Kommentar zu den Swedenborg-Werken

wie Dudde, Swedenborg oder Lorber
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Kommentar zu den Swedenborg-Werken

Beitrag von DocNobbi » Mi 30. Mär 2011, 21:12

DIE TIERE UND IHRE ENTSPRECHUNG IN DER BIBEL
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© by Jürgen Kramke

(Teil 1 von 3)

Es mag für einen Gelegenheitsleser der Bibel recht merkwürdig erscheinen, wenn er auf Geschichten stößt in denen Tiere eine bedeutende Rolle spielen. Jeder kennt wahrscheinlich die Geschichte mit der Schlange, durch dessen mit Schlauheit gepaarter Boshaftigkeit das ersten Menschenpaar zum Ungehorsam gegen Gott verführt wurde. Die dramatische Folge war, wie jedermann weis, die Vertreibung aus dem Paradies. Und wer kennt sie nicht die Geschichte mit dem Propheten Jonas, der von der Mannschaft eines in schwerer See befindlichen Schiffes über Bord in das tosende Meer geworfen wurde, um dort von einem großen Fisch verschlungen zu werden, in dessen Leib er drei Tage und drei Nächte verbringen musste.

Auch im Neuen Testament wird bei den Evangelisten das eine oder andere Tier erwähnt. So verbannte Jesus bei dem Evangelisten Markus eine Legion Teufel in eine Schweineherde, die dann nichts eiligeres zu tun hatte als sich von einem Abhang in das Meer zu stürzen. Und beim Evangelisten Johannes vergleicht der Herr im zehnten Kapitel seine Jünger mit Schafe. Er selbst bezeichnet sich als den guten Hirte, der sein Leben für die Schafe lässt. Obwohl sich sicherlich noch viele Beispiele in der Bibel finden ließen, möchte ich es bei diesen bewenden lassen.

Meist lässt sich schon aus der Art und Weise wie diese Tiere in den biblischen Berichten eingebettet sind erkennen, dass sie in diesen Geschichten mehr als nur eine Statistenrolle spiele. Es ist, als ob diese Tiere für den Leser der biblischen Texte eine bestimmte symbolische Nachricht bereithalten, deren Inhalt oft nur sehr schwer zu verstehen ist. Bereits der Volksmund kennt Vergleiche zwischen so manchen Tieren und gewissen menschlichen Eigenschaften. Ich denke jeder kennt Zitate wie z.B. die Person ist sanft wie eine Taube oder der Mann ist falsch wie eine Schlange oder die Frau meckert wie eine Ziege. Natürlich reichen solche sehr verallgemeinernde Vergleiche zwischen Tieren und den jeweiligen menschlichen Eigenschaften nicht aus, um dem symbolischen Sinn der biblischen Tiere näher zu kommen.

Wenn man die Symbolik der in der Bibel aufgeführten Tiere wirklich verstehen will ist es unumgänglich ein Werkzeug an die Hand zu bekommen, mit dem es möglich ist die Entsprechung zwischen den biblischen Tieren und deren Bedeutung für das menschliche Gemüt zu ergründen. Solch ein Werkzeug hat der im Jahre 1688 geborene schwedische Naturforscher und Visionär Emanuel Swedenborg in seinen umfangreichen Werken beschrieben. Es handelt sich dabei um die Lehre von den Entsprechungen. In seinen religiösen Werken weist Swedenborg unter anderem nach, dass die Heilige Schrift neben den äußeren Buchstabensinn noch einen tiefergehenden geistigen Sinn hat. Ihm war es gegeben, die Erkenntnisse seiner sicherlich inspirierten Bibelstudien wissenschaftlich so aufzuarbeiten, dass er die alte, in der Zeit verloren gegangene Wissenschaft von den Entsprechungen aus dem Dunkel der Vergessenheit entreißen konnte.

