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Christus und die heidnischen Götter

Verfasst: So 2. Jan 2011, 21:51
von wulfila
Ich setze mal einen etwas ausführlicheren Text von mir ein - einmal um meine Vorstellung nahe zu bringen, und auch über das Thema selber zu diskutieren

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Christus (Krist) und die Heidnischen Götter

Gott der Vater und seine Kinder

Der Mensch ist ein wundersames Geflecht verschiedenster Bestandteile. Die moderne Seelenlehre (Psychologie) zeigt verschiedene Entwürfe, aber allen ist die Vielfalt der Seelenregungen bekannt. Das „Ich“ mag das Zentrum sein, aber je mächtiger es ist, umso mehr verdrängt es andere seelische Knotenpunkte, die sich nicht damit abfinden und als Neurosen, Psychosen und letztendlich auch körperliche Krankheiten zurückschlagen. Und manche Menschen habe eine Bewusstseinsspaltung, in der mehrere Ich’s die Führung übernehmen (wollen).

Warum soll der Gott (Jahwe) eines Berges (Sinai) im Vorderen Orient, der es geschafft hat, mehrere Nomadenvölker unter seinen Namen zu vereinen, die zentrale Gottheit der Welt sein? Warum ist Geschichte dieses Volkes, aus einer anderen Zeit, anderen Kulturbezügen - welche im sogenannten Alten Testament aufgezeichnet ist - für uns ein Vorbild? Die Erfahrungen unsere Vorfahren mit der Gottheit waren anders, der hiesigen Natur angepasst und den religiösen Erlebnissen der Menschen.

In der Landschaft des Alten Testamentes ist Wasser ein kostbares Nass, Brunnen sind Treffpunkte oder Ziele von Kampfhandlungen. Im nebligen Mitteleuropa ist Wasser manchmal eher im Übermaß vorhanden und weder so kostbar, noch Ziel von Eroberungszügen. Die Sonne wurde von daher eher als mütterlich erlebt und deren Nähe und Wärme herbeigesehnt. Im Orient war der Sonnengott kämpferisch, streng und männlich. Kann wirklich das eine das Vorbild des anderen sein?

Christus ist der Sohn Gottes - hat er Geschwister?

Allvadr - Allvater ist ein Beiname Wodans und dieser hatte sich - so wie Jahwe ein paar Jahrhunderte vorher - emporgearbeitet und in großen Teilen der germanischen Stämme war er der Hauptgott, auf seinem Himmelsthron sitzend und über die Erde herrschend. Dasselbe gilt vom Krist, nach seiner Himmelsfahrt. Er verdrängte aber den Vater nicht, sondern sitzt ihm zur Rechten. Also herrschen beide. Und die anderen?

In der Seele des Menschen geht es nicht weniger turbulent zu, wie im übrigen Leben. Seelenregungen die plötzlich entstehen und wieder verschwinden, Wunschbilder mit Machtanspruch, lähmende und aktivierende Stimmungen. Erinnerungen werden vergessen, andere tauchen immer wieder auf. Gedankenketten drängen sich ins Bewusstsein und lassen die Realität verschwinden....Gibt es da ein ewig gleiches Zentrum, dass immerwährend die Herrschaft betätigt? Oder ist das eher der Wunsch nach einem Ruhepunkt, nach einem gestaltenden Zentrum dass den einigen und einzigen Gott im Himmel und im Menschen erwünscht und erstrebt?

Im Vergleich mit den germanischen Göttern, wird Kristus meist mit Wodan verglichen, da beide sich opferten. Aber Wodan hing neun Nächte am Weltenbaum und starb nicht, sondern erlangte höheres Wissen. Und er ist Allvater, also eine Personifizierung der obersten Gottheit, mit mehr Geschichte und individuelles Leben als Jahwe - der sich eher über die Geschichte seines Volkes ausdrückt. Es wäre gewiss interessant, diese Geschichte mit den Göttergeschichten zu vergleichen und zu fragen ob beides nicht ähnliches aussagt.

Aber Kristus ist nicht Allvater, er ist der Sohn und unserer Vorfahren dachten nicht in griechischen Denkmustern. Allvater hatte mehrere Söhne, warum nicht noch einen dazu? Es gibt über Jahrhunderte Grabstätten, in denen die Toten das christliche Kreuz neben den Symbolen der anderen Götter beigelegt bekamen. Ebenso ist das Verhältnis der Götter untereinander in den Stämmen durchaus unterschiedlich.

Aber welche Position würde der Krist ein einem paganen Pantheon einnehmen? Die Götter sind lustige und kraftvolle Gesellen und Gesellinen, die in Beziehung zum Naturgeschehen stehen und bestimmte Aufgaben verfolgen. Während Donar sich vor allem mit den gefährlichen Naturgewalten beschäftigt, Hel sich mit den Toten, schenkt Freya demLand und den Menschen Fruchtbarkeit, aber auch die Kunst des Seidr.

Und Kristus? Er ordnete sich unter. Er machte das, was ein anderer ihm sagte. Er folgte seinem Auftrag, er zeugte „Mein Ich und der Vater sind eins“. Er heilte und trieb Dämonen aus, weil er - als Mensch - offen für die Macht Gottes war. Er war „voll des heiligen Geistes“, der schaffenden Lebenskraft Gottes. Er ist das Vorbild eines Menschen, der ganz den Willen Allvaters tut und dadurch so verwandelt wird, dass er nicht ins dunkle Reich der Hel fuhr, und von da vielleicht wieder kommen musste, sondern zur Rechten Allvaters. So wie die Einherier, die Kämpfer, die sich ganz dem Kampfe verschworen hatten. Der Krist kämpft auch, aber gegen die Mächte in seinem Innern. Gegen Zorn, Leidenschaften die zerstören, „Meintaten“ wie der Heliand schreibt - also egozentrisches Tun. Ebenso wie sein Bruder Donar und manchmal wahrscheinlich im Gegensatz zu seinem Stiefbruder Freyr, der frohe, freie, dessen Namen in der gotischen Bibelübersetzung das Wort „Herr“ ersetzt.

