Die Gottesgemahlinnen des Amun

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Hathor
Silber Engel
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Die Gottesgemahlinnen des Amun

Beitrag von Hathor »

Hallo Freunde!

Eigentlich besteht das altägyptische Götterpantheon ja zumeist aus Paaren. Da gibt es Ptah und seine löwenköpfige Göttin Sechmet, Schu und die Feuchtigkeitsgöttin Tefnut, sowei Geb und die Himmelsgöttin Nut.

Über Osiris mit Isis, und Seth mit Nephthys geht es fort zu Gottvater Amun und seiner Muttergöttin Mut mit der Geierhaube.

In der 17. Dynastie erfahren wir nun erstmalig von einem Gottesweib des Amun mit Namen Imertnebis. Auch die Hatschepsut-Tochter Neferu erhielt den Títel Gottesweib. Sie starb aber bereits in jungen Jahren.

Zu Gottesgemahlinnen ernannt wurden zumeist Pharaonentöchter, die dann unverheiratet bleiben mussten, sie waren ja mit Amun verheiratet. Bei ihrer Ernennung erhielten sie einen Mut-Namen und wurden als Königinnen betrachtet.

Die Idee der Gottesbräute wird ja bis heute in unseren Klöstern weitergeführt. Die Nonnen dort nennen sich Braut Christi, tragen sogar einen Ehering.

So spartanisch wie heute die Bräute Christi in den Klöstern lebten damals bei den Alten Ägyptern die Gottesgemalinnen nicht. Sie wurden meistens schon in jungen Jahren von ihren Vorgängerinnen adoptiert.

Später verwalteten sie den Amun-Tempel und liefen sogar den Hohenpriestern den Rang ab. Jede dieser Gottesgemalinnen hatte ihr Einkommen aus Landbesitz und ihre eigene Dienerschaft.

Hier ist uns sogar der Titel eines "Rinderzählers einer Gottesgemahlin des Amun" bekannt.

Alle Pharaone wurden als Götter verehrt. Von Ramses dem Großen ist bekannt, dass er als Soldat und Heerführer aus einer nichtadeligen Familie stammt.

Er musste deshalt eine Gottesgemahlin des Amun heiraten, damit man ihm den Status eines Gottes zubilligte. Erst jetzt war er gottgleich.

Beim Vertreiben der Hyksos in der 18. Dynastie kam Pharao Sequenre und sein Sohn Kamose ums Leben. Die Gemahlin des gefallenen Pharao Ahhotep I führte die Staatsgeschäfte für ihren minderjährigen Sohn Ahmose

und dieser ließ dann seine Mutter angesichts ihrer Verdienste nach ihrem Tod posthum ganz offiziell zur Gottesgemahlin des Amun ernennen. Und weil es so gut ging, ernannte Ahmose seine Gemahlin Ahmose-Nefertari ebenfalls dann zur Gottesgemahlin.

Nun begann sich die Position einer Gottesgemahlin des Amun bereits fest im religiösen System Oberägyptens zu etablieren. Sie wurden bereits Majestät genannt und begannen, langsam aber sicher den Hohenpriestern den Rang abzulaufen.

Pharao Pianchi erwies sich dabei als Fuchs. 750 v Chr ließ er seine Schwester Amenirdis durch deren Vorgängerin Schepenupet als Gottesgemahlin des Amun adoptieren.

Damit blieb die gesamte Macht in der Familie. Seither wurden die Gottesgemahlinnen immer von ihren Vorgängerinnen adoptiert.

Jetzt hatte sich bereits ein festes Ritual herausgebildet. Die Anwärterinnen mussten unverheiratet sein und erhielten bei Amtsantritt einen Mut-Namen.

Sie wurden abgebildet mit einer Löckchenperücke, 2 Uräus-Schlangen über der Stirn, darüber ein Uräus-Diadem und auf dem Kopf die Hathor-Krone.

Ihr Titel als Gottesgemahlin war "Herrscherin über alles was von der Sonne umkreist wird". Sie wurden auch nicht mehr im Tal der Königinnen begraben, sondern ihre letzte Ruhestätte war eine Grabkapelle in Medinet-Habu.

Die Macht der Gottesgemahlinnen war unter Nitakris 656 v Chr auf dem Höhepunkt angelangt. Sie verdrängte den Amun-Hohepriester und nannte sich "1. Prophetin des Amun von Karnak".

525 v Chr beendete der Einfall der Perser die Sitte der ägyptischen Gottesgemahlinnen des Amun.
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