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Nachfolge Christi

Verfasst: Sa 27. Nov 2010, 18:26
von marianne
Die Nachfolge Christi - von Thomas von Kempen - ist ein weit verbreitetes und oft gelesenes christliches geistliches Buch.
Es erschien zuerst anonym um das Jahr 1418.

Die „Nachfolge Christi“ gehört zur mystischen deutsch-niederländischen Schule des 14. und 15. Jahrhunderts (vgl. Devotio moderna).
Sie wurde lange als bedeutendste Anleitung zur christlichen Nachfolge angesehen und war unter Katholiken wie Protestanten verbreitet.


Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Nachfolge_Christi



http://www.scribd.com/doc/9826776/Thoma ... i-Buch-1-4

http://www.amazon.de/Nachfolge-Christi- ... 033&sr=8-2
.

Re: Nachfolge Christi

Verfasst: So 28. Nov 2010, 02:09
von DocNobbi
Die Werke von Thomas von Kempen sind unbedingt zu empfehlen. Sie zählen auch zu den lesenswerten Texten der christlichen Mystik

Re: Nachfolge Christi

Verfasst: So 20. Feb 2011, 20:40
von marianne
Verhalten bei allen Anliegen im Handeln und Reden

1.Unterwirf deine Wünsche dem Willen Gottes.

2.Dein Bittgebet sei ein Gebet der Hingabe an den Willen Gottes.

3.Gebet der bittenden Seele.


1. (Der Herr:) Mein Sohn, in jeder Sache sprich: Herr, wenn es dir gefällt, dann
geschehe es so, Herr; wenn es zu deiner Ehre gereicht, so geschehe es in deinem
Namen, Herr; wenn du siehst, daß es mir zuträglich und nützlich ist, schenke es mir.
Ich will es dann zu deiner Ehre gebrauchen. Wenn du aber erkennst, daß es mir
Schaden bringen und dem Heile meiner Seele nicht dienlich sein wird, so nimm dies
Verlangen von mir. Denn nicht jedes Verlangen ist vom Heiligen Geiste, auch wenn
es dem Menschen recht und gut erscheint. Es ist schwierig, der Wahrheit gemäß zu
beurteilen, ob ein guter oder böser Geist dich zu diesem oder jenem Verlangen treibt
oder ob dein eigener Geist die Triebfeder ist. Viele, die sich anfangs von einem guten
Geist geleitet glaubten, sahen sich am Ende betrogen.

2. Was immer also dem Geist als wünschenswert begegnet, muß man stets in
gottesfürchtiger, bescheidener Gesinnung wünschen und erbitten. Vor allem verzichte
auf den eigenen Willen, stelle die ganze Sache mir anheim und sprich: Herr, du
weißt, wie es am besten ist. Es geschehe also dies und jenes, wie du willst. Gib, was
du willst, wieviel du willst und wann du willst. Tue mit mir, wie du es für richtig
hältst, wie es dir am besten gefällt und zu deiner größeren Ehre gereicht. Stelle mich,
wohin du willst, und schalte frei mit mir in allen Dingen. Ich bin in deiner Hand,
drehe und wende mich nur in jeder Richtung. Siehe, dein Knecht bin ich, bereit zu
allem. Nicht mir, sondern dir zu leben ist mein ganzes Verlangen. Könnte ich es nur
würdig und vollkommen!

3. Gebet um die Gnade, Gottes Willen zu vollbringen
(Der Knecht:) Schenke mir, gütigster Jesus, deine Gnade, daß sie "mit mir sei und mit
mir arbeite" (Weish 9, 10) und bei mir bleibe bis ans Ende. Gib, daß ich immer das
begehre und wünsche, was dir besonders genehm und wohlgefällig ist. Dein Wille sei
der meine, und mein Wille folge stets dem deinen und stimme ganz mit ihm überein.
Ich möchte mit dir ein und dasselbe wollen und nicht wollen; ich möchte gar nicht
imstande sein, etwas anderes zu wollen oder nicht zu wollen als eben das, was du
willst und was du nicht willst. Laß mich allem Irdischen absterben und um
deinetwillen gern verachtet und unbekannt sein in dieser Welt. Gib, daß ich über alles
Wünschen hinaus in dir ruhe und daß mein Herz in dir seinen Frieden finde. Du bist
der wahre Friede des Herzens, du seine einzige Ruhestätte; außer dir ist alles Qual
und Unruhe. In diesem Frieden, das ist in dir, dem einen höchsten, ewigen Gute,
werde ich ,.schlafen und ruhen". Amen (vgl. Ps 4, 9).


