Auch der Theologe und designierte Kardinal Hans Urs von Balthasar stritt in seinem Denken mit einer „leeren Hölle“. Wie zuvor alle Menschen durch den Ungehorsam Adams gefallen seien, so seien sie in Christus auch alle erlöst worden. Durch den Abstieg in die Hölle hat Christus für von Balthasar die tiefste Hölle durchlitten und in sich das ganze Wirken des Bösen, die verdichtete Sünde, aufgenommen und verwunden. Diese Lehre von der „Apokatastasis“ ergibt für den Theologen die berechtigte Hoffung, dass die Hölle leer sein könnte. Dabei denkt er den Zustand des Menschen von der Höhe Gottes her, die vielleicht so groß angelegt ist, dass sie theoretisch und praktisch die Menschen von der zu ergreifenden Wahrheit Gottes und dessen Beziehung zu seinem Geschöpf entfernt. Auch in diesem Fall kann eine besondere metaphysische Dimension ausgemacht werden. Während die Rede vom „Abschied vom Teufel“ sich vollkommen in die postmoderne Infragestellung aller metaphysischen Aussagen reiht, tritt das Denken der „leeren Hölle“ an die Stelle einer Unfähigkeit zur Metaphysik, indem sie Gott und sein Wirken in einer radikal überhöhenden Weise darstellt.
Genau in dieser Denkhaltung liegt die Gefahr, zusammen mit Gott den Teufel und die Sünde zu beseitigen und den Sinn für das Zentrum der Botschaft des Glaubens zu verdunkeln, ja zu verunmöglichen. Davor warnte Benedikt XVI. am 13. März in einer Ansprache zum Angelus: Der Begriff von Sünde und die Anerkenntnis der Wirklichkeit des Satans setzen eine breit angelegte und transzendente Sicht des Menschen und der Welt voraus, denn: „Wenn man Gott aus dem Horizont der Welt beseitigt, kann man nicht mehr von Sünde sprechen. Wenn gleichsam die Sonne verborgen ist, verschwinden die Schatten; der Schatten tritt nur zutage, wenn die Sonne scheint. So führt die Gottesfinsternis notwendig zur Finsternis der Sünde. Daher wird der Sinn für die Sünde – der etwas anderes als das ‚Schuldgefühl’ ist, wie dies die Psychologie versteht – wiedererlangt, wenn man der Sinn für Gott neu entdeckt“.
„Niemand ist Gott als nur einer“, schreibt der Apostel Paulus an die Korinther. „Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde sogenannte Götter gibt – und solche Götter und Herren gibt es viele –, so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn“ (1Kor 8,4-6). In diesen Worten liegt die eigentlich befreiende Macht, schreibt Benedikt XVI. in seinem ersten Band zu „Jesus von Nazareth“ (S. 210). Es ist der „große Exorzismus, der die Welt reinigt“ (ebd.), den die Kirche von ihren Anfängen an gegen die wirkliche Gefahr des immer gegenwärtigen und leibhaftigen Bösen stellt. So viele Götter und insbesondere böse Geister auch in der Welt „herumschweben mochten“ (ebd.): Jesus verkündet sein Reich und sein Königtum mit den Worten: „Nur einer ist der Herr“. Alles andere verliert seine Macht, „es verliert den Glanz der Göttlichkeit“ (S. 211).
Der große Exorzismus, der die Welt reinigt
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Regina
- Co-Moderator
Re: Der große Exorzismus, der die Welt reinigt
Wie Benedikt XVI betont, stellt dieser Anspruch des Christentums die Darstellung der Welt in ihrer Rationalität dar. Diese Rationalität, die es den Menschen ermöglicht, nach der rechten Vernunft zu handeln, „kommt aus der eigen Vernunft, und nur diese schöpferische Vernunft ist die wahre Macht auf der Welt und in der Welt“. Denn: „Nur der Glaube an den einen Gott befreit und ‚rationalisiert’ wirklich die Welt. Wo er verschwindet, wird die Welt nur scheinbar rationaler. In Wirklichkeit müssen nun die Mächte des Zufalls anerkannt werden, die unbestimmbar sind“ (ebd.). Gerade diese Mächte des Unbestimmbaren jedoch sind Ausdruck des dämonischen Dunkels, das Gefangen nimmt und die Vernunft sich selbst verlieren lässt. „Exorzisieren“ besteht für Benedikt XVI. darin, „die Welt in das Licht der ‚ratio’ stellen, die von der ewigen schöpferischen Vernunft und ihrer heilenden Güte herkommt und auf sie zurückweist“ (ebd.).
Die Gottesfinsternis setzt somit den Menschen der Gefahr aus, Beute der bösen Macht zur werden – von deren Vorherrschaft er bereits durch das Kreuzesopfer Christi erlöst ist –, indem der Mensch meint, auch ohne Gott sein zu können. Doch der Teufel ist ,,Sünder von Anfang an“ (1 Joh 3,8), ,,der Vater der Lüge“ (Joh 8,44), seine Entscheidung gegen Gott ist endgültig: so lehrt der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (vgl. 392; 414). Die Lüge des Teufels besteht darin, dass das, was er sagt, allein aus ihm kommt und damit „die ganze Welt verführt“ (Offb 12, 9).
(kath.net/as)
Die Gottesfinsternis setzt somit den Menschen der Gefahr aus, Beute der bösen Macht zur werden – von deren Vorherrschaft er bereits durch das Kreuzesopfer Christi erlöst ist –, indem der Mensch meint, auch ohne Gott sein zu können. Doch der Teufel ist ,,Sünder von Anfang an“ (1 Joh 3,8), ,,der Vater der Lüge“ (Joh 8,44), seine Entscheidung gegen Gott ist endgültig: so lehrt der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (vgl. 392; 414). Die Lüge des Teufels besteht darin, dass das, was er sagt, allein aus ihm kommt und damit „die ganze Welt verführt“ (Offb 12, 9).
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