Die ägypt. Mau
Verfasst: Fr 10. Dez 2010, 16:02
Hallo Freunde!
Heute bringe ich mal wieder einen Beitrag besonderer Art. Ich schildere die Geschichte einer Liebe zwischen Mensch und Tier - die Geschichte unserer Katze. Sie stammt nämlich ursprünglich aus Ägypten.
Das ägyptische Getreide nennt sich Kamut. Diese Getreideart erwies sich im fruchtbaren Nilschlamm nach der Aussaat am ergiebigsten.
Nach jeder Überschwemmung mußten die staatlichen Beamten des Pharao die Felder der Bauern jedesmal neu vermessen, da der Nilschlamm alle alten Grenzsteine zudeckte.
Dann wurde das Land neu eingeteilt und die Abgaben festgelegt. Allein schon der Beamtenapparat des Pharao dafür war groß. Dazu kam das stehende Heer und die Arbeiter, die gerade im Auftrag des Pharao einen Tempel errichteten. Sie waren quasi Staatsangestellte.
Alle im Dienste des Pharao stehenden Staatsangestellten wurden nun vom Pharao durch monatliche Deputatzahlungen in Form von Getreide entlohnt. Zur Lagerung dieses Getreides ließ der Pharao überall Vorratshäuser und Silos für das Getreide errichten.
Mit der Getreidelagerung kamen aber auch die ersten Schmarotzer, die sich ebenfalls an dem kostbaren Getreide gütlich taten. Es waren die Mäuse. Deshalb waren die Ägypter froh, dass ihnen ein Tier zu Hilfe kam.
Die erste Katzenart, die sich schon vor 4 500 Jahren bei den ägyptischen Kornsilos herumtrieb und das kostbare Kamut vor den Nagern schützte, war die nubische Schleichkatze oder Genette (Genetta genette),
eine Katze mit geringeltem Schwanz, grauem Fell mit rötlichen Tupfen. Durch Kreuzungen mit anderen Katzenarten hatte sich 500 Jahre später eine erste echt ägyptische Katze entwickelt. Es war die Falbkatze. Sie glich einer Siam getigert oder getupft mit rötlich/gelbem Fell.
Die Ägypter nannten sie einfach Mau. Eine äußerst wachsame Katze, anhänglich, schnell und Kinderlieb. Mau beschützte das himmliche Korn von Sonnengott Ra vor den grauen Mäusen der Nacht.
Mau unterstützte auch Ra bei seinem nächlichen Kampf gegen die Apophisschlange.
Bastet war eine Mondgöttin und der Mond galt als Auge von Sonnengott Ra bei Nacht. Das Kultzentrum von Bastet war Bubastis. Mit der Zeit wurde die Göttin Bastet einfach umfunktioniert als Katzengöttin und im Bastet-Tempel von Bubastis gab es jedes Jahr ein Katzen-Frühlings-Fest.
Mit den Jahren wurde jede Mau in Ägypten heilig und zu fast jeder ägyptischen Familie gehörte sie wie ein liebes Familienmitglied. Sie beschützte die Hausfrauen.
Starb eine Familienkatze, dann wurde getrauert und der Haushaltsvorstand rasierte sich zum Zeichen der Trauer die Augenbrauen ab. Viele ließen ihre Katze danach auch mumifizieren und sie erhielt ein feierliches Begräbnis.
Für Katzenmörder galt die Todesstrafe. Der römische Historiker Diodorus schildert einen Fall, wie ein römischer Soldat mit seinem Streitwagen eine Mau überfuhr und wie die wütende Menge ihn dann vom Streitwagen riß und lynchte.
Für das Umbringen einer dieser Tempelkatzen stand die Todesstrafe. In meinem Beitrag habe ich ja schon geschrieben, dass die Mau wie ein lieber Mensch zum ägyptischen Haushalt gehörte. Starb eine Mau, so wurde getrauert.
Doch zuvor brachte man ihre Leiche in feinste Linnen gewickelt zu einem Tempelpriester. Der untersuchte die tote Katze nach Fremdeinwirkungen oder ob sie an einem natürlichen Tod gestorben war. Waren Spuren von Quälerein sichtbar, dann wurde ein Strafmaß festgesetzt.