(KAPITEL 15)

"Von der Nachfolge Christi"

Thomas von Kempen

Re: Nachfolge Christi

Verfasst: So 20. Feb 2011, 21:04
von norbert51de
marianne hat geschrieben:Verhalten bei allen Anliegen im Handeln und Reden

1.Unterwirf deine Wünsche dem Willen Gottes.

2.Dein Bittgebet sei ein Gebet der Hingabe an den Willen Gottes.

3.Gebet der bittenden Seele.


1. (Der Herr:) Mein Sohn, in jeder Sache sprich: Herr, wenn es dir gefällt, dann
geschehe es so, Herr; wenn es zu deiner Ehre gereicht, so geschehe es in deinem
Namen, Herr; wenn du siehst, daß es mir zuträglich und nützlich ist, schenke es mir.
Ich will es dann zu deiner Ehre gebrauchen. Wenn du aber erkennst, daß es mir
Schaden bringen und dem Heile meiner Seele nicht dienlich sein wird, so nimm dies
Verlangen von mir. Denn nicht jedes Verlangen ist vom Heiligen Geiste, auch wenn
es dem Menschen recht und gut erscheint. Es ist schwierig, der Wahrheit gemäß zu
beurteilen, ob ein guter oder böser Geist dich zu diesem oder jenem Verlangen treibt
oder ob dein eigener Geist die Triebfeder ist. Viele, die sich anfangs von einem guten
Geist geleitet glaubten, sahen sich am Ende betrogen.

2. Was immer also dem Geist als wünschenswert begegnet, muß man stets in
gottesfürchtiger, bescheidener Gesinnung wünschen und erbitten. Vor allem verzichte
auf den eigenen Willen, stelle die ganze Sache mir anheim und sprich: Herr, du
weißt, wie es am besten ist. Es geschehe also dies und jenes, wie du willst. Gib, was
du willst, wieviel du willst und wann du willst. Tue mit mir, wie du es für richtig
hältst, wie es dir am besten gefällt und zu deiner größeren Ehre gereicht. Stelle mich,
wohin du willst, und schalte frei mit mir in allen Dingen. Ich bin in deiner Hand,
drehe und wende mich nur in jeder Richtung. Siehe, dein Knecht bin ich, bereit zu
allem. Nicht mir, sondern dir zu leben ist mein ganzes Verlangen. Könnte ich es nur
würdig und vollkommen!

3. Gebet um die Gnade, Gottes Willen zu vollbringen
(Der Knecht:) Schenke mir, gütigster Jesus, deine Gnade, daß sie "mit mir sei und mit
mir arbeite" (Weish 9, 10) und bei mir bleibe bis ans Ende. Gib, daß ich immer das
begehre und wünsche, was dir besonders genehm und wohlgefällig ist. Dein Wille sei
der meine, und mein Wille folge stets dem deinen und stimme ganz mit ihm überein.
Ich möchte mit dir ein und dasselbe wollen und nicht wollen; ich möchte gar nicht
imstande sein, etwas anderes zu wollen oder nicht zu wollen als eben das, was du
willst und was du nicht willst. Laß mich allem Irdischen absterben und um
deinetwillen gern verachtet und unbekannt sein in dieser Welt. Gib, daß ich über alles
Wünschen hinaus in dir ruhe und daß mein Herz in dir seinen Frieden finde. Du bist
der wahre Friede des Herzens, du seine einzige Ruhestätte; außer dir ist alles Qual
und Unruhe. In diesem Frieden, das ist in dir, dem einen höchsten, ewigen Gute,
werde ich ,.schlafen und ruhen". Amen (vgl. Ps 4, 9).


