Ich selbst beschäftige mich nun seit einigen Jahren intensiv mit Themen rund um Glaube und Spiritualität in ihren unterschiedlichsten Schattierungen, und freue mich immer über die Interaktion mit anderen. Wirklich persönlich wurde die Frage nach dem Übernatürlichen - oder allgemeiner nach dem Sinn des Lebens - als ich mit 21 Jahren mit einer Autoimmunerkrankung zu kämpfen hatte, und deshalb über mehrere Jahre hinweg den Zusammenhang zwischen Körper und Geist hautnah miterleben durfte. Ich kann daher anderen nur sagen: Gebt euch niemals auf. Und wenn ihr euch aufgebt, dann nur um euch selbst wiederzufinden.
Für mich war meine Krankheit damals eine Erfahrung, die ich rückblickend betrachtet, als großen Segen interpretiere. Diese äußerlich negative Situation hat mir doch die Kraft gegeben mein Leben zu hinterfragen und selbst in die Hand zu nehmen, ohne übermäßigen Respekt vor verdogmatisierten Glaubenssätzen (der eigenen Psyche) und gesellschaftlichen Konventionen. Rückblickend betrachtet war meine Erkrankung für mich ein Erlebnis, das mir den Anstoss und die Kraft gegeben hat meine spirituelle Reise zu beginnen - oder eben aktiv weiterzuführen.
Meine gesundheitliche Situation besserte sich, nachdem ich beschlossen hatte auf die Stimme meines Herzens zu hören - was konkret bedeutete in Wien mit dem Studium der evangelischen Fachtheologie zu beginnen. Anfänglich von der wissenschaftlichen Theologie begeistert, begann ich aber bald die eigene Erfahrung des Übernatürlichen über die akademische Theorie zu stellen - und spürte wohl damals schon, dass es auf dem persönlichen Weg mit Gott mehr Erfahrungen zu sammeln und Wunder zu erleben gibt als man an akademischen Einrichtungen für möglich halten würde.
Meine eigene Suche führte dazu, dass ich dann ein paar Jahre lang evangelische und katholische Theologie nebeneinander studierte, ehe ich in Kontakt mit dem freikirchlichen Christentum kam, wo ich mich intensiv engagierte, in der Schweiz ein Praktikum absolvierte und - wieder zurück in Österreich - Co-Prediger eines kleinen Churchplantingteams wurde. Rückblickend betrachtet kann ich sagen: Ich habe in allen Kirchen und Gemeinden die ich besucht habe, etwas vom großen Mysterion erlebt, den Geist Gottes gespührt - und im wahrsten Sinne des Wortes begeisterte Menschen getroffen. Allerdings glaube ich heute nicht mehr an von Menschen konstruierte Gemeinschaften - und stimme Krishnamurti absolut zu wenn er meint, dass religiöse Institutionen "es" immer irgendwie merkwürdig werden lassen, und bisweilen sogar vom wesentlichen Ablenken. Als bekennender Christ bin ich heute wie damals auch davon begeistert, wie klar und offensichtlich derselbe Geist Gottes sich in diversen spirituellen Systemen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Religionen geoffenbart hat. Wer - auch als heidnisch geltende - heilige Schriften studiert, und offenen Geistes an die Sache herangeht, der entdeckt das selbe Licht, wie es durch Fenster in den unterschiedlichsten Formen und Farben leuchtet. Die Frage ist nur: Bin ich als Mensch bereit, mich von den wärmenden Strahlen desselben wahrhaftigen Lichts erleuchten zu lassen?
Die wahre Tiefe des göttlichen Geheimnisses, erfahren wir in der Regel erst dann, wenn wir bereit sind uns dem göttlichen Geheimnis ohne die Scheuklappen unserer menschlichen Vorstellung zu nähern - und bereit sind die Möglichkeit zuzulassen, dass Gott vielleicht doch ganz anders ist als wir es uns bis dato vorgestellt haben. Die Wahrheit ist: DU kannst denselben Gott überall finden. In den heiligen Schriften und spirituellen Gemeinschaften ebenso wie auf dem Boden deines Bierkrugs. Gleichzeitig kannst du Gott eben auch gerade nicht finden - weder in den heiligen Schriften, noch den spirituellen Gemeinschaften oder dem Boden deines Bierkrugs. Wer Gott findet, findet ihn überall. Wer Gott nicht findet, findet ihn überall nicht. Suchst du also noch? Oder findest du schon? Dies - und nichts anderes ist mMn das wahre Wesen der Mystik. Einem Thema, dem ich mich nicht zuletzt dadurch verbunden fühle, gegenwärtig am Aufbau einer mystischen Webcademy zu arbeiten. Ich will zwar keine Schleichwerbung machen, aber es würde mich doch freuen, wenn das ein oder andere dabei ist, dass auch den Mitdiskutierenden in eurem Forum ein weiteres Puzzleteil auf seinem eigenen spirituellen Weg sein kann - oder ihm zumindest ein wenig Kurzweil zu verschaffen in der Lage ist. Wenn ihr wollt und euch das Thema interessiert - schaut einfach mal vorbei auf http://www.hohe-feste.at/.
Reichen Segen allen,
freu mich auf spannende Gespräche,
euer MZed