Kleiner Hüter der Schwelle

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Regina
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Kleiner Hüter der Schwelle

Beitrag von Regina »

An dem kleinen Hüter der Schwelle müssen wir zuerst vorbei, wenn wir den Schleier unseres inneren Seelenlebens durchdringen wollen, um zur unmittelbaren Wahrnehmung der geistigen Welt zu kommen.

"Es gibt nicht nur einen, sondern im wesentlichen zwei, einen «kleineren» und einen «größeren» «Hüter der Schwelle». Dem ersteren begegnet der Mensch dann, wenn sich die Verbindungsfäden zwischen Willen, Denken und Fühlen innerhalb der feineren Leiber (des Astral- und Ätherleibes) so zu lösen beginnen, wie das im vorigen Kapitel gekennzeichnet worden ist. Dem «größeren Hüter der Schwelle» tritt der Mensch gegenüber, wenn sich die Auflösung der Verbindungen auch auf die physischen Teile des Leibes (namentlich zunächst das Gehirn) erstreckt." (Lit.: GA 10, S 193)

Der kleine Hüter ist aus unseren guten und schlechten Taten gewoben und erscheint als zunächst dunkle, düstere Figur, die an den Geistesschüler die Forderung richtet, ihn in eine lichtvolle Gestalt zu verwandeln. Unbewusst begegnen wir ihm jedesmal, wenn wir aus dem Schlaf erwachen. Dann verwehrt er uns den Einblick in die innere Natur unserer unteren Wesensglieder und lenkt unser Bewusstsein auf die sinnliche Außenwelt bzw. auf das Verstandesdenken ab. Er behütet uns so vor dem erschreckenden Anblick unserer niederen, düsteren, drachenhaften Natur. Doch wer sich auf den geistigen Schulungsweg begibt, muss ihm einmal früher oder später bewusst gegenübertreten - und das ist dann ein zwar bildhaftes, aber trotzdem sehr intensives Todeserlebnis. Der kleine Hüter ist tatsächlich der Todesengel, und er fordert uns nun auf, unsere niedere Drachennatur zu überwinden. Damit verwandelt sich das Bild zur Michael-Imagination: Michael in der gold-silbern glänzenden Rüstung wirft mit seinem feurigen Schwert den Drachen nieder. Er steht als großer Hüter der Schwelle vor dem Tor, das in die geistige Außenwelt führt. In diesem Drachen lebt nicht nur unser persönlicher Egoismus, sondern auch all die Einseitigkeiten, die aus der Bindung an ein bestimmtes Volk oder eine bestimmte Rasse resultieren. Je nach Volks- und Rassenzugehörigkeit kann der Hüter zunächst in sehr unterschiedlicher Gestalt erscheinen:
Regina
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Re: Kleiner Hüter der Schwelle

Beitrag von Regina »

