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Die Amun-Priesterschaft

Verfasst: So 16. Jan 2011, 09:45
von Hathor
Hallo Freunde!

Wie wurde man nun Priester? Zuerst wurde auf den Lebenswandel eines Menschen geachtet, ob er gläubig war und auch den Göttern immer Opfer darbrachte.

Wenn die dann dem Tempel ihre Dienste anboten, wurden sie vom Volk hem nedjer genannt, Gottesdiener. Sie waren dann Angestellte des Tempels. Es war für die meisten ein Freizeitjob, denn nebenbei hatten sie noch andere Berufe wie Schreiber, Lehrer, Arzt, oder Bibliothekar. Sachmet-Priester waren meistens Ärzte, weil die löwenköpfige Göttin Sachmet als Schutzpatronin der Ärzte galt. Die hem nedjer durften dann nur immer einen Monat Priester sein, mußten danach 2 Monate
aussetzen.

Bei den Priestern gab es nun verschiedene Klassen. Ganz wichtige Rituale durfte nur der Pharao oder sein Stellvertreter, der Hohepriester, abhalten. Sie allein durften auch den Gott im Tabernakel des Tempels sehen, der sonst immer verhüllt war.Dann gab es noch die Sem-Priester. Sie kleideten sich in Leopardenfelle, trugen Perücken und falsche Bärte, immer dann, wenn sie für Beerdigungsrituale zuständig waren.Dabei hielten sie die Mundöffnungsrituale ab und trugen bei ihren sakralen Handlungen zumeist Tiermasken die den Schakalgott Anubis darstellten. Aus ihren Reihen stammten auch die Vorlesepriester, die cheriheb, welche bei den Gräberritualen die Totentexte vortrugen.

Die Sem-Priester als solche waren auch neben dem Hohenpriester die einzigen, die religiös ein wenig sattelfest waren und in die Osiris-Mysterien eingeweiht wurden.Die Reinigungsrituale, Weihräucherung, Einölung der Mumie mit Salbeiöl, all das war Aufgabe der Sem-Priester.

Dann gab es noch die sogenannten Stundenpriester. Ihnen oblag es immer die Stunde festzusetzen, in der ein bestimmtes Ritual durchgeführt wurde, denn nach ägyptischem Glauben war nicht jede Stunde für jedes Ritual geeignet.Die Masse aber waren die Wab-Priester. Sie mussten im Tempel alle anfallenden Arbeiten verrichten, wie Reinigung und Opfertiere töten und zubereiten.

Für diese Priester war es dann eine Ehre, wenn sie von ihrem Hohenpriester dazu beauftragt wurden, bei Gott Amun das Aufweckritual zu vollziehen. Aufgrund ihrer speziellen Tätigkeit wurden sie Agi-Priester genannt, das heißt "Priester, die Zutritt haben". Dann gingen sie frühmorgens mit einer Kerze in den noch dunklen Tempel bis zum Sanctuarium, hinter dessen Tür sich die Götterstatue befand und klopften an die Tür, damit der Gott erwache.

Der allgemeine Glaube im alten Ägypten war ja damals so, dass sie glaubten, der Gott sei tatsächlich immer in seiner Statue anwesend. Sie nahmen dann die Statue heraus, die meistens aus sehr wertvollem Material bestand und wuschen sie.

Dann wurde sie mit Parfüm und Weihrauch behandelt und angezogen. Vorschrift war auch, dass die Stirn des Gottes mit dem rechten kleinen Finger mit Zedern- oder Myrrheöl eingerieben wurde. Danach bekam der Gott Wein, Speisen und Getränke wurden ihm angeboten, auch Blumen.

Ansonsten mussten die Wab-Priester sich täglich rasieren, zweimal täglich waschen und zweimal nachts, sie waren beschnitten und durften Gläubige nicht übervorteilen und auch keine Rituale diskutieren.
Alle Amun-Priester wohnten am heiligen See, der eine Verbindung mit dem Nil hatte. Er diente ihnen zu ihrer täglichen viermaligen Reinigung. Als Nahrung erhielten sie die geopferten Speisen.

Es gab auch weibliche Priesterinnen, jüngere meistens als Tempeltänzerinnnen und viele Frauen der Oberschicht fungierten als Hathor-Priesterinnen. Zumeist wurden sie dann hemet-ka genannt und fungierten dann bei Beerdigungen als Ka-Dienerinnen.

in den Ruinen von Abydos entdeckten Archäologen kürzlich das sogenannte Osireion, die angebliche Grabstätte des Osiris. Auf den Stelen sind dort die Osiris-Mysterien aufgezeichn Abydos war auch bei den alten Ägyptern schon immer der Hauptkultort des Osiris. Der frühere Name war Pa-Uzir, was "Haus des Osiris" bedeutet. In Abydos soll eine wichtige Reliquie, nämlich das Haupt des Osiris, aufbewahrt worden sein.

Und genau wie heute die Moslems einmal im Leben zu ihrer heiligen Stätte Mekka, so pilgerten damals die alten Ägypter einmal im Leben nach Abydos. Doch nicht nur als Pilgerstätte war der Ort im alten Ägypten bekannt. In Abydos gab es auch die erste Mysterienschule.ier wurde der Priesternachwuchs, vor allem die Sem-Priester, die das ganze Totenritual bei einer Beerdigung abhielten und die das Ritual überwachenden Kher-Heb-Priester (Vorlesepriester) in den Mysterien des Osiris unterwiesen.

Wir dürfen uns die damaligen Priester nicht so vorstellen, wie unsere heutigen Priester. Die Mehrheit der Priester waren Wab-Priester. Ihnen oblag nur die Pflege von Tempel und Götterstatuen.

Eine Elite waren die Sem-Priester, die in ein Leopardenfell gehüllt, ihre Bestattungsrituale ausübten und die Kher-Heb-Priester dabei. Nur sie waren in ihrer Religion einigermaßen sattelfest, kannten auch die Osiris-Mysterien und wurden auf den Mysterienschulen darin unterwiesen. Sem- und Kher-Heb-Priester kannten die Gesetze der Magie und waren informiert über die ewigen Wahrheiten von Leben und Sterben, was der breiten Masse verschlossen war.

Aus diesen Menschen rekrutierten die Priester meistens ihren Nachwuchs. Sie hatten dafür eigens ihre Mysterienschulen und massgebend für die Teilnahme war, ob die Probanten ein Gott wohlgefälliges Leben führten und ob sie den Göttern regelmäßig die vorgeschriebenen Opfer brachten.

Heute wissen wir, dass den alten Ägyptern bereits schon damals das Mysterium des Todes bekannt war. In den Krypten der Mysterienschulen erfuhren die Priester-Neophyten (Schüler) und Initianten von der Seele als Ba,die symbolisch als Vogel den Verstorbenen umflatterte, sie erfuhren vom Doppelgänger des Ka, zu vergleichen heute mit dem unvergänglichen Astralkörper.
Und sie erfuhren vom Ach, der geistigen Kraft. Auch das Anch- oder Henkelkreuz als Symbol des ewigen Lebens und der Reinkarnation wurde ihnen bewußt.

Damit war den alten Ägyptern vor über 4 000 Jahren schon all das bekannt, was unsere heutigen Sterbeforscher, die Thanatologen, in neuerer Zeit wieder entdeckten.