Um verstehen zu können, was die Entsprechungswissenschaft ausmacht, muss man bedenken, dass die ältesten Bücher der Bibel über 3000 Jahre alt sind und die neusten Schriftteile auch schon ein Alter von fast 2000 Jahre haben. Dazu kommt noch, dass diese Schriften im orientalischen Raum verfasst wurden, in dem die Menschen ein ganz anderes Sprachverständnis als in unserer vom Rationalismus beherrschten Zeit hatten. Von daher ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass der moderne Mensch beim lesen der Bibel gewisse Verständigungsschwierigkeiten hat. Zumal sich im Unterbewusstsein der meisten Menschen nur allzu oft das Gefühl eingenistet hat, dass die Menschen der damaligen Zeit irgendwie einfacher und primitiver als wir Heutigen waren.

Ich denke, wir sollten die Menschen, die da vor Drei- bis Viertausend Jahren gelebt haben nicht unterschätzen. Immerhin haben sie uns Bauwerke wie z.B. die Pyramiden hinterlassen, von denen wir heutigen nur vermuten können wie sie gebaut wurden. Schon in dieser Zeit waren die Namen der Tierkreiszeichen vergeben und die Einteilung des Tages in 24 Stunden haben wir von den Alten übernommen. Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass viele uns so selbstverständlich erscheinende Dinge aus einer Zeit stammen wo der Raum des heutigen Deutschland noch nicht einmal von den alten Germanen besiedelt war.

Der älteste Autor der Bibel, Moses, hat im Ägypten der Pharaonen, am Königshof, eine umfassende Ausbildung genossen und war dadurch mit allen Wissenschaften seiner Zeit vertraut. Er wusste noch den tieferen Sinn der Bilderschrift zu deuten, wie wir sie heute noch an den Wänden der alten ägyptischen Tempelanlagen bestaunen können. Eine Schrift, in der die einzelnen Bilder noch Gefäße für geistige Inhalte waren. Moses war sich darüber bewusst, dass Worte ihrem Ursprung nach nichts weiter als ein Transportmittel sind, um innere Seelische- oder Geistige Empfindungen bzw. Gedanken von Mensch zu Mensch zu transportieren.

So gesehen sind Worte eigentlich nur ein Behälter für geistige Inhalte. Diese Tatsache ist den meisten Menschen völlig unbewusst, und sie sind sich nicht darüber im klaren, dass ein Wort nur dann einen Informationswert hat, wenn ihm ein geistiger Inhalt innewohnt. Wie schwierig es ist, tiefe Empfindungen in Worte zu fassen, hat sicherlich schon jeder von euch erlebet. Es ist unglaublich schwierig, manchmal sogar unmöglich, für die zarten Gefühle in unserer Brust Worte zu finden, die dem Gegenüber eine Ahnung von dem geben, was in uns vorgeht. Meist müssen wir Worte verwenden, die aus der natürlichen Welt entnommen sind, um sie als Gefäß für unsere Gefühle zu verwenden.

Wie anders als durch Worte des Wohlbefindens, will man denn seinem Gegenüber z.B. die ersten zarten aufkeimenden Liebesgefühle zu einem anderen Menschen beschreiben. Nicht umsonst verwenden Dichter und Poeten in ihren Liebeswerken Worte aus der belebten Natur. Der liebliche Duft einer roten Rose, der warme Lufthauch einer lauen Sommernacht oder die zarten Blätter einer roten Mohnblüte sind doch sicherlich Formulierungen, die dem Hörer eine Ahnung dessen geben welches Gefühl der Dichter ausdrücken wollte. Es werden Worte aus der natürlichen Welt verwenden, die dem auszudrückenden Gefühl, das ja mehr der geistigen Welt entspringt, am besten entsprechen.

Emanuel Swedenborg durfte erkennen, dass die Menschen der alten Zeit dem wahren Ursprung der Worte wesentlich näher waren. Sie waren sich der ursprünglichen Wortbedeutungen noch voll bewusst, so dass sie wesentlich besser in der Lage waren geistige, innermenschliche Empfindungen, Regungen und Antriebskräfte in Worte zu fassen als es der aufgeklärte Mensch unserer Zeit kann. Sie wussten noch, dass zwischen den Dingen der geistigen Welt und denen der natürlichen Welt eine Entsprechung besteht.