"Auch die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle hat Differenzierungen. Natürlich, wenn die Einweihung völlig unabhängig erfolgt von jedem Volkstum, da ist die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle auch allseitig. Wird aber von einseitigen Menschen oder Gesellschaften eine Einweihung besorgt, und geschieht sie volkstümlich, so differenziert sich auch das Erlebnis mit dem Hüter. Es ist der Mensch, welcher der englisch sprechenden Bevölkerung angehört, wenn er nicht von höheren Geistern, die ja führend sind, sondern vom Volksgeist initiiert wird, vorzugsweise dafür veranlagt, zur Schwelle diejenigen geistigen Wesenheiten mit hinzubringen, die uns als ahrimanische Geister fortwährend in der Welt hier umgeben, die uns begleiten, wenn wir zur Schwelle nach der übersinnlichen Welt hingehen, und die wir dann mitnehmen können, wenn sie gewissermaßen eine Neigung für uns entwickeln. Sie führen uns vor allen Dingen zum Anblick der Mächte von Krankheit und Tod. Gehen Sie in die Mittelländer, und wirkt da der Volksgeist mit bei der Initiation, hebt man den zu Initiierenden nicht heraus aus dem Volkstum zum Allmenschlichen, sondern wirkt der Volksgeist mit, so ist das erste, das bedeutendste Ereignis, daß man aufmerksam wird auf jene Kämpfe, welche stattfinden zwischen gewissen Wesenheiten, die nur der geistigen Welt angehören, die jenseits des Stromes stehen, und gewissen Wesenheiten, die hier in der physischen Welt stehen, diesseits des Stromes, aber unsichtbar für das gewöhnliche Bewußtsein. Dieser Kampf auf den man da aufmerksam wird, pulsiert an der Schwelle dadurch herauf, daß man in den Mittelländern, wenn man ein ernster Wahrheitssucher ist, namentlich durchtränkt ist von den Mächten des Zweifels. Man muß da aufmerksam darauf werden, wie dieser Kampf, der an der Schwelle stattfindet zwischen den Geistern, die nur dem Geistesleben, und denen, die nur der sinnlichen Welt angehören, alles das bedingt, was im Innern des Menschen den Zweifel hervorruft, das Schwanken in bezug auf die Wahrheit, die Notwendigkeit, sich zu der Wahrheit erst erziehen zu lassen, nichts auf die anerkannten Impulse der Wahrheit zu geben. Wenn in den Ostländern der Mensch an die Schwelle geführt wird unter Patenschaft des Volksgeistes, dann sieht er vor allen Dingen alle die Geister, welche auf die menschliche Selbstsucht wirken."
Regina
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Re: Kleiner Hüter der Schwelle

Beitrag von Regina »

Die Chaldäer erlebten beim Eintritt in die innere Seelenwelt den kleinen Hüter in Gestalt der Göttin Ischtar, die der Isis verwandt ist. Am anderen Tor, das in die geistige Außenwelt führte, stand Marduk-Michael:

"Ischtar stand an der Schwelle, die sonst dem Menschen verschließt, was hinter dem Seelenleben an Geistigkeit steht. Und auf der anderen Seite, wo man das Tor findet in die geistige Welt durch den Teppich der äußeren Sinnenwelt, da stand der andere Hüter: Merodach oder Marduk. Merodach können wir mit dem Hüter der Schwelle, mit dem Michael vergleichen; Merodach und Ischtar waren es, welche das Innere der Seele hellsehend machten und den Menschen nach den beiden Seiten hin in die geistige Welt einführten. Daher erlebte der Mensch durch diese Begegnung das, was man symbolisch auch heute noch so empfindet: Es wird dem Menschen der leuchtende Kelch gereicht, das heißt der Mensch lernt den allerersten Gebrauch seiner Lotusblumen noch tastend kennen." (Lit.: GA 113, S 171)

Erst durch die Begegenung mit dem kleinen Hüter der Schwelle wird der Mensch zur wahren Selbsterkenntnis geführt und erst dadurch ist eine klare und unverzerrte Sicht auf die geistige Welt möglich:
Regina
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Re: Kleiner Hüter der Schwelle

Beitrag von Regina »

"Wenn der Mensch, ohne die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» zu haben, die geistig-seelische Welt betreten würde, so könnte er Täuschung nach Täuschung verfallen. Denn er könnte nie unterscheiden, was er selbst in diese Welt hineinträgt und was ihr wirklich angehört. Eine regelrechte Schulung darf aber den Geistesschüler nur in das Gebiet der Wahrheit, nicht in dasjenige der Illusion führen. Eine solche Schulung wird durch sich selbst so sein, dass die Begegnung notwendig einmal erfolgen muss. Denn sie ist die eine der für die Beobachtung übersinnlicher Welten unentbehrlichen Vorsichtsmaßregeln gegen die Möglichkeit Von Täuschung und Phantastik. — Es gehört zu den unerlässlichsten Vorkehrungen, welche jeder Geistesschüler treffen muss, sorgfältig an sich zu arbeiten, um nicht zum Phantasten zu werden, zu einem Menschen, der einer möglichen Täuschung, Selbsttäuschung (Suggestion und Selbstsuggestion) verfallen kann. Wo die Anweisungen zur Geistesschulung recht befolgt werden, da werden zugleich die Quellen vernichtet, welche die Täuschung bringen können. Hier kann natürlich nicht ausführlich von all den zahlreichen Einzelheiten gesprochen werden, die bei solchen Vorkehrungen in Betracht kommen. Es kann nur angedeutet werden, worauf es ankommt. Täuschungen, welche hier in Betracht kommen, entspringen aus zwei Quellen. Sie rühren zum Teil davon her, dass man durch die eigene seelische Wesenheit die Wirklichkeit färbt. Im gewöhnlichen Leben der physisch-sinnlichen Welt ist diese Quelle der Täuschung von verhältnismäßig geringer Gefahr; denn hier wird sich die Außenwelt immer scharf in ihrer eigenen Gestalt der Beobachtung aufdrängen, wie sie auch der Beobachter nach seinen Wünschen und Interessen wird färben wollen. Sobald man jedoch die imaginative Weit betritt, verändern sich deren Bilder durch solche Wünsche und Interessen, und man hat wie eine Wirklichkeit vor sich, was man erst selbst gebildet oder wenigstens mitgebildet hat.
Regina
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Re: Kleiner Hüter der Schwelle

