5. Zen-Meditation

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Hathor
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5. Zen-Meditation

Beitrag von Hathor » Mo 15. Nov 2010, 15:41

Hallo Freunde!

im 6. Jahrhundert brachte der buddhistische Mönch Bodhidharma den Zen-Buddhismus nach China. Dort nannte man ihn Chan-Buddhismus. Erst 600 Jahre später, im 12. Jahrhundert gelangte er nach Japan und dort bekam er den Namen Zen. In Japan erlebte der Zen-Buddhismus seine Blütezeit. Zen heißt im japanischen Versenkung und die Zen-Meister, die Zenji entwickelten mit ihm ein regelrechtes Ritual.

Die Meditation des Zen wird zumeist im Zazen, im Sitzen durchgeführt. Man sitz im Fersensitz und hält die Hände vor dem Bauch unterhalb des Nabel gefaltet. Hierbei ist ebenfalls der Rücken gerade und die Augen geschlossen. Es gibt zwei Arten. Bei Söto sitzt man mit dem Gesicht zur Wand, bei Rinzai mit dem Rücken zur Wand.

Ein Aufpasser überwacht die Zen-Gruppe und kontrolliert die richtige Körperhaltung, die Seiza. Sobald er meint eingreifen zu müssen, wenn diese Haltung vernachlässigt wird, verabreicht er dem Zazen-Ausübenden einen leichten Schlag mit seiner Klatsche.

Die erfahrenen Zen-Meister, die Roshis stellen in den Pausen ihren Schülern noch eine fast nicht logisch zu beantwortetende Koan-Frage, um dessen Achtsamkeit und geistige Erfahrung zu stärken.

Viele Grüße

Hathor

Ufojaeger
Co-Moderator

Re: 5. Zen-Meditation

Beitrag von Ufojaeger » So 26. Dez 2010, 12:40

Das Koan ist meisstens knallhart logisch. Eigentlich will ich keine Koans auflösen. Man möge mir verzeihen, ich werde Eines mal auflösen. Es ist das klassiche Koan schlechthin. Dann werdet Ihr die Logik vielleicht erkennen.

Der Meister hält einen Stock hin und fragt: Was ist das? Die üblichen Antworten sind zunächt: "ein Stock". Natürlich ist das ncht die Antwort, weil die Frage lautet, was ist das. Ich könnte das Spielchen noch stundenlang fortsetzen. Es ist kein Stock. Worte sind Schall und Rauch und bezeichnen nur die Dinge, sind aber nicht die Dinge selber. Oder sind Namen die Wir Ihnen gegeben haben um Sie z.B. von anderen Dingen unterscheiden zu können. Ich würde antworten: Es ist was es ist.

Normalerweise benutze ich zur Erklärung gerne das Beispiel mit dem Haus, wo alle Seiten nach Süden zeigen und man heraus finden soll, was der Bär für eine Farbe hat, der ums Haus schleicht. Da fragt man sich auch zunächst, was der Bär mit dem Haus zu tun hat. Aber wenn man den einzig logischen Standort des Hauses gefunden hat, ist auch die Farbe des Bären logisch.

Es gibt im Zen auch noch eine schöne Uebung. Man fragt sich, wer oder was man nicht ist. Sinn ist, sich selber zu erkennen. Zu erkennen, wer oder was man ist. Also frage ich mich: "bin ich der Stuhl auf dem ich sitze" und antworte mir, "nein ich bin nicht der Stuhl auf dem ich sitze". So verfahre ich mit allen Gegenständen in meiner Umgebung. Dann fange ich bei meinem Körper an: Bin ich mein kleiner Zeh am linken Fuss.... Das Ergebnis ist übrigens auch völlig logisch. Alles ist Eins

Dann gibt es noch eine schöne Meditationsübung und zwar das Nichtdenken. Man macht sich völlig frei von Gedanken. Das klingt vielleicht leicht, aber versucht das mal.... Aber es geht, es ist möglich.

MfG Uli

wulfila
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Re: 5. Zen-Meditation

Beitrag von wulfila » Mo 27. Dez 2010, 18:09

Ufojaeger hat geschrieben: Dann gibt es noch eine schöne Meditationsübung und zwar das Nichtdenken. Man macht sich völlig frei von Gedanken. Das klingt vielleicht leicht, aber versucht das mal.... Aber es geht, es ist möglich.
MfG Uli
Du wirst erstaunt sein - aber genau das ist der Sinn jeder zazen-Praxis. Und keine schöne Nebenübung, sondern die Hauptübung im Soto. Koans werden im Rinzai praktiziert - aber auch da ist die zazen-Praxis das Zentrum. Und diese soll sich dann auch im Alltag durchsetzen - die Überwindung des (persönlichen) Denkens durch Achtsamkeit und das daraus erwachsende kosmische Denken.

