Eine leider alltägliche Geschichte.

Bedeutende verstorbene Menschen
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Marleen
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Eine leider alltägliche Geschichte.

Beitrag von Marleen » So 12. Dez 2010, 10:08

Es ist Abend, und der Regen prasselt unaufhaltsam an die Fensterscheiben. Eigentlich müsste Julia schon lange zu Hause sein, sie hatte doch versprochen heute pünktlich zu sein. Sie war schon lange nicht mehr zu Hause, seit sie den Führerschein bestanden hatte. Bei der Mutter macht sich so langsam Unbehagen breit, zumal sie doch heute extra Julias Lieblingsessen gekocht hat. Es war eigentlich so gar nicht Julias Art zu spät nach Hause zu kommen, sie war stets verlässlich. Sollte ich einmal versuchen sie über Handy zu erreichen, fragt sich die besorgte Mutter? Nein lieber nicht, kommt ihr da der Gedanke, sie ist bestimmt gleich da und im Auto ist das Telefonieren gefährlich. Besorgt schaut die Mutter aus dem Fenster, es regnet immer noch und Julia ist immer noch nicht da. Ihr wird doch hoffentlich nichts passiert sein? Sie ist eigentlich immer so vorsichtig und fährt bestimmt etwas langsamer, weil der Regen immer noch aus Kübeln vom Himmel hernieder fällt.

Marleen
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Re: Eine leider alltägliche Geschichte.

Beitrag von Marleen » So 12. Dez 2010, 10:09

Plötzlich...., klingelt die Türklingel, das wird bestimmt Julia sein, Gott sei Dank, dass sie da ist. Die Mutter öffnet die Türe und zwei Polizisten stehen mit versteinerten Gesichtern in der Tür. Guten Abend Frau Müller, wir haben ihnen eine Mitteilung zu machen, dürfen wir eintreten? In diesem Moment zuckten alle Nerven im Körper der Mutter auf einmal zusammen JULIA!!! Was ist passiert? Die Beamten zögern noch einen Moment und dann die schreckliche Nachricht. Julia, hatte einen Verkehrsunfall und wurde mit dem Hubschrauber in die Uniklinik geflogen. Ein Betrunkener Autofahrer hatte eine rote Ampel übersehen und ist Julia direkt ins Auto gefahren.

Marleen
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Re: Eine leider alltägliche Geschichte.

Beitrag von Marleen » So 12. Dez 2010, 10:09

Der Mutter schießen tausend Gedanken durch den Kopf, nein mein Kind, dass darf nicht wahr sein, lieber Gott lass es nicht wahr sein! Julia muss leben, sie ist doch unser einziges Kind.

Zu den Verletzungen können die Beamten vor Ort leider nichts Genaueres sagen, nur, dass sie innere Verletzungen haben soll, war die erste zu übermittelnde Diagnose des Notarztes.

Natürlich fahren wir sie sofort in die Uniklinik zu ihrer Tochter, boten die Polizisten an, mit der Frage, ob noch jemand zu benachrichtigen sei. Natürlich schoss es der Mutter durch den Kopf, Vater muss benachrichtigt werden.

Die Fahrt im Polizeiwagen zur Uniklinik wurde zu einem Alptraum, dabei waren es doch nur knapp 25 km bis zum Ziel. Der Vater wurde noch kurzfristig von der Arbeit abgeholt und saß mit Arbeitskleidung neben seiner Frau. Sie hielten sich die Hände und beten zu Gott, so wie sie es noch nie vorher in ihrem Leben getan hatten.

Marleen
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Re: Eine leider alltägliche Geschichte.

Beitrag von Marleen » So 12. Dez 2010, 10:10

Endlich, das Ziel ist erreicht, die Uniklinik strahlt mit tausenden Lichtern aus den Krankenzimmern und es regnet noch immer unaufhörlich. An der Information werden die Eltern sofort zur Intensivstation verwiesen, wo ihre Tochter gerade behandelt wird. Auf dem Weg im Aufzug zur Intensivstation im obersten Stock, laufen der Mutter noch einmal alle Bilder der letzten Stunde durch den Kopf, das alles darf doch nicht wahr sein. Der Aufzug hat sein Ziel erreicht und im gleichen Moment kommen auch schon Intensivschwestern, die das Elternpaar in Empfang nehmen, mit der dringenden Zusage, dass der Arzt sofort kommen würde. Die Bitte sich noch etwas zu gedulden und sich dort hinzusetzen, klingt wie eine Strafe. Man will doch endlich wissen wie es Julia geht.

Marleen
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Re: Eine leider alltägliche Geschichte.

