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Der hl Gral, 8. Die Gralslegende

Verfasst: Mi 19. Jan 2011, 09:16
von Hathor
Hallo Freunde,

seit etwa 900 Jahren existiert im Christentum die Gralslegende. Bis heute ist ungeklärt, was der hl Gral eigentlich ist und deshalb bietet die Geschichte dieses mysteriösen Artefaktes ein großes Geheimnis. Sehr merkwürdig ist auch, das die Gralsgeschichte des frz Dichters Chrétien de Troyes kurz nach den Ausgrabungen der Templer am Jerusalemer Tempelberg erschien.

Der franz Dichter Chrétien de Troyes (1130 - 1190 u Z ) brachte seine Erzählung "Parceval de Galvis ou le conte de gral" (Parzival von Galvis oder die Geschichte des Gral) in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts heraus und die deutsche Übersetzung besorgte 1210 Wolfram von Eschenbach mit "Parzival".

Darin ist die Rede von einem jungen Ritter, der schon in jungen Jahren in den Kreis der Ritter der Tafelrunde unter König Arthus aufgenommen wurde. Auf der Suche nach Abenteuern gelangte er dann in die geheimnisvolle Burg Munsalvaesche. Dort sieht er mit an, wie des abends der wundersame Gral von reinen Jungfrauen in den Saal der Burg hineingetragen und vor den kranken König gestellt wird.

Da Parzival aber vergisst zu fragen, warum der König krank ist, um ihn zu erlösen, muss er am anderen Morgen die Burg verlassen. Doch der Gral geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er sucht ihn überall und wird schließlich von dem Eremit Trevrizent über den Gral aufgeklärt. Er würde ewiges Leben spenden und bisher hätten ihn Engel gehütet. Der Gralskönig sei durch eine Sünde verletzt worden und Parzival hätte ihn erlösen gekonnt, wenn er nach seiner Krankheit gefragt hätte. Als Parzival dies vernahm, überkam ihn bittere Reue und fortan wurde er selbst der Gralskönig.

Interessant ist jetzt nicht nur die Gralslegende an sich, sondern der Zeitpunkt ihrer Entstehung. Erst einige Jahre nach der Gründung der Templer und nach ihren Ausgrabungen auf dem Jerusalemer Tempelberg wurde die Geschichte populär und die reisenden Troubadoure sorgten für ihre Verbreitung. Sie bauten die Mundpropaganda vom geheimnisvollen Templerfund auf dem Tempelberg in ihre Geschichte ein.

Der Mythos vom Gral, dem allerheiligsten Relikt der Christenheit, hat sich bis in unsere Zeit erhalten, aber immer noch wird daran herum gerätselt, was er in Wirklichkeit sei. In den Jahrhunderten wurden die Meinungen über sein Geheimnis derart vielfältig, kaum noch überschaubar. Man interpretierte in ihn das Vollkommene, das Ideale, eine Utopie, die jeder Mensch zu erlangen trachtete. Mir sind allein acht verschiedene Versionen bekannt.

1. Die vorherrschende Meinung sieht wohl den hl Gral als den wundersamen Kelch
des letzten Abendmahles. Josef von Aritmathea soll darin noch Jesu letzten
Blutstropfen am Kreuz aufgefangen haben, ihn dann auf seine Reise nach Europa
mitgenommen und dort versteckt haben.

2. Einer anderen Meinung nach ist der Hl Gral die wundersame Lanze mit der ein
römischer Soldat Jesu Seite am Kreuz öffnete.

3. Weiter geht es mit der Manna-Maschine als hl Gral mit der 600 israelische
Familien über 40 Jahre beim Durchzug durch die Wüste Sinai ernährt wurden.

4. Andere tippen auf den Kasten der Bundeslade, doch diese wurde bereits unter
der Regierungszeit von König Salomo (961 - 926 v Chr ) nach Äthiopien gebracht.

5. Auch könnte der hl Gral Jesu Bruder Jakobus sein, wie der mysteriöse Pfarrer
Sauniére in seiner Kirche mit den beiden Söhnen Marias andeutet.

6. Der Magdala-Turm bei der Pfarrkirche von Rennes-le-Chateau deutet auf Maria
Magdalena als Jesu Frau hin.

7. Der in Frankreich existierende Sions-Orden, die Prieuré de Sion, will das "sang-
real", die königliche Blutlinie Jesu und seiner Nachkommen über die
Merowinger-Könige bis auf den heutigen Tag hüten.

8. Eingefleischte Esoteriker haben aber über den hl Gral eine eigene Meinung.
Abgeleitet vom sogenannten "lapsis exilis" des Wolfram von Eschenbach
betrachten sie den hl Gral als einen Edelstein aus Luzifers Krone, den der
Lichtbringer damals bei seinem Sturz vom Himmel aus seiner Krone verlor und
der noch einen Großteil seines Wissens beinhaltet.