Sodann wurde der tote Körper mumifiziert und ganz Betuchte gaben der Mau auch noch tote Mäuse mit in den kleinen Sarkophag, als Wegzehrung fürs Jenseits.
In Beni Hassan wurden etwa 300 000 Katzenmumien entdeckt und in Bubastis, dem heiligen Zentrum der Katzengöttin Bastet einen riesigen Katzenfriedhof.
Noch eine kleine Geschichte am Rande: Als der Perserkönig Kambyses II im Jahre 525 v Chr die ägyptische Stadt Pelusium im Nildelta belagerte griff er zu einer Kriegslist und ließ eine Eliteeinheit seines Heeres lebende Katzen vor ihre Schilde binden.
Die ägyptischen Verteidiger der Stadt getrauten sich nicht gegen die Einheit zu kämpfen aus Furcht, sie würden die Katzen töten und ergaben sich lieber.
Ihre schlimmste Zeit erlebte die Katze im Mittelalter. Dort brachte man im Christentum die Katzen mit den Hexen in Verbindung, meinte Hexen könnten sich in Katzen verwandeln und brachte sie oft zusammen mit der Hexe auf den Scheiterhaufen.
Es ist auch bekannt, dass man zur schlimmsten Zeit der Hexenverfolgung Katzen auf einen Kirchturm brachte und sie dort zum Ergötzen der Menge runterwarf.
Hexen wurden zumeist als alte Frauen zusammen mit Katzen dargestellt. Ein Ergebnis dieses Aberglaubens war dann die Pest, die in christlichen Landen wegen der Dezimierung der Katzen durch das Überhandnehmen von Mäusen und Ratten übertragen wurde.
Das schönste aber kommt jetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg war Mau fast ausgestorben. Dann kam die russische Gräfin und Katzenliebhaberin Nathalie Troubetskoj nach Rom und sah dort die Katzen des ägyptischen Botschafters.
Sie war fasziniert und erbettelte zwei Junge, die sie mit in die USA nahm als sie auswanderte. Dort vermehrte sich die ägyptische Katze Mau wieder.
VG Hathor
Heute bringe ich mal wieder einen Beitrag besonderer Art. Ich schildere die Geschichte einer Liebe zwischen Mensch und Tier - die Geschichte unserer Katze. Sie stammt nämlich ursprünglich aus Ägypten.
Das ägyptische Getreide nennt sich Kamut. Diese Getreideart erwies sich im fruchtbaren Nilschlamm nach der Aussaat am ergiebigsten.
Nach jeder Überschwemmung mußten die staatlichen Beamten des Pharao die Felder der Bauern jedesmal neu vermessen, da der Nilschlamm alle alten Grenzsteine zudeckte.
Dann wurde das Land neu eingeteilt und die Abgaben festgelegt. Allein schon der Beamtenapparat des Pharao dafür war groß. Dazu kam das stehende Heer und die Arbeiter, die gerade im Auftrag des Pharao einen Tempel errichteten. Sie waren quasi Staatsangestellte.
Alle im Dienste des Pharao stehenden Staatsangestellten wurden nun vom Pharao durch monatliche Deputatzahlungen in Form von Getreide entlohnt. Zur Lagerung dieses Getreides ließ der Pharao überall Vorratshäuser und Silos für das Getreide errichten.
Mit der Getreidelagerung kamen aber auch die ersten Schmarotzer, die sich ebenfalls an dem kostbaren Getreide gütlich taten. Es waren die Mäuse. Deshalb waren die Ägypter froh, dass ihnen ein Tier zu Hilfe kam.
Die erste Katzenart, die sich schon vor 4 500 Jahren bei den ägyptischen Kornsilos herumtrieb und das kostbare Kamut vor den Nagern schützte, war die nubische Schleichkatze oder Genette (Genetta genette),
eine Katze mit geringeltem Schwanz, grauem Fell mit rötlichen Tupfen. Durch Kreuzungen mit anderen Katzenarten hatte sich 500 Jahre später eine erste echt ägyptische Katze entwickelt. Es war die Falbkatze. Sie glich einer Siam getigert oder getupft mit rötlich/gelbem Fell.
