Hallo Norbert51,
das war eine halbwegs anständige Antwort: Du hast keine Erklärung für die negativen Seiten und hältst Dich an Vorstellungen wie z. B. den Weinstock und die Reben, der Dir ein schönes Bild suggeriert. Du zeigst das Bild, die Verbindung mit einem Stamm, dessen Früchte Du tragen willst und beschreibst die Beziehung so:
Ich richte mein Augenmerk lieber auf andere Aussagen Jesu:
"Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben und mein Vater ist der Weingärtner, der die Reben reinigt, damit sie noch mehr Frucht bringen"
Diese Worte suggerieren Dir unsere Kultur und alles was Du je gelernt hast. Dann investierst Du noch etwas Gefühl und findest alles wunderbar. Der „Vater“, wie Du es meinst, ist der Weinstock, an dem wir alle hängen. Die gleiche Zeile gibt mir / vom Text her und durch eine ganz andere Ausbildung/ aber einen ganz anderen Saft.
Was ist dann an meiner oder an Deiner Idee falsch?
Bei gleichen Worten ist ein gewaltiger Unterschied in der Blickweise.
Jesu Sprache war Aramäisch. Der Text würde Dir nichts sagen. Ich zeige aber den anderen
Wert weiter unten. In Aramäisch oder in anderen Dialekten sind nur Bruchstücke erhalten. Das NT wurde wegen dem Zusammenbruch der jüdischen Gemeinde nach den Kriegen in Griechisch verfasst, der damaligen Amtsprache des Oströmischen Reiches. Die Kunst der Dichtung aber, und damit auch die Begriffe, stammen aus dem viel älteren hebräischen Kulturgut.
Aramäisch und Hebräisch sind ziemlich ähnlich.
Unsere Kultur suggerierte, da war ein Jesus, sein Vater ist Gott:
Johannes 15:1 Ich bin ein rechter Weinstock und mein Vater ein Weingärtner.
Die hebräische Kultur verstand bei -ich, anoci,
leitet mich, nahm statt Vater das
Wollen, weil es gleich gesprochen aba ist. Es ist nicht so, dass man den Weinstock und den Weingärtner nicht versteht, man komm halt nur nicht auf solche Einfälle wie Du sie hast, sondern sieht das Bild ganz anders.
Mich leitet wirklich das hinbiegen meines Wunsches, der mir hoch erscheint.
Hinter diese Kernaussage (
steuern der Wünsche) kommt ein soziales Bild (Vater/Sohn) wo nicht jeder alles tun kann, sondern sich anpassen muss und es kommt ein natürliches Bild mit, das Ranken des Weinstocks, dazu noch ein paar Wortspiele, die noch viel mehr erklären.
Unsere Kultur suggeriert: Der Vater, Gott der Allmächtige, wird als Richter die Allmacht übernehmen, er wird Prüfungen senden und die Menschen läutern. Die müssen allerhand tun, um sich ihm ganz hinzugeben.
Johannes 15:2 Eine jegliche Rebe an mir, die nicht Frucht bringet, wird er wegnehmen, und eine jegliche, die da Frucht bringet, wird er reinigen, daß sie mehr Frucht bringe.
Statt Rebe sieht ein Hebräer verflochten sein und nimmt das auch abstrakt.
Dieses verflochten sein soll man „reinigen“, was Frucht bringt da lassen, und abtrennen was nichts bringt.
„Damit die Kraft im Stamm bleibt und der Saft sich nicht verzettelt“, so versteht jeder Weingärtner das leicht, sieht das sofort auch bildlich vor sich.
Die Vorstellung von einem Vater-Gott geht dagegen recht umständlich mit viel Brei rumschmieren. Der wurde erst später im Laufe der Zeit gekocht und hat die Leute verunsichert. Die brauchen jetzt für das einfache Beispiel unendlich viele Glücksgefühle und Erhabenheitsmeinungen, dass sie sich geschützt beim Vater FÜHLEN, willenlos seinen allmächtigen Bestrebungen ausgeliefert sind, die irgend ein anderer unter Benutzung dieser Macht mit ihnen treibt.
Ich wundere mich aus welchem Stamm Deine angebliche „Erleuchtung“ kommt. Wenn es der richtige Saft gewesen wäre, hätte er Dir nicht suggerieren müssen – hollawind! Ein bisschen unsauber ist das mit dem Weinstock schon. So vorbeiwehen geht grad, aber beim Andocken hätte der richtige Saft kommen müssen. Der Weinstock muss doch auch Wurzeln haben! Bin ich an der Wurzel oder nur ein vorbeigewehtes Blatt?
In Joh. 15 geht es übrigens um die uralte Philosophie des Steuerns von Wünschen.