Engelhilfe
Verfasst: Fr 28. Jan 2011, 18:54
"Im Laufe meiner Arbeit als Krankenschwester kamen in meinen Gesichtskreis verschiedene Personen, denen der Dienst der Engel die Last eines großen Unglücks mächtig erleichterte und Friede und Hoffnung an die Stelle von Elend und Verzweiflung treten ließ. Vielleicht die auffallendste dieser glücklichen Wandlungen ging in einem verkrüppelten Mädchen von sechzehn Jahren vor sich, das praktisch ohne Beine geboren war. Sie hatte mehrere Geschwister, doch nur sie war verunstaltet. Wegen ihrer Verunstaltung schienen die Eltern sich ihrer zu schämen und zeigten ihr wenig Zuneigung. Sie kam niemals aus dem Haus, und ihre Nachbarn wurden soweit als möglich von ihrem Dasein in Unkenntnis gehalten. Sie hatte sogar niemals Lesen und Schreiben gelernt und keinerlei religiöse Unterweisung empfangen.
Ich hätte sie niemals kennengelernt, wenn in der Familie nicht eine schwere Krankheit aufgetreten wäre, wegen der ich gerufen wurde und mich für sechs Monate in dem Hause aufhielt. Mich rührten ihre klägliche Miene und ihre großen, wehmütigen Augen. Zunächst wich sie vor mir zurück, wie sie es vor allen Fremden tat, weil die Mißachtung, mit der man sie behandelte, sie glauben gemacht hatte, daß ihre Verunstaltung in allen, die sie sahen, Gefühle der Ablehnung hervorrufen mußte. Das vermehrte natürlich nur mein Mitleid mit ihr, und ich machte mich daran, die Schranken ihrer Empfindsamkeit und Furchtsamkeit niederzulegen. Damit hatte ich bald Erfolg, denn ihr verschmachtendes Herz hungerte nach Zuwendung.
Als ich bis zu einem gewissen Grade ihr Vertrauen und ihre Liebe gewonnen hatte, erzählte ich ihr etwas von Gottes Liebe und der Geschichte des Erlösers und seiner Arbeit auf Erden. Sie hörte mir eifrig zu. Genau wie eine Pflanze, die in ausgedörrtem Boden geschrumpft und erschlafft ist, sich kräftigt und neues Leben gewinnt, wenn der Regen auf sie niederfällt, so erwachte auch ihre Seele, die, wie mir schien, so lange in der Finsternis geistiger Unwissenheit herumgetappt war, und gedieh, als sie in den Sonnenschein göttlicher Liebe gebracht wurde.
'Erzähl' mir mehr! Erzähl' mir mehr davon!' rief sie häufig aus, wobei ihre großen Augen von freudiger Erwartung aufleuchteten, als ich ihr vom Dienst der Engel erzählte und ihr sagte, daß auch sie eines Tages wie einer von ihnen sein würde.
'Und werde ich imstande sein, wie andere Leute zu laufen?' fragte sie mich. 'Ja', antwortete ich, 'wenn du zu ihrer Welt kommst, wirst du einen schönen Geistleib bekommen, der in jeder Hinsicht vollkommen ist und von allem Schmerz und aller Müdigkeit befreit sein.'
'Oh', rief sie, 'ich wünsche mir, daß ich die strahlenden Engel auch sehen könnte. Ich würde mich dann nicht so allein fühlen.' Ich sagte ihr, es könnte sein, daß sie die Engel eines Tages sähe; daß sie sogar imstande wäre, sie auch zu hören; wenn aber nicht, dann würde sie imstande sein zu fühlen, daß sie um sie wären. Sie war auch eine, die seltene verborgene Kräfte besaß; diese brauchten anscheinend nur das Erwachen ihrer Seelennatur, um sich zu entwickeln und ihr die Wirklichkeit des Dienstes der Engel zu enthüllen.
Ich war einen ganzen Monat nicht in dem Haus gewesen, da sagte sie mir, daß sie die 'strahlenden Engel' im Traum gesehen hätte. Für mehrere Nächte danach träumte sie von ihnen und pflegte ihrem Schlummer mit Freude entgegenzusehen wegen des Trostes, den diese Träume ihr brachten. Und eines Morgens, als ich in ihr Zimmer kam, um zu fragen, wie sie geschlafen hätte, saß sie in ihrem Bett aufrecht, wobei ihre Augen vor Vergnügen flatterten, und klatschte in die Hände. 'Was glaubst du? Was glaubst du?' rief sie frohlockend aus, 'ich habe einen von den strahlenden Engeln gesehen!'
