Organspende - ja oder nein?

Aktuelles aus aller Welt
Bargusin
Silber-Rang-User
Silber-Rang-User
Beiträge: 142
Registriert: Mo 17. Okt 2011, 06:49
Wohnort: Bad Liebenzell
Kontaktdaten:

Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Bargusin »

Hirntod ist aus meiner Sicht nicht tot. Es gibt auch keinen Lebertod und keinen Ellenbogentod. Dr. Werner Bartens in der Sendung "hart aber fair" (Podcast: http://gffstream-1.vo.llnwd.net/c1/m/11 ... 111017.mp3

Die Frage "Organspende - ja oder nein?" beinhaltet auch: "Hirntod oder Herztod?".
Beim Hirntod 'vegetiert' der Mensch, dem ein Organ entnommen werden soll, noch. Und hier wird's schwierig. O-Ton Deutschlandfunk: " ... Neuere wissenschaftliche Studien lassen die Grenzen zwischen angeblich totem und doch noch lebendem Gehirn immer mehr verschwimmen. Selbst Transplantationsmediziner sehen das offenbar so. Sie selbst wären laut Umfragen eher bereit zur Organspende, wenn zusätzlich zum Hirntod auch der Herztod als Voraussetzung zur Organentnahme eingeführt würde. Doch das geht nicht. Denn nur ein schlagendes Herz sichert die Qualität der Organe ... " (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1495696/).

Mich - ganz persönlich, andere Entscheidungen kann ich freilich voll umfänglich akzeptieren (diese Frage kann nur jeder für sich beantworten) - hat die Beschäftigung mit dieser Frage zu der Entscheidung gegen eine Organentnahme geführt. (Eine gute, umfangreiche, Informationsseite: http://www.organspende-aufklaerung.de/ von der InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik: http://www.kritischebioethik.de/).

Der anthroposophisch orientierte Arzt Dr. Paolo Bavastro setzt sich audführlich mit der ethischen Frage zu diesem Thema hier auseinander: http://www.initiative-kao.de/vortrag-p- ... ssion.html

Wie denkt ihr darüber?

Viele Grüße
Ralf
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


"Halt dich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt." (Khalil Gibran)
Anja
Co-Moderator

Re: Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Anja »

Immer wieder schwer, lieber Ralf. Wie oft bin ich schon gefragt worden, wenn denn meine Tochter oder irgendjemand, der mir sehr nahe steht, ein lebenswichtiges Organ benötigt, ohne dass er sterben müsste.

Ich antworte immer ehrlich: "ich weiß es nicht!". Auch wenn es vielleicht wie ein Ausweichen klingt - ich kann so eine Entscheidung nicht mal einfach so aus einer Frage heraus treffen - und erleben möchte ich es niemals in meinem ganzen Leben.
Ähnlich wie die Frage nach einer Abtreibung, sollte ich noch einmal schwanger werden. Ich möchte auf keinen Fall ein Kind mehr, auch keine Schwangerschaft, zumal diese ja dann auch einige Risiken für beide beinhalten würde - aber eine Abtreibung?

gut, das ist nicht das Thema, vielleicht aber gehört es auch zu einem übergeordneten Thema. Dem Leben und der Ehrfurcht davor an sich.

Es sind auch noch andere Gedanken, die mich vor einer Organspende scheuen: Ich hab ja schon viel, auch mit anderen, über diese Sache diskutiert - und ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dass ein solches Organ ja immer in irgendeiner Form mit dem Menschen, bei dem es das ganze Leben war, zutiefst verbunden ist. Bereits vorgeburtlich werden diese organe ausgebildet und nehmen so auch immer sehr viel vom Menschen auf.

Was passiert mit einem menschen, der solch ein "Fremdorgan" empfängt? Verändert er sich? Bleibt er der Mensch, der er war?

Ist vielleicht ein wenig zu philosophisch, aber diese GEdanken wurden damals geäußert und sie lassen mich nicht mehr los.