Mensch und Gott

Es gibt keine wirkliche Überlieferung mehr, wie unsere Vorfahren ihre Götter erlebten, von ihren Riten und Denkmustern. In den wenigen Dokumenten kann man allerdings viel hineininterpretieren. Und eigentlich sind das alles „Schuhe von gestern“ - es sei denn, der spirituell Suchende erlebt diese Welt, die Götter der Vorfahren und fragt sich nun: ohne oder mit Kristus?

„17 Gingen da dreie aus dieser Versammlung,
Mächtige, milde Asen zumal,
Fanden am Ufer unmächtig
Ask und Embla und ohne Bestimmung.

18 Besaßen nicht Seele, und Sinn noch nicht,
Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe.
Seele gab Wodan, Hönir gab Sinn,
Blut gab Lodur und blühende Farbe.“ (Edda - Völuspa)

Sie besaßen kein Innenleben – Seele - „Ond“ enspricht dem Odem, dem Lebenshauch Gottes im Alten Testament → der ruach (Geist Gottes)

Kein Kontakt zur Umwelt - Sinn (die Sinne ermöglichen den Kontakt zu Außenwelt, weil sie diese Außenwelt vorher innerlich verarbeiten in Begriffen → Verstand)

Keine eigenständige Bewegung in dieser Außen- oder Umwelt - Bewegung (und dazu bedarf es einen gesunden und eigenständigen, also durchbluteten Körper)

Im AT nahm Gott etwas von der Adamah (Erde), sandte seine Geistkraft (ruach) und daraus wurde eine „lebendige Seele“ (nefesch) Hier sind es zwei Bäume, die zu Menschen werden, indem ihnen Allvater das Innenleben gibt, und zwei andere Götter sie befähigen lebendig zu sein und in der Welt zu handeln und diese wahrzunehmen. Der Mensch hat auch hier sein Innenleben, seine Seele, vom Vater und so wie es AT heißt, lasst „uns“ den Menschen schaffen, so ist es auch hier eine Mehrzahl. Es gibt keinen Grund, warum nicht Wodan mit dem Namen des Vaters angesprochen werden soll, so wie es der Krist im Vater Unser tat.

„Vater unser, aller deiner Kinder, Der du bist im hohen Reiche der Himmel, Geweiht werde dein Name bei jeglichem Worte; Zu uns komme dein kräftiges Reich; Dein Wille werde über die Welt gewaltig, Hier unten auf Erden, wie er da oben ist, Hoch im hohen Reiche der Himmel. Gib uns, teurer Herr, die tägliche Notdurft, Deine heilige Hilfe! Erlaß uns, Himmelswart, Alle Übeltat, wie wir es andern tun, Und laß uns nicht leidige Wichte (Geister) verleiten, Ihren Willen zu wirken, wenn wir des würdig sind, Daß du uns von allem Übel erlösest.
So sollet ihr bitten, wenn ihr zum Gebet euch neigt, Mit würdigen Worten, daß der waltende Gott Das Leid euch erlasse, das ihr den Leuten tatet. Denn laßt ihr die Leute gerne ledig der Schuld und der Sünden, die sie selber hier Wider euch wirkten, so erläßt der Waltende, Der allmächtige Vater, auch euch die Frevel, Der Meintaten Menge. Aber wächst euch der Mut, Daß ihr selber ungern andern erlaßt, Was sie wider euch taten, so will auch euch der Waltende Die Schuld nicht schenken, ihr sollt sie entgelten Mit sehr leidigem Lohn auf lange Zeiten, All das Unrecht, das ihr andern tatet In dieses Lebens Licht, wenn ihr an den Leuten Die Schuld nicht sühntet, bevor eure Seele Hinwegfährt von dieser Welt“.
(Heliand)

Es ist der Vater, der Himmelswart, der göttlich handelt, der vergibt oder zuweist. Auf Grund der inneren Einstellung des Menschen. Und das ist die Aufgabe des „Landwartes“ Krist (Heliand), durch dessen Befolgung der Mensch in die Auen des Himmels kommt.
Der Krist folgte seinem Schicksal (Wyrd - dem Netz der Nornen, denen sich auch die Götter unterordnen) willig - da sei er uns Vorbild, und er verkündete als Neues, die Klärung und Befriedung des Innenlebens, durch dessen Veränderung:

„Was aus dem Herzen kommt, macht den Menschen unrein“

Und nicht das Einhalten von Opferritualen, oder äußeren Vorschriften. Da werden sich die Lehren der heidnischen Priester und der des Jahwe nicht unterschieden haben.

Die Überlieferungen

Natürlich stellen die Dokumente der jüdischen, ebenso wie der griechischen Kultur vor allem die Bezüge zur eigenen Religion und Philososphie her und ein Matthäusevangelium ist über das Alte Testament verstehbar. Gemeinschaften mit eher gnostischer Weltanschauung haben sich dagegen schon immer mehr für das Johannesevangelium interessiert. Wodan steht gewiss nicht in den Büchern des Neuen Testamentes, das ein Produkt der jüdisch-griechischen Kultur ist. Da ist der Heliand schon eher verwendbar, genauso wie die Edda. Aber letztendlich sind Bücher - und mögen sie noch sehr als heilig gelten - nur Hilfsmittel, Werkzeuge. Der persönliche Gottesbezug kann nur über eine geistige Schulung und die Erfahrung gehen. Sie steht in keinem Buch, das von anderen geschrieben wurde.