Beitrag von Regina »

Dadurch nun, dass durch die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» der Geistesschüler alles kennenlernt, was in ihm ist, was er also in die seelisch-geistige Welt hineintragen kann, ist diese Quelle der Täuschung beseitigt. Und die Vorbereitung, welche der Geistesschüler vor dem Betreten der seelisch-geistigen Welt sich angedeihen lässt, wirkt ja dahin, dass er sich gewöhnt, schon bei der Beobachtung der sinnlich-physischen Welt sich selbst auszuschalten und die Dinge und Vorgänge rein durch ihre eigene Wesenheit auf sich einsprechen zu lassen. Wer diese Vorbereitung genügend durchgemacht hat, kann ruhig die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» erwarten. Durch sie wird er sich endgültig prüfen, ob er sich nun wirklich in der Lage fühlt, seine eigene Wesenheit auch dann auszuschalten, wenn er der seelisch-geistigen Welt gegenübersteht." (Lit.: GA 13, S 381ff)

Das, was man im Okkultismus den Doppelgänger nennt, ist eine abnorme Art bzw. eine abnorme Erscheinung des kleinen Hüters der Schwelle.

"Daß der Hüter der Schwelle auf abnorme Art auftritt geschieht, wenn der Mensch eine so starke Anziehung hat zu dem einen Leben zwischen Geburt und Tod, daß er wegen des geringen Maßes an innerer Tätigkeit nicht lange genug im Devachan bleiben kann. Wenn der Mensch sich zu sehr gewöhnt hat, nach außen zu schauen, hat er im Inneren nichts zu sehen. Er kommt dann bald ins physische Leben zurück. Das Gebilde seiner früheren Begierden ist noch im Kamaloka vorhanden; er trifft es dann noch an. Da mischt sich zu seinem neuen Astralleib der alte hinzu; das ist das vorhergehende Karma, der Hüter der Schwelle. Er hat dann sein früheres Karma fortwährend vor sich, dies wird eine eigentümliche Art von Doppelgänger.
Regina
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Re: Kleiner Hüter der Schwelle

Beitrag von Regina »

Viele von den Päpsten der berüchtigten Päpstezeit, wie zum Beispiel Alexander VI, haben solche Doppelgänger in der nächsten Inkarnation gehabt. Es gibt Menschen, und zwar jetzt gar nicht selten, die ihre frühere niedere Natur fortwährend neben sich haben. Das ist eine spezifische Art von Wahnsinn. Das wird immer stärker und heftiger werden, weil das Leben im Materiellen sich immer mehr ausbreitet. Viele Menschen, die jetzt ganz im materiellen Leben aufgehen, werden in der nächsten Inkarnation die abnorme Form des Hüters der Schwelle neben sich haben. Alle Nervösen von heute werden gehetzt sein durch den Hüter der Schwelle in der nächsten Inkarnation. Sie werden gehetzt werden in eine zu frühe Inkarnation, eine Art kosmischer Frühgeburt." (Lit.: 93a, S 28f)

Alle unerlösten, unverwandelten Eigenschaften treten einem durch den kleinen Hüter der Schwelle entgegen. Die Begegnung mit ihm findet statt wenn sich die drei Seelenkräfte Denken, Fühlen und Wollen im Astralleib und Ätherleib voneinander getrennt haben. In Oscar Wildes "Das Bildnis des Dorian Gray" haben wir eine lebhafte Beschreibung dieser Begegnung gezeichnet.