Swedenborg formuliert das so: Es besteht ein Entsprechungsverhältnis zwischen den Dingen, die in der geistigen Welt sind, und denen, die in der natürlichen Welt sind. Dieses Wissen um die Entsprechungen war den Schreibern des alten Testaments noch voll bewusst. So sind auch die Bücher von Moses in der Sprache der Entsprechungen geschrieben. Das heißt, dass Moses, der ja am ägyptischen Königshof eine umfassende Ausbildung genossen hatte und noch die Bilderschrift beherrschte, natürlich auch das Entsprechungsverhältnis zwischen den Dingen, die in der geistigen Welt sind, und denen, die in der natürlichen Welt sind, kannte. Bei dieser Wissenschaft der Entsprechung wird konsequent das Prinzip „Wie oben so auch unten oder wie Innen so auch Außen“ angewandt. Im Grunde genommen soll hier eigentlich nur ausgesagt werden, dass Entsprechungen Vorbildungen geistiger und himmlischer Dinge im Natürlichen sind. So entsprechen laut Swedenborg in der Bibel großartige und prächtige Dinge in d
en
Himmeln Neigungen der Liebe zum Guten und Wahren, die garstigen und unreinen Dinge in den Höllen dagegen Neigungen der Liebe zum Bösen und Falschen.

Genau genommen ist die Entsprechungswissenschaft ein Hilfsmittel um die als einfache Worte getarnten Gefäße göttlicher Wahrheiten dem Leser der Heiligen Schrift verständlich zu machen. Dabei ist es den Verfassern der Bibel gelungen die Tiefen des menschlichen Gemüts und dessen Verquickung mit der göttlichen Liebe und Weisheit in kleine äußerlich recht harmlos klingenden Geschichten zu verpacken, die allerdings oftmals in ihrem Buchstabensinn für den modernen Menschen etwas unlogisch erscheinen.

Anhand einiger Beispiele aus der Tierwelt möchte ich versuchen, die Struktur der Entsprechungswissenschaft zu verdeutlichen. Wobei ich mich hauptsächlich Tieren zuwenden werde, die in der Bibel erwähnt werden.

Ganz allgemein kann gesagt werden, dass Tiere in der biblischen Entsprechungssprache Neigungen und Begierden des menschlichen Gemüts zum Ausdruck bringen sollen. Swedenborg beschreibt dies in seinem Werk „Die erklärte Offenbarung des Johannes“ wie folgt:
„Das Wort „Tiere“ ist ein Entsprechungsbild für Menschen, die in einer natürlichen Neigung zum Guten leben. (EO 629) Für das Wort „Wild“ wird im Hebräischen das Wort „Chajah“ verwendet, was soviel wie Leben bedeutet. Wenn dieses Wort im guten Sinne gebraucht wird, dann bezeichnet es die Neigung zum Wahren und Guten. (EO 388,650,701) Im negativen Fall bezeichnen böse und Wilde Tiere hingegen Neigungen und Begierden die den Menschen von den göttlichen Wahrheiten und der göttlichen Liebe abziehen wollen.“ (EO
304, 365, 503)

Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen, dass schöne und nützliche Tiere mehr den himmlischen gottzugewandten Bereichen und gefährliche und hässliche Tiere mehr den höllischen gottabgewandten Bereichen des menschlichen Gemüts entsprechen.

Beginnen wir unsere kleine Exkursion mit den Tieren, die für die Menschen als Nahrungs- und Kleidungsproduzenten dienen und somit als nützliche und meist als schön empfundene Tiere, mehr die himmlischen Bereiche des menschlichen Gemüts symbolisieren.

Das in Palästina wohl am weitesten verbreitete Haustier war und ist wahrscheinlich immer noch das Schaf. Mit seinem Fell und seiner Wolle versorgt es die Menschen mit wichtigen Rohstoffen zur Herstellung von Kleidung und mit seinem Fleisch und seiner Milch trägt es erheblich zur Deckung des Nahrungsbedarfs bei. Schafe bezeichnen in der Sprache der Entsprechung Menschen, in deren Gemüt Wahrheiten sind, die aus ihrer Liebe zum Herrn entspringen. Außerdem zeichnen sich diese Menschen durch eine gelebte Nächstenliebe aus. Dieser Zustand ist allerdings nur zu erreichen, wenn Jesus Christus im Mittelpunkt des Lebens steht. Darum heißt es ja auch bei Johannes 10, Vers 14 sagt Jesus: „Ich bin der gute Hirt, ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, so wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne, und ich gebe mein Leben für die Schafe.“