'Im Traum?' fragte ich. 'Nein, es war kein Traum; es war Wirklichkeit', antwortete sie. 'Der Engel stand an meinem Bett, da, wo du stehst, und sprach mit mir.' 'Und worüber sprach der Engel mit dir?'
'Er sprach mit mir über Gottes Liebe, wie du, und ließ mich fühlen, daß Gott mich wirklich liebt. Und er sagte mir, daß auch ich eines Tages ein strahlender Engel und imstande sein würde umherzugehen, genau wie sie. Oh, ich bin so glücklich, weil ich weiß, daß alles wirklich, wirklich wahr ist.'
Sie klatschte in die Hände, und auch ich klatschte in die Hände, und ein Dankgebet stieg von meinem Herzen auf, daß ihr die Gesellschaft der Engel vergönnt war; denn ich wußte, daß sie ihr größeren Trost und Frieden bringen würden, als es jegliche irdischen Freunde könnten.
Danach verging kaum ein Tag, solange ich bei der Familie blieb, ohne daß sie mir erzählte, daß sie einen Engel gesehen und mit ihm gesprochen hätte.
Ich lehrte sie Lesen und Schreiben. Sie lernte schnell, denn sie hatte von Natur eine rasche Auffassungsgabe und dürstete nach Kenntnissen. Sie gewann großes Vergnügen am Lesen der Bibel und sagte mir, daß die Engel mit ihr über das zu sprechen pflegten, was sie da gelesen hatte, und ihr Dinge erklärten und bewirkten, daß sie sich sehr glücklich fühlte. Sowohl bei Tage als auch bei Nacht erlebte sie von Zeit zu Zeit diesen schönen Dienst der Engel. Und oft hörte sie auch, wie sie mir sagte, schöne Musik, die, wie ich nicht zweifelte, die gleiche war, die ich hörte.
Diese Offenbarungen bewirkten eine große Änderung bei ihr. Die Niedergeschlagenheit, die ihr zur Gewohnheit geworden war, machte einer ruhigen Freude Platz, die etwas Ansteckendes hatte, so daß ihre Eltern, die sich zuvor von ihr ferngehalten hatten, sie zunehmend liebten und an ihrer Gesellschaft Gefallen fanden. Sie waren aber auf keinen Fall spirituell gesinnte Leute. An den Dienst der Engel konnten sie nicht glauben. Sie waren sicher, daß das Mädchen sich bloß einbildete, sie zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Aber da es sie glücklich machte, schlossen sie, wäre es gut, sie die 'Täuschung' kultivieren zu lassen, wie sie es nannten.
Ihr Vater und ihre Mutter hatten eines Tages gerade über diese Angelegenheit mit mir gesprochen und die Meinung ausgedrückt, daß es 'dem gesunden Menschenverstand' widerspräche und natürlich alles 'Unsinn' wäre, als irgend etwas uns zusammen zum Zimmer des Mädchens gehen ließ. Da sah ich einen strahlenden Engel, der sich über sie beugte. Weil die Zeit kurz bevorstand, da ich sie verlassen mußte, und ich wünschte, sie gegen den Skeptizismus ihrer Familie zu wappnen und, wenn möglich, die Beharrung der Eltern in ihrer Blindheit und Unwissenheit ein wenig zu erschüttern, gab ich bekannt, daß ich den Engel sehen könnte und beschrieb seine Erscheinung.
'Oh, ich bin so froh, daß du den strahlenden Engel genau so siehst wie ich', rief die Tochter aus, 'denn jetzt wissen Vater und Mutter, daß es nicht bloß meine Einbildung ist.'
Ich war sehr traurig, als ich das Mädchen verließ, denn sie hatte sich zu einem süßen und liebenswerten Wesen entwickelt. Als ich ihr Lebewohl sagte, weinte sie und sagte, sie würde mich sehr vermissen.