Michael kann uns helfen, diesen Drachen niederzuwerfen, ihn zu fesseln – aber dadurch ist er noch nicht überwunden, verwandelt! Der nächste Schritt bedarf der Begegnung mit dem großen Hüter der Schwelle, der eigentlich der Christus ist. Johannes schildert ihn im ersten Siegelbild der Apokalypse. Er ist auch das Lamm, das sich dann im zweiten Siegelbild offenbart - das Lamm, das sich opfert und in den Rachen des Drachen wirf, um ihn durch seine Liebekraft von innen her zu durchlichten und dadurch zu verwandeln.

Autor Rudolf Steiner.
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Regina
eNTe
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Re: Kleiner Hüter der Schwelle

Beitrag von eNTe »

Liebe Regina,

wie gut, dass Du den Autor der Beiträge nanntest.
Ein paar seiner Werke habe ich mehrmals gelesen um dahinter zu kommen, worin die Faszination lag.
Letztendlich auch um zu wissen - was hat er denn eigentlich gesagt? -
Das versteht man nämlich nicht so.
Da drehen die Gedanken Schleife um Schleife - kommen nicht zu Ende - und mit welchem Ergebnis?
Wieder Schaumschlägerei? Man kann sich nichts vorstellen, was herauskommen soll, bei dem was er schreibt. Der Erfolg liegt nur in der Wiederholung seiner Phrasen.

Das ist ähnlich wie in der Predigt der Christenheit. Dort wo sie vom Glauben redet, geht nur eine Wiederholung der Phrasen. Der Rest rauscht am Erleben des Einzelnen vorbei. Es entsteht eine Scheinwelt.
Gleiches Schema wird in der Esoterik benutzt mit Gefühl aufschäumen, Fantasie anregen.
Aber dann? Eine schmerzhafte und ernüchternde Bauchlandung?

Ich bin daran gegangen, jeden einzelnen Satz seines Werkes auch vom "Bauchgefühl" her zu untersuchen. Wo seigen die Emotionen, wo lassen sie nach und wo tritt das ungute "Gefühl" auf - und wie steht es in dem Fall mit der Vernunft? So kam ich schließlich zu der "Masche", mit der Steiner schrieb und noch heute viele Leute mit ähnlichen Dingen beschäftigt, bei denen nichts herauskommt.

Ein paar Dinge, die er ansprach sind allerdings richtig:
In vielen Dingen braucht es einen "Hüter".
Diese Gedanken helfen dann eine Gesellschaft zu organisieren.

Das kann das Denken in Rechschaffenheit sein.
Man nennt es Gewissen. Einen Bruch der Ansicht würde eine "Sünde" ergeben.
Das muss ber nicht unbedingt eine Sünde sein.
Auch das Befolgen der Allgemeinspur kann zur Sünde werden.
Wenn dieses Denken korrupt ist und verkehrt läuft, braucht es auch einen "Hüter", der die Erlaubnis gibt, hier anders zu denken und damit etwas Neues herausformt.

"Hüter" begegnen uns in allen Entwicklungsphasen.
Kinder-Taufe zählt dazu. Diese gibt den Eltern und Paten den "Auftrag" für das Kind zu sorgen.

Konfirmation, Firmung oder Jungendweihe haben so eine Hüterfunktion, sie geben den Jugendlichen den Auftrag nun sicher und mutig ins Leben zu gehen.

Ehezeremonien gehören dazu, geben den Rahmen für die Festigkeit des Versprechens.

Beerdigungen gehören dazu, zur würdevollen Trauerbewältigung.
Dienstbesprechungen sind es ebenso wie Jahresfeste und vieles mehr, was eine Gemeinschaft so "gehütet" im Rahmen hält.

Es war nett, dass Du den Beirag gebracht hast.
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