Berlusconi kommt wegen Sexaffäre vor Gericht
Verfasst: Di 15. Feb 2011, 22:24
Berlusconi kommt wegen Sexaffäre vor Gericht
aus FTD-Financel Times Deutschland, 15.02.2011
Seine zahlreichen Skandale werden dem italienschen Regierungschef zum Verhängnis. Mailänder Richter haben ein Prozess wegen Amtsmissbrauch und Umgang mit minderjährigen Prostituierten gegen ihn zugelassen.
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi muss sich wegen der Sexaffäre um eine junge Marokkanerin in einem Schnellverfahren vor Gericht verantworten. Das entschied dieErmittlungsrichterin Cristina Di Censo am Dienstag in Mailand. Der Prozess soll am 6. April beginnen.
Fast 700 Seiten ist das Beweismaterial lang, das die Mailänder Staatsanwaltschaft gegen den 74-Jährigen Regierungschef in der Sexaffäre um die junge Marokkanerin Karima El Marough gesammelt hat. Die Prostituierte wurde unter dem Spitznamen "Ruby" bekannt. Es geht um Amtsmissbrauch und Umgang mit minderjährigen Prostituierten. Zu den Ermittlern, die kurzen Prozess für Berlusconi verlangen, gehören unter anderem die Staatsanwältin Ilda Boccassini und Oberstaatsanwalt Edmondo Bruti Liberati. Die Ermittler hatten am 9. Februar ein Schnellverfahrenverfahren gegen Berlusconi beantragt. Amtsmissbrauch wird mit bis zu zwölf Jahren Gefängnis bestraft, Prostitution mit Minderjährigen mit höchstens drei Jahren.
Mit der Zulassung des Verfahrens gegen den Regierungschef, bekommen Berlusconis Eskapaden auch politisch eine neue Dimension. Gegen den Regierungschef und seine Firma Mediaset laufen zurzeit noch drei andere Verfahren, unter anderem wegen Bestechung, Steuerbetrug und Untreue. Auch wurde ihm vorgeworfen, mehrere Scheinfirmen zu betreiben. Die meisten dieser Verfahren hängen jedoch zurzeit in der ersten Instanz fest, eine rechtskräftige Verurteilung gab es bislang nicht. Allerdings hatten Richter Berlusconi bereits Mitte Januar 2011 seine De-facto-Immunität aberkannt, auf die er sich bis dahin häufig berufen hatte.
Die Party, an der "Ruby" zusammen mit Berlusconi teilgenommen hatte, war vor allem wegen eines angeblichen Fruchtbarkeitstanzes unter dem Namen "Bunga-Bunga" bekannt geworden, den der Regierungschef und weitere Gäste dort aufgeführt haben sollen.
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"Eine Person, die das italienische Volk belügt"
Berlusconi soll die damals 17-Jährige im vergangenen Jahr höchstpersönlich vor dem Gefängnis bewahrt und dabei auch gesagt haben, es handele sich bei der Go-Go-Tänzerin um eine Nichte des ägyptischen Staatschefs Hosni Mubarak. Er hatte eingeräumt, in einer Nacht im Mai 2010 bei einem hochrangigen Beamten der Mailänder Polizei angerufen zu haben, damit sie aus dem Polizeigewahrsam freikommen konnte. Sie war wegen mutmaßlichen Diebstahls festgenommen worden.
Die inzwischen 18-Jährige teilte mit, dass es zu keinem Zeitpunkt zum sexuellen Kontakt mit Berlusconi gekommen sei. Jedoch habe der 74-jährige Ministerpräsident ihr angesichts ihrer schwierigen familiären Situation 7000 Euro gegeben. Berlusconi hat die Vorwürfe zurückgewiesen und von einem Komplott der Staatsanwaltschaft gesprochen, um ihn aus dem Amt zu drängen. Die Ermittlungen gegen ihn hat er als „ekelhaft und unschicklich“ bezeichnet. Allerdings wächst die Front gegen ihn seit dem letzten Skandal stetig. Der Vatikan kündigte ihm bereits den Rückhalt auf, ebenso wie Italiens Hauptgeschäftslobby Confindustria.
Die ermittelnde Staatsanwältin Boccassini strengt seit Jahren immer wieder Prozesse gegen Berlusconi an. "Das ist eine Person, die das italienische Volk belügt", sagte die medienscheue Ermittlerin in einem der ersten Verfahren.