Der Herr nennt die Menschen seine Herde, und Er hütet die liebevollen Neigungen unseres Gemüts. Denn als unser Hirte lehrt Er uns die Wahrheiten, die zum Guten des Lebens führen. Und wenn wir wiedereinmal vom rechten Weg der Erkenntnis abkommen, lässt Er als unser Hirt all die anderen 99 gerechten Schafe zurück, nur um uns auf den Pfad der göttlichen Liebe und Weisheit zurückzuführen. Und wenn es bei Lukas im Gleichnis vom verlorenen Schaf heißt: „Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“, dann könnte man dieses Zitat so verstehen, dass es dem Herrn eine große Freude bereitet wenn sich der Mensch von seiner Weltzugewandtheit abwendet und die Weisheit des Lebens aus der Liebe zum Herrn sucht.

Mit den Schafen eng verwandt sind die Ziegen. Hausziegen versorgen mit ihrer Milch und ihrem Fleisch viele Menschen mit Nahrung. Ihre Haut wird zur Lederherstellung verwendet und bisweilen nutzt man sie sogar als Tragetiere.

Die Ziege ist allerdings weniger friedlich als das Schaf. Ihre kampfbereiten Hörner sind eine Entsprechung für den Einsatz unseres Verstandes zum reinen Eigennutz. Und wo sich der Verstand von der göttlichen Liebe abwendet, um nach eigenen Vorteilen zu suchen verlässt er den Weg zur Wiedergeburt. Die gelebte Nächstenliebe bleibt auf der Strecke und in unserem Gemüt trennen sich die Schafe der gottzugewandten Liebe von den Ziegen des weltzugewandten Verstandes. Richtig eingesetzt, trägt jedoch unser Verstand dazu bei die weltzugewandte Lebensliebe in wahre Nächstenliebe umzuwandeln. Deshalb war beim Passahfest ein Zicklein ebenso wie ein Lamm als Opfer zugelassen.

Es ist von der göttlichen Vorsehung so eingerichtet, dass der Verstand des Menschen mit der Fähigkeit versehen wurde eine Verbindung mit der Liebe des Herrn einzugehen. Wenn sich also der Verstand von dem Falschen der Welt abwendet und sich dem Wahren des Herrn zuwendet, dann wird die Herde der Ziegen zugunsten unserer Schafsherde immer kleiner werden.

Zu den großen für uns nützlichen Tieren gehören die Rinder. Sie werden vorwiegend zur Nutzung ihres Fleischs, ihrer Milch und ihrer Haut zur Lederherstellung gehalten. Der starke Ochse wurde früher auch gern als Zugtier benutzt.

In der Entsprechung stehen Rinder für die natürlichen Neigungen im
Menschen. Unter natürliche Neigungen versteht Swedenborg die Bedürfnisse des Menschen, welche seiner aus der Sinnenwelt gespeisten Lebensliebe entspringen. Diese Neigungen können Kräfte entwickeln, die den Menschen in den Strudel der Welt ziehen. Diese Kräfte können aber auch durch die Weisheit des Verstandes gebändigt werden und in den Dienst der Nächstenliebe gestellt werden. So zogen Ochsen unter größter Anstrengung die Bundeslade aus dem Land der Philister zurück nach Israel. Was in der Entsprechung zum Ausdruck bringen will, dass die durch die Bundeslade symbolisierten innersten gottzugewandten Bereiche des Menschen nur dann aus dem Sumpf der durch die Philister symbolisierten falschen Lebenseinstellungen gezogen werden kann, wenn sich die Kraft unserer Neigungen voller Anstrengung darauf konzentriert Gott über alles und unseren Nächsten wie sich Selbst zu lieben.

Wir müssen die Rinder unserer weltzugewandten Neigungen auf der Weide unserer natürlichen Wahrheiten gut hüten, damit sie nicht den Weidezaun durchbrechen und sich in der Welt verlieren. Wenn es uns mit der Hilfe des Verstandes gelingt die Rinder unseres Gemüts so zu erziehen, dass sie folgsam werden, dann sind sie eine große Hilfe bei der Ausübung tätiger Nächstenliebe.



