Neuschwabenland

Regina
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U 530 und U 977

Zur "Initialzündung" sämtlicher Verschwörungsgeschichten um Neuschwabenland kam es schließlich, als die Besatzung des deutschen U-Boots U 530 am 10. Juli 1945 - mehr als zwei Monate nach Kriegsende - ihr Schiff im argentinischen Seebad Mar del Plata den Behörden übergab. Die "verlängerte" Mission des Bootes - die sich einfach aus der Tatsache ergab, dass die Besatzung hoffte, im Nazi-freundlichen Argentinien nicht in Gefangenschaft zu geraten - beflügelte wilde Spekulationen, Elemente der Nazi-Führung hätte sich mit zusammengestohlenen Reichtümern nach Südamerika in Sicherheit gebracht.

Hierbei darf man nicht vergessen, dass die Vorstellung, Hitler habe sich rechtzeitig aus Berlin absetzen können und der Selbstmord im Bunker sei eine von seinen Anhängern lancierte Vertuschung gewesen, im Jahr 1945 weit verbreitet war - so suchte beispielsweise der sowjetische NKWD nach Kriegsende noch jahrelang nach Hitler, bevor Stalin endlich von seinem Tod überzeugt war.
Regina
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U-530 bbb.jpg
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U 530 wird in Mar del Plata von der argentinischen Marine inspiziert (Quelle: Wikipedia)
Regina
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Beitrag von Regina »

Ein argentinischer Journalist ungarischer Abstammung namens Ladislas Szabo bewies bei der Ausschmückung derartiger Geschichten ein besonderes Talent und setzte am 16. Juli in der "La Critica" erstmals die Vorstellung einer Flucht Hitlers in die Antarktis in die Welt. Die Geschichte erwies sich als so erfolgreich, dass sie von zahlreichen Zeitungen übernommen wurde, von denen die meisten sie allerdings später widerriefen. Als am 17. August 1945 ein weiteres deutsches U-Boot - U 977 - in Mar del Plata auftauchte, war Szabo endgültig von der Richtigkeit seiner Thesen überzeugt und machte sich daran, ein Buch zu verfassen, welches den Grundstein aller späteren Verschwörungstheorien um Neuschwabenland bilden sollte: "Hitler está vivo" (Hitler ist am Leben) erschien 1947 im argentinischen Tabano-Verlag und wurde über Nacht zu einem Bestseller der Verschwörungsliteratur.
Regina
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hitlerlebt       ccc.jpg
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Mit "Hitler lebt" wurden auch in den 80ern noch Zeitungen verkauft
Regina
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Re: Neuschwabenland

Beitrag von Regina »

Ein Bestseller - allen logischen Problemen zum Trotz, die sich ergeben, wenn man - wie Summerhayes und Beeching - einmal überdenkt, was es eigentlich bedeuten würde, Menschen von einem an der Küste liegenden U-Boot aus mitten im Winter zu einem Stützpunkt zu transportieren, der sich angeblich 250km im Landesinneren befindet.

Weder Szabo noch die ihm nacheifernden Autoren haben sich übrigens je die Mühe gemacht, einmal kritisch zu prüfen, ob es denn für U 530 und U 977 zeitlich und technisch überhaupt möglich gewesen wäre, die Küste der Antarktis zu erreichen. Die diesbezügliche Analyse von Summerhayes und Beeching ist eindeutig: Ausgehend von der maximalen Tauchtiefe lässt sich leicht nachweisen, dass keines der beiden Boote in der Lage gewesen wäre, das Packeis des südatlantischen Winters zu überwinden und überhaupt bis zur Küste vorzudringen. Berücksichtigt man zudem noch die Geschwindigkeit der Boote, die Größe ihrer Treibstofftanks und die Daten ihres Auslaufens sowie ihrer Aufgabe in Mar del Plata wird klar, dass die Reise auch zeitlich nicht durchführbar gewesen wäre. Die Gerüchte um die vermeintliche Flucht Hitlers verkauften sich dennoch gut - und erhielten bald neue Nahrung.
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Operation Highjump