Das gerichtliche Nachspiel hat auch die Mediaset-Aktien am Dienstag nicht unberührt gelassen. Die Papiere der von Berlusconis Familie beherrschten Mediengruppe weiteten ihre Verluste in der Spitze bis auf 2,1 Prozent auf 4,75 Euro aus und waren damit größter Verlierer im italienischen Leitindex. Die Aktien von Telecinco, deren größter Anteilseigner Mediaset ist, gaben ebenfalls 2,1 Prozent nach
aus FTD-Financel Times Deutschland, 15.02.2011
Seine zahlreichen Skandale werden dem italienschen Regierungschef zum Verhängnis. Mailänder Richter haben ein Prozess wegen Amtsmissbrauch und Umgang mit minderjährigen Prostituierten gegen ihn zugelassen.
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi muss sich wegen der Sexaffäre um eine junge Marokkanerin in einem Schnellverfahren vor Gericht verantworten. Das entschied dieErmittlungsrichterin Cristina Di Censo am Dienstag in Mailand. Der Prozess soll am 6. April beginnen.
Fast 700 Seiten ist das Beweismaterial lang, das die Mailänder Staatsanwaltschaft gegen den 74-Jährigen Regierungschef in der Sexaffäre um die junge Marokkanerin Karima El Marough gesammelt hat. Die Prostituierte wurde unter dem Spitznamen "Ruby" bekannt. Es geht um Amtsmissbrauch und Umgang mit minderjährigen Prostituierten. Zu den Ermittlern, die kurzen Prozess für Berlusconi verlangen, gehören unter anderem die Staatsanwältin Ilda Boccassini und Oberstaatsanwalt Edmondo Bruti Liberati. Die Ermittler hatten am 9. Februar ein Schnellverfahrenverfahren gegen Berlusconi beantragt. Amtsmissbrauch wird mit bis zu zwölf Jahren Gefängnis bestraft, Prostitution mit Minderjährigen mit höchstens drei Jahren.
Mit der Zulassung des Verfahrens gegen den Regierungschef, bekommen Berlusconis Eskapaden auch politisch eine neue Dimension. Gegen den Regierungschef und seine Firma Mediaset laufen zurzeit noch drei andere Verfahren, unter anderem wegen Bestechung, Steuerbetrug und Untreue. Auch wurde ihm vorgeworfen, mehrere Scheinfirmen zu betreiben. Die meisten dieser Verfahren hängen jedoch zurzeit in der ersten Instanz fest, eine rechtskräftige Verurteilung gab es bislang nicht. Allerdings hatten Richter Berlusconi bereits Mitte Januar 2011 seine De-facto-Immunität aberkannt, auf die er sich bis dahin häufig berufen hatte.
Die Party, an der "Ruby" zusammen mit Berlusconi teilgenommen hatte, war vor allem wegen eines angeblichen Fruchtbarkeitstanzes unter dem Namen "Bunga-Bunga" bekannt geworden, den der Regierungschef und weitere Gäste dort aufgeführt haben sollen.
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"Eine Person, die das italienische Volk belügt"
Berlusconi soll die damals 17-Jährige im vergangenen Jahr höchstpersönlich vor dem Gefängnis bewahrt und dabei auch gesagt haben, es handele sich bei der Go-Go-Tänzerin um eine Nichte des ägyptischen Staatschefs Hosni Mubarak. Er hatte eingeräumt, in einer Nacht im Mai 2010 bei einem hochrangigen Beamten der Mailänder Polizei angerufen zu haben, damit sie aus dem Polizeigewahrsam freikommen konnte. Sie war wegen mutmaßlichen Diebstahls festgenommen worden.
Die inzwischen 18-Jährige teilte mit, dass es zu keinem Zeitpunkt zum sexuellen Kontakt mit Berlusconi gekommen sei. Jedoch habe der 74-jährige Ministerpräsident ihr angesichts ihrer schwierigen familiären Situation 7000 Euro gegeben. Berlusconi hat die Vorwürfe zurückgewiesen und von einem Komplott der Staatsanwaltschaft gesprochen, um ihn aus dem Amt zu drängen. Die Ermittlungen gegen ihn hat er als „ekelhaft und unschicklich“ bezeichnet. Allerdings wächst die Front gegen ihn seit dem letzten Skandal stetig. Der Vatikan kündigte ihm bereits den Rückhalt auf, ebenso wie Italiens Hauptgeschäftslobby Confindustria.
Die ermittelnde Staatsanwältin Boccassini strengt seit Jahren immer wieder Prozesse gegen Berlusconi an. "Das ist eine Person, die das italienische Volk belügt", sagte die medienscheue Ermittlerin in einem der ersten Verfahren.
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