt er sich schöner nicht der Welt?
Und was ist selbst der beste Held
Wohl ohne große Siegestaten?

Also ist Laster Tugend mit,
Und das, was ich mit Zorn bestritt,
Kann auch die Liebe wohl verdienen.
Was Gutes mir zuvor erschienen,
War Täuschung nur und Leidenschaft,
Ein Stachel für die träge Kraft.
Bestimmt vorher muss Alles werden;
Ein Spielzeug in des Mächt'gen Hand;
Und ich, der ich mich frei genannt,
Bin nur ein armer Sklav' auf Erden.
So rief Gott selbst die Schlang' hervor,
Wodurch die Unschuld gleich verlor
Das Elternpaar in Edens Haine?
Was Allmacht ist, das wirkt alleine.
Die Blume machte Gott so weich,
Um selbst sie zu vertilgen gleich?
So ist er selbst als Wurm erschienen?
Nein, nein! das ist er nicht. - Und wer?

Ein andrer Gott, von unten her?
Zwei Götter! Welchem soll ich dienen?

Mehr sprach der bleiche Klausner nicht.
Er sank und fiel auf sein Gesicht,
Und ohne Hoffnung, ohne Glaube,
Wand er sich, wie ein Wurm, im Staube.
So lag der kummervolle Greis,
Auf seiner Stirn des Todes Schweiß.

Da wacht' er aus dem finstern Traume.
Die Sonne trat aus Ostens Hall',
Und eine kleine Nachtigall
Sang dort ihr Morgenlied vom Baume.
Prüfe, was du hörst oder liest, mit Herz und Verstand -
und behalte das Gute !

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