Die Ägypter nannten sie einfach Mau. Eine äußerst wachsame Katze, anhänglich, schnell und Kinderlieb. Mau beschützte das himmliche Korn von Sonnengott Ra vor den grauen Mäusen der Nacht.
Mau unterstützte auch Ra bei seinem nächlichen Kampf gegen die Apophisschlange.
Bastet war eine Mondgöttin und der Mond galt als Auge von Sonnengott Ra bei Nacht. Das Kultzentrum von Bastet war Bubastis. Mit der Zeit wurde die Göttin Bastet einfach umfunktioniert als Katzengöttin und im Bastet-Tempel von Bubastis gab es jedes Jahr ein Katzen-Frühlings-Fest.
Mit den Jahren wurde jede Mau in Ägypten heilig und zu fast jeder ägyptischen Familie gehörte sie wie ein liebes Familienmitglied. Sie beschützte die Hausfrauen.
Starb eine Familienkatze, dann wurde getrauert und der Haushaltsvorstand rasierte sich zum Zeichen der Trauer die Augenbrauen ab. Viele ließen ihre Katze danach auch mumifizieren und sie erhielt ein feierliches Begräbnis.
Für Katzenmörder galt die Todesstrafe. Der römische Historiker Diodorus schildert einen Fall, wie ein römischer Soldat mit seinem Streitwagen eine Mau überfuhr und wie die wütende Menge ihn dann vom Streitwagen riß und lynchte.
Für das Umbringen einer dieser Tempelkatzen stand die Todesstrafe. In meinem Beitrag habe ich ja schon geschrieben, dass die Mau wie ein lieber Mensch zum ägyptischen Haushalt gehörte. Starb eine Mau, so wurde getrauert.
Doch zuvor brachte man ihre Leiche in feinste Linnen gewickelt zu einem Tempelpriester. Der untersuchte die tote Katze nach Fremdeinwirkungen oder ob sie an einem natürlichen Tod gestorben war. Waren Spuren von Quälerein sichtbar, dann wurde ein Strafmaß festgesetzt.
Sodann wurde der tote Körper mumifiziert und ganz Betuchte gaben der Mau auch noch tote Mäuse mit in den kleinen Sarkophag, als Wegzehrung fürs Jenseits.
In Beni Hassan wurden etwa 300 000 Katzenmumien entdeckt und in Bubastis, dem heiligen Zentrum der Katzengöttin Bastet einen riesigen Katzenfriedhof.
Noch eine kleine Geschichte am Rande: Als der Perserkönig Kambyses II im Jahre 525 v Chr die ägyptische Stadt Pelusium im Nildelta belagerte griff er zu einer Kriegslist und ließ eine Eliteeinheit seines Heeres lebende Katzen vor ihre Schilde binden.
Die ägyptischen Verteidiger der Stadt getrauten sich nicht gegen die Einheit zu kämpfen aus Furcht, sie würden die Katzen töten und ergaben sich lieber.
Ihre schlimmste Zeit erlebte die Katze im Mittelalter. Dort brachte man im Christentum die Katzen mit den Hexen in Verbindung, meinte Hexen könnten sich in Katzen verwandeln und brachte sie oft zusammen mit der Hexe auf den Scheiterhaufen.
Es ist auch bekannt, dass man zur schlimmsten Zeit der Hexenverfolgung Katzen auf einen Kirchturm brachte und sie dort zum Ergötzen der Menge runterwarf.
Hexen wurden zumeist als alte Frauen zusammen mit Katzen dargestellt. Ein Ergebnis dieses Aberglaubens war dann die Pest, die in christlichen Landen wegen der Dezimierung der Katzen durch das Überhandnehmen von Mäusen und Ratten übertragen wurde.
Das schönste aber kommt jetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg war Mau fast ausgestorben. Dann kam die russische Gräfin und Katzenliebhaberin Nathalie Troubetskoj nach Rom und sah dort die Katzen des ägyptischen Botschafters.
Sie war fasziniert und erbettelte zwei Junge, die sie mit in die USA nahm als sie auswanderte. Dort vermehrte sich die ägyptische Katze Mau wieder.
VG Hathor