'Aber du wirst dich niemals wieder so allein fühlen wie früher', sagte ich, 'du wirst allezeit die Engel haben, um dich zu trösten.' 'Ja, das weiß ich', antwortete sie strahlend. 'Sie haben mir versprochen, sie werden mich nie mehr verlassen, solange ich lebe; und wenn ich gestorben bin, werde ich immer bei ihnen sein.'"
<<<<<<<<<Ein Beispiel von beeindruckender Engelhilfe berichtet Joy Snell (27, S. 27):
Viele Grüsse.
Anahita
Ich hätte sie niemals kennengelernt, wenn in der Familie nicht eine schwere Krankheit aufgetreten wäre, wegen der ich gerufen wurde und mich für sechs Monate in dem Hause aufhielt. Mich rührten ihre klägliche Miene und ihre großen, wehmütigen Augen. Zunächst wich sie vor mir zurück, wie sie es vor allen Fremden tat, weil die Mißachtung, mit der man sie behandelte, sie glauben gemacht hatte, daß ihre Verunstaltung in allen, die sie sahen, Gefühle der Ablehnung hervorrufen mußte. Das vermehrte natürlich nur mein Mitleid mit ihr, und ich machte mich daran, die Schranken ihrer Empfindsamkeit und Furchtsamkeit niederzulegen. Damit hatte ich bald Erfolg, denn ihr verschmachtendes Herz hungerte nach Zuwendung.
Als ich bis zu einem gewissen Grade ihr Vertrauen und ihre Liebe gewonnen hatte, erzählte ich ihr etwas von Gottes Liebe und der Geschichte des Erlösers und seiner Arbeit auf Erden. Sie hörte mir eifrig zu. Genau wie eine Pflanze, die in ausgedörrtem Boden geschrumpft und erschlafft ist, sich kräftigt und neues Leben gewinnt, wenn der Regen auf sie niederfällt, so erwachte auch ihre Seele, die, wie mir schien, so lange in der Finsternis geistiger Unwissenheit herumgetappt war, und gedieh, als sie in den Sonnenschein göttlicher Liebe gebracht wurde.
'Erzähl' mir mehr! Erzähl' mir mehr davon!' rief sie häufig aus, wobei ihre großen Augen von freudiger Erwartung aufleuchteten, als ich ihr vom Dienst der Engel erzählte und ihr sagte, daß auch sie eines Tages wie einer von ihnen sein würde.
'Und werde ich imstande sein, wie andere Leute zu laufen?' fragte sie mich. 'Ja', antwortete ich, 'wenn du zu ihrer Welt kommst, wirst du einen schönen Geistleib bekommen, der in jeder Hinsicht vollkommen ist und von allem Schmerz und aller Müdigkeit befreit sein.'
'Oh', rief sie, 'ich wünsche mir, daß ich die strahlenden Engel auch sehen könnte. Ich würde mich dann nicht so allein fühlen.' Ich sagte ihr, es könnte sein, daß sie die Engel eines Tages sähe; daß sie sogar imstande wäre, sie auch zu hören; wenn aber nicht, dann würde sie imstande sein zu fühlen, daß sie um sie wären. Sie war auch eine, die seltene verborgene Kräfte besaß; diese brauchten anscheinend nur das Erwachen ihrer Seelennatur, um sich zu entwickeln und ihr die Wirklichkeit des Dienstes der Engel zu enthüllen.
Ich war einen ganzen Monat nicht in dem Haus gewesen, da sagte sie mir, daß sie die 'strahlenden Engel' im Traum gesehen hätte. Für mehrere Nächte danach träumte sie von ihnen und pflegte ihrem Schlummer mit Freude entgegenzusehen wegen des Trostes, den diese Träume ihr brachten. Und eines Morgens, als ich in ihr Zimmer kam, um zu fragen, wie sie geschlafen hätte, saß sie in ihrem Bett aufrecht, wobei ihre Augen vor Vergnügen flatterten, und klatschte in die Hände. 'Was glaubst du? Was glaubst du?' rief sie frohlockend aus, 'ich habe einen von den strahlenden Engeln gesehen!'
'Im Traum?' fragte ich. 'Nein, es war kein Traum; es war Wirklichkeit', antwortete sie. 'Der Engel stand an meinem Bett, da, wo du stehst, und sprach mit mir.' 'Und worüber sprach der Engel mit dir?'