Kurz bevor Szabos Buch über Hitlers angebliche Flucht in die Antarktis erschien, führten die USA unter dem Codewort "Highjump" die bis dato größte Expedition in die Antarktis durch. Insgesamt wurden 33 Schiffe mit über 4700 Mann Besatzung entsandt, darunter das U-Boot USS Sennet und der Flugzeugträger USS Phillipine Sea. Das Kommando über die Flotte führte Konteradmiral Richard Cruzen, der eigentliche Leiter des Projekts war jedoch der sich bereits im Ruhestand befindliche Admiral Richard E. Byrd. Obwohl mit "Highjump" auch einige wissenschaftliche Ziele verfolgt wurden, handelte es sich primär um eine militärische Operation. Die US-amerikanische Militärführung hatte nämlich erkannt, dass im Falle eines Konflikts mit der Sowjetunion die Arktis (nicht unbedingt die Antarktis) ein wahrscheinlicher Kriegsschauplatz werden würde.
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Re: Neuschwabenland

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Currituck  vvv.jpg
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Die USS Currituck war ebenfalls Teil der "Highjump"-Flotte (Quelle: Wikipedia)
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Re: Neuschwabenland

Beitrag von Regina »

Da die sowjetischen Truppen - dies lag zumindest nahe - besser auf Einsätze unter arktischen Bedingungen vorbereitet waren als die US-Militärs, wurden entsprechende Traininigseinsätze zunehmend wichtiger. Nach den Operationen "Frostbite" (1945/46)
und "Nanook" (1946) - die jedoch für die Anhänger von Verschwörungstheorien von eher geringem Interesse sind, da sie nicht in antarktischem Gebiet, sondern in der Davisstraße stattfanden - folgte mit "Highjump" die bis dahin größte Trainingsaktion, an die sich 1948 noch "Windmill" anschloss. Der Kardinalfehler besteht also schon darin, „Highjump" als ein isoliertes Ereignis zu betrachten - vielmehr war die Expedition Bestandteil einer weitaus umfangreicheren Militärübung des frühen Kalten Krieges.

Im Gegensatz zu „Tabarin" war „Highjump" übrigens zu keinem Zeitpunkt eine geheime Operation, auch wenn die militärischen Erkenntnisse zur damaligen Zeit verständlicherweise nicht veröffentlicht wurden. Tatsächlich befanden sich sogar 11 „embedded journalists" an Bord der Flotte, die ausführlich über die Expedition berichteten. Walter Sullivan, der für die Wissenschaftsredaktion der New York Times schrieb, verfasste sogar ein Buch („Quest for a Continent") über die Reise, welches 1957 im New Yorker Verlag McGraw-Hill erschien.
Regina
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All dies beeindruckte die Verschwörungsenthusiasten wenig, die in „Highjump" vor allem aus zwei Gründen einen geheimen - und gescheiterten - Angriff auf eine vermeintliche Basis im von der Schwabenland-Expedition kartographierten Gebiet sahen: dem vorzeitigen Ende der Mission und dem Verlust an Menschenleben, die beide dem Widerstand übrig gebliebener Nazi-Truppen zugerechnet werden. Wie man vermuten kann, ist die eigentliche Erklärung sehr viel banaler und weitaus weniger dramatisch.

Da einer der beiden Eisbrecher - die USS Burton Island - beim Aufbruch der Flotte noch überholt wurde, konnte er sich der Expedition erst später anschließen, weshalb zunächst lediglich ein Eisbrecher - die USS Northwind - verfügbar war. Hierdurch kam die Flotte wesentlich langsamer als geplant voran, so dass das Ross-Schelfeis erst am 15. Januar erreicht werden konnte. Hinzu kam ein äußerst strenger Winter - und da die Mehrzahl der Schiffe nicht über einen verstärkten Rumpf verfügte, musste die Rückfahrt bereits am
23. Februar angetreten werden, um weitere Schäden durch Eiseinschluss zu vermeiden.
Regina
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