Welche Lehrer hast du?

ferdinand
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Re: 5. Zen-Meditation

Beitrag von ferdinand » Mo 27. Dez 2010, 19:55

Ufojaeger hat geschrieben:Das Koan ist meisstens knallhart logisch. Eigentlich will ich keine Koans auflösen. Man möge mir verzeihen, ich werde Eines mal auflösen. Es ist das klassiche Koan schlechthin. Dann werdet Ihr die Logik vielleicht erkennen.

Der Meister hält einen Stock hin und fragt: Was ist das? Die üblichen Antworten sind zunächt: "ein Stock". Natürlich ist das ncht die Antwort, weil die Frage lautet, was ist das. Ich könnte das Spielchen noch stundenlang fortsetzen. Es ist kein Stock. Worte sind Schall und Rauch und bezeichnen nur die Dinge, sind aber nicht die Dinge selber. Oder sind Namen die Wir Ihnen gegeben haben um Sie z.B. von anderen Dingen unterscheiden zu können. Ich würde antworten: Es ist was es ist.

Normalerweise benutze ich zur Erklärung gerne das Beispiel mit dem Haus, wo alle Seiten nach Süden zeigen und man heraus finden soll, was der Bär für eine Farbe hat, der ums Haus schleicht. Da fragt man sich auch zunächst, was der Bär mit dem Haus zu tun hat. Aber wenn man den einzig logischen Standort des Hauses gefunden hat, ist auch die Farbe des Bären logisch.

Es gibt im Zen auch noch eine schöne Uebung. Man fragt sich, wer oder was man nicht ist. Sinn ist, sich selber zu erkennen. Zu erkennen, wer oder was man ist. Also frage ich mich: "bin ich der Stuhl auf dem ich sitze" und antworte mir, "nein ich bin nicht der Stuhl auf dem ich sitze". So verfahre ich mit allen Gegenständen in meiner Umgebung. Dann fange ich bei meinem Körper an: Bin ich mein kleiner Zeh am linken Fuss.... Das Ergebnis ist übrigens auch völlig logisch. Alles ist Eins

Dann gibt es noch eine schöne Meditationsübung und zwar das Nichtdenken. Man macht sich völlig frei von Gedanken. Das klingt vielleicht leicht, aber versucht das mal.... Aber es geht, es ist möglich.

MfG Uli

Hallo Freunde des Forums.

Bin erst kurz in dem Forum und habe mich erst einmal eingelesen.
Erstaunt war ich wie viele selbsternannte "Experten" hier vertreten sind.

In einer kurzen Abhandlung eines Forenmitgliedes las ich eine Deutung über Koans im Zenbuddhismus.
Dieser Experte, er nennt sich Uli, deutet die Lösung damit an, dass man die Logik dazu benutzen müsse.
D. h. er meint:
...Das Koan ist meisstens knallhart logisch... und weitere auf die Logik reduzierte Sätze.
Ich vermute dass er damit die Schulung des Verstandes meint, aber das ist ein ganz klarer Irrglaube und auch garnicht der Sinn einer Zen-Meditation!

Mit Logik hat ein Koan sehr sehr wenig oder eigentlich garnichts tun.
Das einzige von ihm erwähnte Beispielt mit dem Bären, den man jeweils aus allen vier Fenstern sehen
kann, hat mit Logik zu tun. Deswegen ist es auch kein Koan im klassischen Sinne, sondern kann in der Tat mit dem Verstand gelöst werden. Solche "Rätsel" können in jeder Wochenendbeilage jedes Blattes
zur Unterhaltung und Denksportaufgabe angesehen werden, aber nicht als Koan gelten!

Also was ist denn dann überhaupt ein Koan und warum gibt es sie und welches Ziel verfolgt man mit einem
Koan? In aller Regel "testet" ein Meister seine Schüler mit einem Koan um festzustellen wie weit er schon
auf dem Wege der Erleuchtung evtl. fortgeschritten ist, d.h. er möchte seine Schüler auf den rechten 'Weg der Erleuchtung bringen. Dazu gibt es die verschiedensten Wege und Möglichkeiten, auf die ich aber nicht näher eingehen möchte.

Bei der Koan-Meditation geht es besonders darum, durch die Beschäftigung mit einem Koan, gedankliche Grenzen zu überschreiten, um dahinter die wahre Natur aller Dinge zu erkennen!

Es geht also in keinster Weise um Verstandesschulung oder ähnliche Irrwege auf dem Wege der Erleuchtung.
Denn das Ziel ist im Falle von Meister und Schüler - die Erleuchtung und nicht die Qualifizierung auf der IQ-Ebene!!!
Anhand der Reaktion des Schülers auf das Kōan kann der erfahrene Meister erkennen, ob der Schüler auf dem Weg des Zen Fortschritte macht, oder ob er in Illusion und Irrtum verharrt.
Und um es ganz klar und deutlich hervorzuheben, zur Erleuchtung benötigt man wenig oder keine Logik.
Man benötigt dazu zwar einen klaren Verstand aber diese Koans sollen die innere Ebene, nicht den Verstand ansprechen, antriggern oder wachrütteln.


