w.busch gedicht
Verfasst: Mi 11. Mai 2011, 12:54
Unglücklicher Zufall
Ich ging wohl hundert Male
Die Straße ein und aus;
Ich stand bei Sturm und Regen
Vor meiner Liebsten Haus.
Bei Sturm und kaltem Regen
Stand ich vergeblich dort;
Denn die gestrenge Mutter,
Die ließ sie ja nicht fort.
Ich selber hab' dem Regen,
Ich hab' dem Sturm getrutzt;
Nur meine neuen Stiefel,
Die sind ganz abgenutzt.
Und heute, da ich lässig
An meinem Fenster steh',
Trifft sich's, dass ich mein Liebchen
Vorübergehen seh'.
Sie nickt und winkt verstohlen,
Sie sieht mich zärtlich an -
Und ich, ich kann's nicht sagen,
Dass ich nicht kommen kann.
Ich kann's ihr ja nicht sagen,
Dem wunderholden Kind,
Dass meine einz'gen Stiefel
Heut' grad beim Schuster sind.
Wilhelm Busch
Ich ging wohl hundert Male
Die Straße ein und aus;
Ich stand bei Sturm und Regen
Vor meiner Liebsten Haus.
Bei Sturm und kaltem Regen
Stand ich vergeblich dort;
Denn die gestrenge Mutter,
Die ließ sie ja nicht fort.
Ich selber hab' dem Regen,
Ich hab' dem Sturm getrutzt;
Nur meine neuen Stiefel,
Die sind ganz abgenutzt.
Und heute, da ich lässig
An meinem Fenster steh',
Trifft sich's, dass ich mein Liebchen
Vorübergehen seh'.
Sie nickt und winkt verstohlen,
Sie sieht mich zärtlich an -
Und ich, ich kann's nicht sagen,
Dass ich nicht kommen kann.
Ich kann's ihr ja nicht sagen,
Dem wunderholden Kind,
Dass meine einz'gen Stiefel
Heut' grad beim Schuster sind.
Wilhelm Busch