Autor: Jürgen Kramke

Quelle: http://www.swedenborg.at
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Re: Kommentar zu den Swedenborg-Werken

Beitrag von DocNobbi » Mi 30. Mär 2011, 21:15

DIE TIERE UND IHRE ENTSPRECHUNG IN DER BIBEL
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© by Jürgen Kramke

(Teil 2 von 3)


Ein anderer Fleisch und Lederlieferant für die heutige Zeit ist das Schwein. Den Juden hingegen war es verboten Schweinefleisch zu essen. Im 11. Kapitel des dritten Buch Moses wurde das Schwein als Unrein erklärt und somit war es den Juden versagt dieses Tier zu essen. Dies lag sicherlich nicht daran, dass es ein schmutziges Tier ist. Denn, gut gehalten ist es ein sauberes und schönes Tier. In der Entsprechung bezeichnet das Schwein auf der natürlichen Ebene einen gierigen Menschen, der seinem Nächsten alles wegnimmt.

Auf der geistigen Ebene bezeichnen Schweine jene Menschen, die bloß weltliche Schätze lieben. Für geistige Schätze, also Kenntnisse des Guten und Wahren aus dem Wort, interessieren sie sich nicht. Bei Matthäus 7, Vers6, heißt es: „Ihr sollt eure Perlen nicht vor die Säue werfen, auf dass sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen.“ Auf das menschliche Gemüt bezogen will dieser Satz zum Ausdruck bringen, dass es für den Menschen auf seinem Weg zur Wiedergeburt von Nachteil wäre wenn er die Perlen der göttlichen Wahrheiten vor die Säue weltlicher Begierden werfen würde. Solange sich der Mensch ausschließlich für die Schätze der Welt interessiert, haben die in der Bibel versteckten Perlen göttlicher Wahrheiten keine Bedeutung für ihn.

Verlassen wir nun die Tiere, die unsere himmlischen Neigungen darstellen und wenden wir uns den Tieren zu, die unsere Veranlagung nach stetiger Weiterentwicklung symbolisieren. Im Gegensatz zum Tier wird der Mensch ohne jegliches Wissen in diese Welt geboren. Dafür ist er aber mit zwei Eigenschaften ausgestattet, die ihm vom Tier unterscheiden. Und zwar ist dies zum einen die Fähigkeit sich Wissen anzueignen und aus dem verstehen dieses Wissens Weisheit zu erlangen. Zum anderen wird der Mensch mit der Neigung zum Liebe geboren, wobei diese Liebe so geartet ist, dass er nicht nur das Lieben kann, was sein und der Welt, sondern auch das, was Gottes und des Himmels ist. Diese angeborenen Fähigkeiten des Wissens und des Liebens befinden sich in einem stetigen Entwicklungsprozess wobei sich der Mensch zu Gott hin aber auch von Ihm weg entwickeln kann. So gesehen ist unser Lebensweg ist eine stete Weiterbewegung, und diese Fähigkeit, in der Erkenntnis fortzuschreiten, wird in der
Entsprechung durch Tiere symbolisiert, die der Fortbewegung dienen. An erster Stelle steht da das Pferd mit seiner Schnelligkeit und Stärke sowie der Fähigkeit, dem Reiter zu gehorchen.

Laut Emanuel Swedenborg bezeichnet das Pferd in der Entsprechung das Verständnis des Wortes aber auch den Verstand. Natürlich kann sich unser Verstand für alle möglichen Dinge interessieren. Er kann sich dafür einsetzen die egoistischen Wünsche seines Willens zu unterbinden, er kann aber auch zum Handlanger des Willens werden.