Anhand der Reaktion des Schülers auf das Kōan kann der erfahrene Meister erkennen, ob der Schüler auf dem Weg des Zen Fortschritte macht.
Der Verstand, das ist eine uralte Regel, ist auf dem Wege ein sehr starker Feind und Verführer.
Das ist leider in unserer heutigen Zeit in Vergessenheit geraten. Nebenbei bemerkt ist der Verstand, was die inneren Welten angeht, also das wahre Zentrum des Menschen, der Sitz Gottes, des Allbewußtseins usw.,
hinderlich. Die reinen Welten des inneren Menschen sind dem Verstande nicht zugänglich und das ist nicht nur gut so, sondern schützt auch den ergeizigen Menschen vor mglw. ungeheurem seelischen Schaden.
Bekanntlich "sieht" (hört, riecht usw.) ,man nur mit der Herzen gut!

Das ist der eigentliche Grund warum so viele Menschen keine oder kaum Fortschritte machen, weil sie sich auf ihren Verstand abstützen und in den allemeisten Fällen stehenbleiben oder Abstürzen...

Der eigentliche Sinn dieser Kōans, ihre wesentliche Funktion, erschließt sich nur intuitiv, ohne Worte und
für die meisten Kōans werden alle verstandesmäßigen Lösungen des Kōans als falsch angesehen.
Für den esoterisch oder spirituell orientierten Menschen dürfte es klar sein, dass die Erkenntnis der Nichtzweiheit, der Polarität oder Relativität dieser irdisch-materiellen Lebenswelle nur Illusion ist, Maya, vergänglich, sterblich, dem Tode geweiht. Richtig ist, dass die Illusion der Getrennheit das Ziel der strebenden Menschen ist und sein soll. Denn alles ist EINS. So schreibt es auch Uli, und das ist richtig.
Aber zu dieser Erkenntnis ist weder ein Koan noch ein scharfer Verstand notwendig. Ich würde sogar eher das Gegenteil mit Einschränkung betonen wollen.

Erst wenn sich das Denken irgendwann erschöpft hat, wird er andere Lösungsmöglichkeiten in Betracht ziehen. So wird er sein strukturelles Denken, seine subjektiven Bewertungsmaßstäbe und sein „schlaues Reden“ aufgeben, den Geist leer machen und nach und nach Instinkt und Intuition wiederentdecken. Er wird die Wahrheit hinter seiner individuellen Wahrheit entdecken und die tiefste Quelle menschlichen Daseins berühren und nur das ist das einzige Ziel jeden Strebens, ob mit Meditation, mit Beschäftigung heiliger Schriften oder weiterer Möglichkeiten.

"Zen ist nichts Besonders. Zen ist:
Im alltäglichen Leben bewusst sein."

dazu passend ein Koan, damit jeder empfinden kann was gemeint ist:


Ein Mönch fragte Jôshû:
"Gerade bin ich erst in dieses Kloster eingetreten. Ich ersuche Euch, Meister, gebt mir bitte Unterweisung!"
Jôshû fragte: "Hast du schon deinen Reisbrei gegessen?"
Der Mönch antwortete: "Ja, das habe ich."
Jôshû sagte: "Dann wasche deine Essschalen."
Da erlangte der Mönch Erleuchtung.

Wer also seine täglichen Pflichten im höheren Sinne verrichtet, der EINHEIT dient, erlangt Erleuchtung, automatisch, in irgendeiner seiner zahllosen Inkarnationen und nicht durch Verstandesakrobatik oder Logik!



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und hier noch etwas aus der Litaratur dazu:
Nicht mit dem Denken zu lösendes Rätsel
Ein Koan ist meist ein Paradox oder etwas Unlogisches oder eine kleine Begebenheit, die zum Nachdenken anregen soll. Es kann auch als ein Rätsel verstanden werden. Koans können nie verstandesmäßig gelöst, sondern nur durch ein "Eintauchen" erfahren werden. Keine Koans, und auch keine sonstigen Worte können die Erleuchtung reflektieren. Aber sie weisen ein Stück des Weges zur letzten Wahrheit und wenn man sich nicht zu sehr an diese Worte klammert, erreicht man diese Wahrheit auch.

Die Erkenntnis kommt überraschend
Anfangs folgt man einem Koan noch logisch oder auf Verstandesebene. Das ist auch erst einmal nicht unbedingt schlecht. Es gibt Koans, bei denen sich der Verstand des Praktizierenden dabei selbst transzendieren kann. Andere sagen, dass man von Anfang an nicht mit dem Verstand eine Lösung probieren sollte, sondern sich ganz in das Koan "hineinversenken", "rein-empfinden", "in die Tiefe des Koans absteigen" - wie man das auch gerne formulieren mag. Nach der Meditation muss man das Koan mit in den Alltag nehmen und es sich überall präsent halten. Irgendwann gibt es dann eine einschneidende Erkenntnis und man weiß die Lösung einfach!

Ich grüße alle Forenmitglieder

euer Ferdinand

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