Stummfilm-Literatur

Gelöbnis: "Ich will keinen Autor mehr lesen, dem man anmerkt, er wolle ein Buch machen: sondern nur jene, deren Gedanken unversehens ein Buch wurden." (Friedrich Nietzsche)
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Düse87
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Stummfilm-Literatur

Beitrag von Düse87 » Sa 30. Mai 2015, 18:21

Ich hab letztens die Fritz Lang Biografie Ich bin ein Augenmensch gelesen.
Wer auf die Stummfilme der 20er steht oder auf frühe Western und Dramen oder auf Abenteuerfilme, wird das Buch mögen.

Fritz Lang: - Ich bin ein Augenmensch - Norbert Grob:
http://www.amazon.de/Fritz-Lang-%C2%BBI ... 3549074239

Ich werde weitere Literatur zum Thema Stummfilm in diesem Thema posten.

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Re: Stummfilm-Literatur

Beitrag von Düse87 » Di 22. Sep 2015, 19:38

Der Roman Die Spinnen von Fritz Lang basiert auf dem gleichnamigen, zweiteiligen Stummfilm.
Teil 1 Der goldene See kam 1919 in die Kinos. Teil 2 Das Brilliantenschiff 1920.
Ein spannender Roman. Für Fritz Lang Fans und Stummfilm-Fans ein Muss.
http://www.amazon.de/Die-Spinnen-Roman- ... fritz+lang

Infos zum Film hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Spinnen

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Re: Stummfilm-Literatur

Beitrag von Düse87 » Di 22. Sep 2015, 20:10

Die dämonische Leinwand ist ein Sachbuch über die Stummfilm-Zeit von Lotte H. Eisner.
Sie war Zeit-Zeugin der Stummfilmzeit und Freundin von Fritz Lang.
Das Buch ist spannend geschrieben.
http://www.amazon.de/Die-d%C3%A4monisch ... e+leinwand

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Re: Stummfilm-Literatur

Beitrag von Düse87 » Do 4. Mai 2017, 21:36

Der Roman zum Film Metropolis hat 224 Seiten und wurde von Thea von Harbou geschrieben. Er wurde 1926 veröffentlicht. Ich habe den Nachdruck von 1978.
Natürlich ist der Roman wesentlich ausführlicher, als der Film.

Der Roman beginnt z.B. in Freders Werkstatt, die im Film nicht zu sehen ist.

Die Szene im Maschinensaal ist im Roman verwirrend. Das ist im Film mit der Moloch-Szene besser umgesetzt.

Man erfährt das Alter des Doms (500 Jahre) und den Grund, weshalb er nicht abgerissen wurde (die Sekte der Gotiker schützt ihn).

Die Maschine, an der Freder arbeitet, nachdem er mit Arbeiter 11 811 getauscht hat, heißt im Roman Paternoster-Maschine und treibt die Aufzüge im neuen Turm Babel an.

Rotwangs Haus, das älteste in Metropolis wurde von einem Magier in roten Schuhen erbaut, der zu Tode kam, weil er sich in den Katakomben unter der Stadt verlief.

Die verstörenste Szene, die es nicht in den Film geschafft hat, spielt im Yoshiwara:
Unter dem Einfluss der Droge Maohee ahmt der Arbeiter, in Freders Kleidung, die Maschine nach, an der er jahrelang stand.

Die Szene, als die Mensch-Maschine Marias Gestalt bekommt ist im Buch eher mystisch, im Film eher technisch und gefällt mir im Film besser.

Die Szene wo Josaphat, per Flugzeug, Metropolis verlässt und später zurückkehrt, kommt im Film nicht vor.

In Freders Fiebertraum kommen im Buch Dämonen vor und Flammen.
Im Film siehst du nur den Sensenmann die Flöte spielen und die 7 Todsünden sich bewegen.
Dazu die Hure Babylon.
Im Roman tritt der Sensenmann vor den Dom und wird größer als das höchste Haus von Metropolis. Er setzt sich auf den neuen Turm Babel, schärft seine Sense und schlägt dann mit der Sense auf die Stadt nieder.
Wäre diese Sequenz im Film, wäre Metropolis der größte Stummfilm aller Zeiten.

Im Roman findet der erste Auftritt der Maschinen-Maria nicht im Yoshiwara statt, sondern in einem Haus direkt neben Rotwangs Haus.

Die Rede der Maschinen-Maria, vor den Arbeitern, ist im Roman viel aufwieglerischer, als im Film. Außerdem gibt Freder Großalarm in Metropolis, indem er kurz in den neuen Turm Babel zurückkehrt und am Pult seines Vaters einen Knopf drückt (kommt im Film nicht vor) .
Freder und sein Vater Joh Fredersen treffen sich im Maschinensaal. (kommt im Film nicht vor) . Im Roman zerstören die Arbeiter auch die Tiefbahnen, die man im Film nicht sieht.
Grot hilft Maria und Freder die Kinder in Sicherheit zu bringen (im Film Josaphat) .

Der Zug der Feiernden aus dem Yoshiwara ist deshalb so aufgekratzt, weil er Maohee intus hat. Auch die Mönche ziehen aus. Mit ihrem Anführer am Kreuz.

Der Roman endet nicht vor dem Dom mit dem Spruch: Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein. Er endet im Haus von Joh Fredersens Mutter. Sie übergibt ihm einen Brief der Hel, in dem geschrieben steht: Ich liebe dich bis an der Welten Ende.

Es gibt auch Charaktere, die im Buch vorkommen, aber nicht im Film.
Der Besitzer des Yoshiwara, Desertus Anführer der Gotiker (im Film nur als der Mönch bezeichnet) , Jan, ein Freund Freders, Joh Fredersens Mutter,

Fazit: Thea von Harbou hat einen wunderbaren Roman geschrieben, der den fertigen Film noch übertrifft. Die Anspielungen auf die diversen Götter. Rotwangs Haus, das irgendwie lebt.
Freder für den Maria Geliebte und Mutter zugleich ist.
Rotwang dem die Liebe seines Lebens genommen wird und der nur noch an Rache denken kann.
Joh Fredersen der herzlose Herr über Metropolis, der am Ende erkennt, dass er doch ein Herz hat und will, dass sein Sohn glücklich wird.
Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet, wenn man sich überlegt, dass es sich um einen Roman handelt, der 90 Jahre auf dem Buckel hat.
Auf jeden Fall die 15 € wert.

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