Dies wird in der Bibel z.B. durch die vier Pferde der Apokalypse symbolisiert: So stellt das weiße Pferd das Wahre bzw. das Verständnis der Bibel dar. Das schwarze Pferd symbolisiert das fehlende Verständnis der Bibel durch unser aus der Welt entnommenes Wissen. Das rote Pferd entspricht dem falschen Verständnis der göttlichen Wahrheit aus der mangelnden Liebe zum Herrn und das blasse Pferd symbolisiert den geistigen Tod. Mit anderen Worten, die Pferde in der Bibel symbolisieren die Kräfte im Gemüt des Menschen, die unser Suchen nach den Göttlichen Wahrheiten und das Verständnis derselben ausmachen. Im 3. Kapitel des Jakobusbrief heißt es: „Siehe, die Pferde halten wir in Zäumen, dass sie uns gehorchen, und wir lenken ihren ganzen Leib.“ Es ist für unseren Weg zur Wiedergeburt unumgänglich, dass wir es lernen unsere Verstandespferde zu zügeln und auf den rechten Weg zu führen. Lenken wir sie nicht, verliert sich unser Verstand in den Weiten der Weltweisheit und die Liebe des
Herrn
kann nicht in unser Gemüt einfließen.

Der Esel ist wesentlich schwächer und störrischer als das Pferd. Er symbolisiert in der Entsprechung die Wahrheiten des natürlichen Menschen die aus den sinnlichen Erfahrungen entspringen. Der Bereich in unserem Gemüt, der dem Esel entspricht vertraut mehr auf sein Weltwissen als auf die Wahrheiten wie er sie bei Jesus Christus finden kann. Der Esel der Weltweisheit kann aber auch die Beschränktheit des menschlichen Gemüts erkennen. Er wird störrisch wenn er merkt, dass der Wille den Verstand nur dazu missbrauchen will seine weltlichen Gelüste zu befriedigen. Der schwache Weltverstandsesel kann gegenüber dem Willen des Menschen recht widerspenstig werden, er kann aber auch sehr folgsam und verständnisvoll sein wenn er merkt, dass er nur durch Jesus Christus zu wirklicher Wahrheit gelangen kann.

Zu den stärksten Lasttieren der Bibel zählt das Kamel, es kann bis zu vier Zentner tragen. Laut Swedenborg symbolisiert das Kamel unsere aus Wahrheiten gespeisten Erkenntnisse. Es symbolisiert aber auch unser Gedächtnis, in dem sehr viel Wissen über Wahrheiten gespeichert werden kann. Leider nützt uns der Reichtum unseres Wissens nur sehr wenig, wenn wir es im täglichen Leben nicht schaffen ihn zur Umwandlung unseres auf die Welt ausgerichteten Willen zu nutzen. Deshalb ist es natürlich sehr wichtig, die Kamele in unserem Gemüt von der Last des Weltwissens zu befreien, damit sie mit wirklichen Wahrheiten, wie man sie bei Jesus Christus finden kann, beladen werden können. Mit göttlichen Wahrheiten beladen können die Kamele in uns sehr viel dazu beitragen den weltzugewandten Willen umzubilden. Kamele sind sehr genügsame Tiere die lange ohne Nahrung und Wasser auskommen können. Auch der Verstand des Menschen kommt lange Zeit ohne geistige Nahrung aus. Doch auch er würde ähnlich
wie das
Kamel langfristig verhungern und verdursten wenn er keine geistige Nahrung zugeführt bekäme. Deshalb hat es die göttliche Vorsehung so eingerichtet, dass der Mensch immer wieder mit geistigen Wahrheiten konfrontiert wird. Krankheiten, Not und Schicksalsschläge verführen die Kamele in uns ihre Weltweisheitslast abzuwerfen, um dann erleichtert nach geistiger Nahrung zu suchen.

Neben den Bereichen des menschlichen Gemüts, welche von den Haustieren symbolisiert werden, gibt es natürlich auch noch die Bereiche, die den wilden Tieren entsprechen. Sie stellen die noch ungezügelten Neigungen und Begierden unseres natürlichen Gemüts dar.

Beginnen wir unsere kleine Betrachtung mit den wilden Ziegen, die meist in den hohen Bergen leben. Wilde Ziegen entsprechen dem Gemütszustand eines Menschen, der sich in der Heiligen Schrift auskennt, sein Wissen aber nicht in die tätige Liebe umsetzt.