'Er sprach mit mir über Gottes Liebe, wie du, und ließ mich fühlen, daß Gott mich wirklich liebt. Und er sagte mir, daß auch ich eines Tages ein strahlender Engel und imstande sein würde umherzugehen, genau wie sie. Oh, ich bin so glücklich, weil ich weiß, daß alles wirklich, wirklich wahr ist.'
Sie klatschte in die Hände, und auch ich klatschte in die Hände, und ein Dankgebet stieg von meinem Herzen auf, daß ihr die Gesellschaft der Engel vergönnt war; denn ich wußte, daß sie ihr größeren Trost und Frieden bringen würden, als es jegliche irdischen Freunde könnten.
Danach verging kaum ein Tag, solange ich bei der Familie blieb, ohne daß sie mir erzählte, daß sie einen Engel gesehen und mit ihm gesprochen hätte.
Ich lehrte sie Lesen und Schreiben. Sie lernte schnell, denn sie hatte von Natur eine rasche Auffassungsgabe und dürstete nach Kenntnissen. Sie gewann großes Vergnügen am Lesen der Bibel und sagte mir, daß die Engel mit ihr über das zu sprechen pflegten, was sie da gelesen hatte, und ihr Dinge erklärten und bewirkten, daß sie sich sehr glücklich fühlte. Sowohl bei Tage als auch bei Nacht erlebte sie von Zeit zu Zeit diesen schönen Dienst der Engel. Und oft hörte sie auch, wie sie mir sagte, schöne Musik, die, wie ich nicht zweifelte, die gleiche war, die ich hörte.
Diese Offenbarungen bewirkten eine große Änderung bei ihr. Die Niedergeschlagenheit, die ihr zur Gewohnheit geworden war, machte einer ruhigen Freude Platz, die etwas Ansteckendes hatte, so daß ihre Eltern, die sich zuvor von ihr ferngehalten hatten, sie zunehmend liebten und an ihrer Gesellschaft Gefallen fanden. Sie waren aber auf keinen Fall spirituell gesinnte Leute. An den Dienst der Engel konnten sie nicht glauben. Sie waren sicher, daß das Mädchen sich bloß einbildete, sie zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Aber da es sie glücklich machte, schlossen sie, wäre es gut, sie die 'Täuschung' kultivieren zu lassen, wie sie es nannten.
Ihr Vater und ihre Mutter hatten eines Tages gerade über diese Angelegenheit mit mir gesprochen und die Meinung ausgedrückt, daß es 'dem gesunden Menschenverstand' widerspräche und natürlich alles 'Unsinn' wäre, als irgend etwas uns zusammen zum Zimmer des Mädchens gehen ließ. Da sah ich einen strahlenden Engel, der sich über sie beugte. Weil die Zeit kurz bevorstand, da ich sie verlassen mußte, und ich wünschte, sie gegen den Skeptizismus ihrer Familie zu wappnen und, wenn möglich, die Beharrung der Eltern in ihrer Blindheit und Unwissenheit ein wenig zu erschüttern, gab ich bekannt, daß ich den Engel sehen könnte und beschrieb seine Erscheinung.
'Oh, ich bin so froh, daß du den strahlenden Engel genau so siehst wie ich', rief die Tochter aus, 'denn jetzt wissen Vater und Mutter, daß es nicht bloß meine Einbildung ist.'
Ich war sehr traurig, als ich das Mädchen verließ, denn sie hatte sich zu einem süßen und liebenswerten Wesen entwickelt. Als ich ihr Lebewohl sagte, weinte sie und sagte, sie würde mich sehr vermissen.
'Aber du wirst dich niemals wieder so allein fühlen wie früher', sagte ich, 'du wirst allezeit die Engel haben, um dich zu trösten.' 'Ja, das weiß ich', antwortete sie strahlend. 'Sie haben mir versprochen, sie werden mich nie mehr verlassen, solange ich lebe; und wenn ich gestorben bin, werde ich immer bei ihnen sein.'"
<<<<<<<<<Ein Beispiel von beeindruckender Engelhilfe berichtet Joy Snell (27, S. 27):
Viele Grüsse.
Anahita