Beitrag von Marleen » So 12. Dez 2010, 10:11

Nach unendlich langen Minuten kommen zwei Ärzte mit besorgten Mienen aus dem OP und erklären den Eltern, dass Julia sehr schwere innere Verletzungen hat und Lebensgefahr bestehen würde. Die Mutter bricht in Tränen aus, wobei ihr Mann sie nur mühsam stützen und beruhigen kann. Die Ärzte tun alles was in ihrer Macht steht, denn die Uniklinik ist schließlich ein gutes Krankenhaus, wo alles nur erdenklich Mögliche für Julia getan wird, beschwört sie ihr Mann.

Jetzt heißt es warten, warten und wiederum warten. Die Ärzte meinten, dass die Eltern doch nach Hause fahren sollten, weil sie hier im OP Gang sowieso nichts tun könnten. Sie würden sofort informiert, wenn eine Änderung eintreten würde. Nein, das wollten sie auf keinen Fall tun, nein wir bleiben bei unserer Tochter, sie ist doch unser einziges Kind, stammelte die Mutter zum wiederholten Male.

Dann das Unfassbare, der Professor persönlich kommt auf die Eltern zu und muss ihnen die schreckliche Nachricht mitteilen "JULIA HAT ES NICHT GESCHAFFT"!! Die Verletzungen waren zu groß, dass sie noch eine Chance gehabt hätte zu überleben. Julia starb um 0.10h an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

Drei Tage später wurde Julia unter großer Anteilnahme der Familie, sowie vieler Freunde zu Grabe getragen.

Das was die Eltern in diesem Moment empfinden kann ich nur annähernd erahnen, nein ich glaube sogar, dass dies kein Mensch kann. Der Schmerz ist riesengroß und unbeschreiblich.

Marleen
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Re: Eine leider alltägliche Geschichte.

Beitrag von Marleen » So 12. Dez 2010, 10:12

Dies ist eine frei erfundene Geschichte, doch mit einem so realen Hintergrund wie es leider tausend Mal im Jahr geschieht. Der Tod bricht plötzlich durch einen Unfall, oder durch eine schwere Krankheit, oder aber auch durch Selbsttötung in eine Familie herein, dass Schock und Trauer übermächtig sind. Warum, warum gerade sie, sie war doch noch so jung. Das sind oft die hilflosen Rufe nach der Gerechtigkeit Gottes, die einem dann so weit entfernt scheint. Trauer, Tränen, Wut und Verzweiflung gehen Hand in Hand mit den Trauernden überein, so dass ein tiefes Mitgefühl für die Betroffenen nur ein kleiner Trost sein kann. Die Suche nach dem "WARUM" steht im Vordergrund und die so erhoffte Antwort darauf bleibt oft aus. Wer sich im Internet umsieht, kann zu Dutzenden Webseiten finden, wo Familienangehörige um ihre verstorbenen Kinder trauern die auf verschiedenste Art und Weise unsere Welt verlassen haben. Die dort zu findende Trauer ist übermächtig und durch eine Homepage soll der Verstorbene noch lange in der Erinnerung der Familie und Freunden bleiben, denn es ist immer so schwer zu verstehen, dass nur die Liebsten gehen. Hier beginnt dann aber auch der Prozess des "Gehen Lassens" der nur zu oft für viele Zurückgebliebene ein schmaler Grad ist.

Marleen
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Re: Eine leider alltägliche Geschichte.

Beitrag von Marleen » So 12. Dez 2010, 10:16

Wie soll das Leben ohne die geliebte Frau, Mann oder das geliebte Kind aussehen? Wer ersetzt mir den geliebten Freund, mit dem ich doch noch so viel des gemeinsamen Lebensweges beschreiten wollte? Fragen über Fragen und wer weiß die Antwort? Meistens ist man mit seiner Trauer alleine, trotz der vielen Beschwörungen der Angehörigen jederzeit für die Hinterbliebenen da zu sein. Nein, sehr oft ist es doch so, dass nach dem Kaffee, das Leben weitergeht und der Verstorbene für viele bald vergessen sein wird. Aber was machen die engsten Familienangehörigen? Der Verlust ist schmerzhaft und jeder neue Tag zeigt dies in grausamster Weise wieder auf, wenn alltägliche Situationen aufzeigen wo der geliebte Verstorbene fehlt. Die Trauer steht dem Angehörigen zur Seite um die Erfahrung der Trennung und des Abschied Nehmens zu verarbeiten.

Die Homepage "Trauernde Geschwister" spiegelt einfühlsam die Trauer und Machtlosigkeit wieder, die Menschen nach einem Verlust eines Kindes erfahren müssen. Unter Schicksale stehen eindrucksvolle Homepages zur Verfügung!

http://www.trauernde-geschwister.com/navi.htm

Ein Licht für alle, die uns vorausgegangen sind!
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