Solange der Mensch bei der Suche nach göttlichen Wahrheiten die Liebe zu seinen Mitmenschen außer acht lässt, gleicht er einem Ziegenbock der von Felsvorsprung zu Felsvorsprung springt und nach dem mageren Futter der Welt sucht. Ein Glauben der nicht mit der Nächstenliebe einhergeht, hat für die Wiedergeburt keinen besonderen Stellenwert. Es nutzt dem Menschen nichts, wenn er nur mit dem Verstand in die Wahrheiten des Glaubens eindringt, seine Liebe aber weiterhin an die Dinge der Welt hängt. Solange der Glaube von der tätigen Liebe getrennt ist, solange entspricht das Gemüt einem Ziegenbock.

Auf dem Speiseplan der Israeliten stand auch das Reh. Rehe bezeichnen die guten natürlichen Neigungen des menschlichen Gemüts. Ein durch das Reh symbolisiertes Gemüt empfindet eine große Freude daran wenn es anderen Menschen behilflich sein kann. Rehe sind aber wildlebende Tiere, und so sind die ihnen entsprechenden Neigungen noch wild und ungezügelt. Sie fressen zwar das Gras der natürlichen Wahrheiten aber ihre Liebe gilt doch mehr der Welt, für die Liebe zum Herrn sind sie noch verschlossen. Aus diesem Sichtwinkel gesehen, ist die Liebe zum Nächsten noch nicht völlig von weltlichen Nebengedanken befreit, denn nur die Nächstenliebe, die aus der Liebe zum Herrn erwächst ist frei von jeglichen Eigennutz.

Wenden wir uns nun den großen Raubtieren zu, die mit ihrer Kraft und Macht ihrer Umgebung Furcht einflößen. Das wohl stärkste Raubtier welches in Palästina lebte war der Löwe. Deshalb war dort der Löwe das Vorbild für die Macht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Löwe in der Heiligen Schrift das göttlich Wahre in seiner Macht bezeichnet.

Auf unser Gemüt bezogen handelt es sich bei dem Löwen um Kräfte in uns, die aktiviert werden wenn wir die göttlichen Wahrheiten aus dem Wort aufnehmen. Diese Wahrheiten haben die Kraft und die Macht unsere Liebe zur Welt so umzubilden, dass Jesus Christus der Mittelpunkt in unserem Leben werden kann. So gesehen ist der Löwe auch eine Entsprechung für unsere himmlischste Liebe zum Herrn. Wenn wir allerdings die Welt und uns selbst über alles lieben, dann stellt der Löwe die Macht unserer größten Selbstsucht dar, die andere zerstören will.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Löwen im positiven Sinne die Macht der göttlichen Wahrheiten darstellen. Diese Macht kann der Mensch z.B. durch die Kraft der göttlichen Wahrheiten aus der Heiligen Schrift erfahren. Diese Wahrheiten kann der Verstand aufnehmen und die Kraft der daraus entstehenden Weisheit vermag den weltzugewandten Willen umzubilden. Im negativen Sinn stellt der Löwe die Macht des Falschen aus dem Bösen dar. Diese Macht spürt der Mensch dann wenn er es zulässt, dass die Weisheit der Welt das Gemüt mit Unwahrheiten bezüglich Gott überschwemmt. Der Glauben geht verloren und der Mensch verliert sich im Sumpf der Welt.

Ein anderes in der Bibel erwähntes Raubtier ist der Leopard. Ausgewachsene Leoparden erreichen ein Kopfrumpflänge von ein bis anderthalb Metern, hinzu kommt der 60 bis 90 Zentimeter lange Schwanz. Der vorwiegend nachts jagende Leopard ist ein wendiger Kletterer und schleicht sich oft in Bäumen an Affen heran. Zu seiner Nahrung gehören auch Kleinsäuger, Stachelschweine, Paviane, Gliederfüßer und Früchte. Swedenborg schreibt in der„Erklärten Offenbarung“, Nr. 572:
„Durch die Tiere überhaupt werden die Menschen nach ihren Neigungen bezeichnet, und durch den Leopard insbesondere die Neigung oder Begierde, die Wahrheiten des Wortes zu verfälschen; und weil er ein wildes Tier ist und unschädliche Tiere tötet, so wird durch ihn auch eine für die Kirche zerstörende Ketzerei bezeichnet. Dass die verfälschten Wahrheiten des Wortes durch den Leopard bezeichnet werden, kommt von seinen schwarzen und weißen Flecken und daher, dass die schwarzen Flecken Falsches bezeichnen, und das Weiße zwischen ihnen Wahres bedeutet.“

