Swedenborg und die Kabbala

wie Dudde, Swedenborg oder Lorber
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Swedenborg und die Kabbala

Beitrag von DocNobbi » So 13. Feb 2011, 15:00

Swedenborg und die Kabbala
Ein materialreicher Beitrag von Dr. Bernd Roling

Gegenwärtig werden Swedenborgs Verbindungen zur Kabbala erforscht. In diesem Kontext ist der folgende Beitrag von Dr. Bernd Roling (geb. 1972) sehr aufschlussreich:

Bernd Roling,
Erlösung im angelischen Makrokosmos: Emanuel Swedenborg, die Kabbala Denudata und die schwedische Orientalistik,
in: Morgen-Glantz 16, 2006, S. 385-457.

Daraus die folgenden Kernaussagen:

»In der Zeit Swedenborgs gelangt … das Studium der Kabbala an den Universitäten Schwedens zur vollen Blüte. Die Kabbala denudata wird zu einem der meistgelesenen Texte an den orientalistischen Fakultäten Skandinaviens … Swedenborgs erster Zugriff auf die Lehren der Kabbala sind daher … mit großer Wahrscheinlichkeit die Bände Knorr von Rosenroths.« (S. 391)

Gegen die »mitunter spekulativ[en]« (S. 387) Thesen von Marsha Keith Schuchard: »… so läßt sich ein erstes Ergebnis festhalten: Swedenborg bedurfte keines Aufenthalts in England, um mit kabbalistischen Ideen in Berührung zu kommen, im Gegenteil, schon während seiner Studienzeit in Uppsala und ebenso den Jahren, die er später dort verbrachte, gab es Möglichkeiten genug, sich die kabbalistische Literatur anzueignen.« (S. 420)

»Die Kabbala denudata wurde kommentiert und diskutiert. Es wäre fast paradox, wenn sich Swedenborg nicht an sie erinnert hätte, als er sich nach seiner Bekehrung daran machte, Schritt für Schritt sein theologisches System auszuarbeiten.« (S. 420)

Thomas Noack
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eNTe
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Re: Swedenborg und die Kabbala

Beitrag von eNTe » Mo 14. Feb 2011, 09:02

Das ist ein ineressanter Beitrag Nobbi!
Swedenborg war ein vielseitig begabter Forscher...

Er lebte in einer Zeit einer neuen Aufbruchstimmung. Es ist nicht zu übersehen, dass um 15xx mit Maimonides die antike Philosophie wieder zur Debatte gestellt wurde. Er brachte sie erneut in Verbindung mit der Philosophie der Bibel. Inspiriert von diesen Ideen entstand die Kabbala. Sie wurde prompt verboten, weil sie ein dogmatisches Gottesbild des Judentums in Frage stellte. Da war Spinoza, ein anfangs unbekannter Philosoph der, unterstützt mit den großen deutschen Dichtern der Aufklärung, die Gedanken veränderte. Viele der damaligen Dichter und Denker prägten die Aufklärung. Lessing hatte eine Erziehung mit Griechisch, Latein und Hebräisch. Er war vielleicht schon durch das Elternhaus, bestimmt aber durch den großen Freundeskreis von der neuen Idee der Freiheit von Dogma inspiriert worden. Und das ist ansteckend. Das war in Gelehrtenkreisen so.

Aus dieser Umwelt sind Swedenborgs Werke nicht mehr so "fantastisch". "Himmel, Hölle" ist ein ansprechendes und die Moral förderndes Werk. Die Fantasie geht da auch ein bisschen mit, und bringt auch etwas Wahres. Wer aber daraus einen Kult für die Unwahrscheinlichkeiten und Wunder der Jenseitswelten macht, und dabei Swedenborg zitiert, der liegt ein bisschen schief.

Swedenborg hat auch versucht, die Allegorie der Namen in der Bibel zu lösen. Er hat ganze Bände darüber geschrieben. Er hat gewusst, dass es eine innere geistliche und eine äußere Meinung des hebräischen Textes gibt. Dabei ist er auch an das Problem Bibelaufschlüsselung herangegangen. Er hat versucht einem Wort "gefühlte" Fantasie von bedeutet -was weiß ich mystisches... zuzuordnen.
Er kam aber damit auf keinen Nenner.
Mit einem Wörterbuch wäre es besser gegangen.
Leider hat ihn hier keiner fachlich sprachlich unterstützt.

Goethe hat mit seinen Hebräischkentnissen das Ähnliche versucht. Sein Lehrer hat ihm abgeraten, bei der vielen Literatur, die er ihm in der Bibliothek zeigte. Die Bücher einiger Jahrhunderte waren als "Leichen" anderer Meinung. Die schleppten dann die Schulkinder noch ein paar Jahrhunderte unnütz weiter.

Ich glaube erst vor 200 Jahren entstanden die passenden analytischen Wörterbücher für die AT-Texte.
Erst mit der Gründung Israels im vergangenen Jahrhundert entstanden bessere hebräische Werke.

Der Weg wäre richtig gewesen.
Weil die Ideen nicht richtig aufgenommen wurden mussten erst noch einige Probleme auftreten an deren dicken Mauern die Kirchen und ihre Gläubigen einsehen, dass der eingeschlagene Weg der absolut verkehrte war. Es ging immer mehr gegen die Vernunft und gegen die Wissenschaft - voll an die Wand gefahren....

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Re: Swedenborg und die Kabbala

Beitrag von DocNobbi » Di 15. Feb 2011, 22:44

eNTe hat geschrieben:Das ist ein ineressanter Beitrag Nobbi!
Swedenborg war ein vielseitig begabter Forscher... .

übrings Thomas Thoak ist übrings jetzt in meinen *christlichen Forum* , liebe eNTe, Du kennst es ja..
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