(KAPITEL 15)

"Von der Nachfolge Christi"

Thomas von Kempen
Liebe Marianne,

endlich mal etwas Wahres.

Liebe Grüße,
Norbert

Re: Nachfolge Christi

Verfasst: So 20. Feb 2011, 21:58
von marianne
Wer seine Hoffnung auf Menschen oder Kreaturen setzt, ist nichtig und eitel.

Schäme dich nicht, aus Liebe zu Jesus Christus anderen dienstbar zu sein und auf dieser Welt für arm zu gelten.

Stell dich nicht auf dich selbst, setze dein Vertrauen auf Gott. Tue, so viel an dir ist, so wird Gott mit deinem guten Willen sein.

Vertraue nicht auf dein Wissen, noch eines Lebenden Schlauheit, setze dein Vertrauen vielmehr auf Gottes Gnade, der ja allen Demütigen hilft und die, so etwas von sich halten, erniedrigt.

Bist du reich, so rühme dich nicht deines Reichtums, hast du mächtige Freunde, so poche nicht auf ihre Macht, aber rühme dich Gottes, der alle Dinge gibt und sich selbst dir als höchstes Gut hingeben will.

Überhebe dich nicht des hohen Wuchses und der Schönheit deines Leibes, den eine geringfügige Krankheit verderben und entstellen kann.

Gefalle dir nicht selbst ob deiner Geschicklichkeit und deinem Verstand, damit du nicht Gott missfallest, dem alles gehört, was du an natürlichen Vorzügen besitzest!

Halte dich nicht besser als andere; leicht magst du vor Gott für schlimmer gelten als sie; denn Gott weiß, was im Menschen ist.

Sei nicht stolz auf deine großen Werke, denn Gottes Urteil lautet anders als das menschliche, und ihm missfällt gar oft, was den Menschen wohlgefällt!

Hast du etwas Gutes an dir, so halte die anderen Leute für besser als dich, damit dir die Demut nicht verloren gehe! Es schadet dir nichts, wenn du dich unter alle anderen Menschen stellt; aber das schadet dir sehr, wenn du dich auch nur über einen Menschen erhebst.

Friede wohnt bei den Demütigen, aber im Herzen der Hochmütigen brennt nichts als Unmut und Eifersucht.


Thomas von Kempen

Re: Nachfolge Christi

Verfasst: So 20. Feb 2011, 22:01
von marianne
1. Glücklich, den die Wahrheit (Gott) selbst belehrt, nicht durch vergängliche
Zeichen und Worte, sondern in ihrem Wesen. Unser Denken und unser Sinn täuschen
uns oft und nehmen wenig wahr. Was nützt das lange Reden über verborgene und
dunkle Dinge? Wir werden ihretwegen nicht zur Rechenschaft gezogen, wenn wir sie
etwa nicht gekannt haben. O große Torheit, das Nützliche und Notwendige zu
übergehen, um Dingen nachzugehen, die nur der Neugier dienen und Schaden
anrichten! "Wir haben Augen und sehen nicht" (Jer 5,21 und Ps 115,5). Was
kümmern wir uns um Gattungen und Arten? Zu wem das ewige Wort (Gott) spricht,
der bleibt vor vielen falschen Ansichten bewahrt.

2. Aus einem Worte (Gottes) stammen alle Dinge, und von einem Worte reden alle
Dinge, und das ist "der Anfang, der auch zu uns redet" (Joh 8, 25). Ohne ihn kommt
keiner zur Einsicht, hat keiner ein rechtes Urteil. Wem alles das Eine ist, wer alles auf
das Eine bezieht und alles in dem Einen schaut, dessen Herz kann festen Stand haben
und dauernd im Frieden Gottes leben. O Wahrheit Gott, mach mich eins mit dir in
ewiger Liebe! Ich bin des vielen Lesens und Hörens oft so überdrüssig. In dir ist
alles, was ich suche und ersehne. Schweigen mögen alle Lehrer, verstummen alle
Geschöpfe vor deinem Angesichte. Sprich du allein zu mir!


"Von der Nachfolge Christi"

Thomas von Kempen