Der Leopard in uns nutzt seine listige Bosheit, um wahre Ideen zu verdrehen und den Anschein zu erwecken, sie wären gut für uns. Der Wille unternimmt alles, um unserem Verstand vorzugaukeln, dass die Weisheit der Welt die einzig mögliche Realität im Leben des Menschen ist. Die Wahrheiten der Heiligen Schrift werden als unwahres Geschwätz abgetan und die erlebbare Welt der Sinne wird zur Wahrheit erklärt. Auch der Bär lebte als mächtiges und kräftiges Raubtier in Palästina. Laut Swedenborg bezeichnet der Bär die Macht des Natürlich Göttlich Wahren, und im entgegengesetzten Sinne, die Macht des Falschen gegen das Wahre. (EO 781) Unter dem Natürlich Göttlich Wahren versteht Swedenborg die Wahrheit im natürlichen Sinn der Bibel. Der Begriff „Natürlich“ ist auf die Natur bzw. auf die irdische Materie bezogen und die Materie stellt dass äußerste der göttlichen Schöpfung dar. Genauso ist es auch mit dem äußeren Buchstabensinn der Bibel, er stellt die äußerste Ebene dar in der sich G
ott
seinen Geschöpfen kundgeben kann.

Im positiven Sinn entspricht also der Bär in unserem Gemüt der Neigung, die Wahrheiten die wir aus dem Buchstabensinn der Bibel gezogen haben, in unser Leben zu integrieren. Wir sind darum bemüht die Kräfte zu spüren, die sich in uns durch das Umsetzen der göttlichen Gebote entwickeln. Im negativen Fall stellt der Bär unsere Neigung dar, die Schrift zu kennen, um sie dann in unserem Sinn umzudeuten. Dieses falsche Argumentieren, das auf Bibelzitate aufbaut, ist gefährlich denn es zerstört unsere Liebe zum Herrn.

Ein großer Feind für die Herde der Herrn ist der Wolf, der schnell zubeißt und tötet, ähnlich wie das Böse uns plötzlich entzücken und dabei unseren Glauben töten kann. Wir sind wie Lämmer zwischen solchen Wölfen. Der Wolf in unserem Gemüt schleicht sich aus unseren höllischen Tiefen hervor um unsere Begierden nach weltlichen Gelüsten anzustacheln. Er versucht die schwachen Lämmer unserer Gottes- und Nächstenliebe zu töten. Bei Johannes 10, Vers 12, heißt es: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für seine Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe.

Der Mietling entspricht einem aus dem buchstäblichen Bibelverständnis gespeisten Glauben. Dieser Glaube hat mit den Schafen der Göttlichen Erkenntnisse nur wenig zu tun, denn Göttliche Erkenntnisse entspringen aus dem durchdringen der äußeren Worthülle mit der damit verbundenen Zunahme an Liebe zum Herrn und zum Nächsten. Kommt eine Anfechtung aus der Welt, zieht sich der Mietling zurück und überlässt die Schafe dem Wolf der weltlichen Begierden und Gelüste.
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Re: Kommentar zu den Swedenborg-Werken

Beitrag von DocNobbi » Mi 30. Mär 2011, 21:16

Die Entsprechungskunde ist DAS wichtige Hilfsmittel, um die Botschaften der Bibel zu verstehen. Wenn Sie einzelne Begriffe daraus nachschlagen möchten, empfehle ich Ihnen diese Website von unserem Autor dieser Woche, Jürgen Kramke:
www.entsprechungskunde.de

Blättern Sie einfach mal ein wenig darin! Ich zum Beispiel bin zufällig beim Buchstaben H gelandet: der Buchstabe allein hat schon eine Bedeutung, dann kam der Begriff "Haar", "Haare kämmen" und so weiter. Und natürlich können Sie auch Genaueres über unsere Tiere nachlesen, um die es diese Woche geht!
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