Gern würde ich mich weiter darüber unterhalten.
Bargusin
Silber-Rang-User
Silber-Rang-User
Beiträge: 142
Registriert: Mo 17. Okt 2011, 06:49
Wohnort: Bad Liebenzell
Kontaktdaten:

Re: Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Bargusin »

"Euthanasie – Dreivierteltote Organspender und hirntote Gesetzgeber
Die Hirntod-Definition ermöglicht es, lebende Menschen für tot zu erklären, um sie anschließend zu ermorden ..." (Von Aaron Rosenbaum)

http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2 ... setzgeber/
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


"Halt dich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt." (Khalil Gibran)
Anja
Co-Moderator

Re: Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Anja »

Bargusin hat geschrieben:"Euthanasie – Dreivierteltote Organspender und hirntote Gesetzgeber
Die Hirntod-Definition ermöglicht es, lebende Menschen für tot zu erklären, um sie anschließend zu ermorden ..." (Von Aaron Rosenbaum)

http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2 ... setzgeber/
Puh - das ist allerdings sehr heftig ausgedrückt........
Bargusin
Silber-Rang-User
Silber-Rang-User
Beiträge: 142
Registriert: Mo 17. Okt 2011, 06:49
Wohnort: Bad Liebenzell
Kontaktdaten:

Re: Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Bargusin »

Ja, liebe Anja, was erwartest Du? Der Organismus eines/einer Hirntoten lebt, das Herz, die Organe arbeiten noch, der Körper ist warm, ja, eine hirntote Frau hat ein Kind bekommen (http://www.focus.de/gesundheit/news/erl ... 43468.html)

Und lies mal "Die verschwiegenen Leiden von Organspender und Organempfänger" eines Theologen (http://www.theologe.de/theologe17.htm) ...
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


"Halt dich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt." (Khalil Gibran)
Anja
Co-Moderator

Re: Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Anja »

Trotzdem, lieber Ralf - "Mord" ist für mich noch eine andere Stufe.....da kommt mir wieder die Diskussion um die Soldaten als "potientielle Mörder" in den Sinn....

ne, da kann ich nicht zustimmen.

Mord laut juristischer Bedeutung:
Mörder ist, wer
aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,
einen Menschen tötet.


Und das ist eben eindeutig hier nicht der Fall.
Bargusin
Silber-Rang-User
Silber-Rang-User
Beiträge: 142
Registriert: Mo 17. Okt 2011, 06:49
Wohnort: Bad Liebenzell
Kontaktdaten:

Re: Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Bargusin »

Ich habe ja auch Hemmungen, es im streng juristischen Sinne Mord zu nennen.

Im Eingangsbeitrag steht freilich auch - das war mir wichtig: " ... Selbst Transplantationsmediziner sehen das offenbar so. Sie selbst wären laut Umfragen eher bereit zur Organspende, wenn zusätzlich zum Hirntod auch der Herztod als Voraussetzung zur Organentnahme eingeführt würde ... ".

Wir können diesen Medizinern also nicht "Unwissenheit" zubilligen (obwohl es da wiederum heißt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht).

Wie würdest Du es denn nennen?
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


"Halt dich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt." (Khalil Gibran)
Anja
Co-Moderator

Re: Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Anja »

Also, im allerkrassesten Fall: Tötung auf Verlangen, sollte halt ein Spenderausweis vorhanden sein.
Ich tu mich ja mit der Spende auch sehr schwer, weil ich auch bspw. von Komapatienten weiß, die nach Jahren, ja nach Jahrzehnten wieder aufgewacht sind - aber "Mord" ist halt immer so eine Sache.....

Wenn halt damit - allen Zweifeln zum Trotz - mit den organen Leben gerettet werden soll, kann man nicht von Mord sprechen, das ist halt meine Auffassung.
Bargusin
Silber-Rang-User
Silber-Rang-User
Beiträge: 142
Registriert: Mo 17. Okt 2011, 06:49
Wohnort: Bad Liebenzell
Kontaktdaten:

Re: Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Bargusin »

Um es noch einmal zu betonen - "Mord" ist einfach zu hart ausgedrückt. Transplantationsmediziner sind keine Mörder - und ihre Helfer während der OP leisten keine Beihilfe zum Mord. Ich halte die Reaktion der oben genannten Verfasser für überzogen, wohl nicht zuletzt deshalb, weil manche Befürworter gerne auch massiven Druck zur Durchsetzung ihrer Position ausüben (wollen) ...

Für ganz entscheidend halte ich noch, daß eine Organentnahme nur unter Vollnarkose des hirntoten Menschen durchgeführt werden dürfte. dann keiner weiß bis heute, ob dieser dabei Schmerzen erleidet.

Übrigens: eigentlich versteht es sich von selbst, daß ich es mit meiner Einstellung auch ablehne, lebenswichtige Organe von einem andere Menschen zu empfangen!
Herzliche Grüße
Ralf (Bargusin)


"Halt dich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt." (Khalil Gibran)
Anja
Co-Moderator

Re: Organspende - ja oder nein?

Beitrag von Anja »

Ich kann diese Frage heute nicht beantworten, ob ich andere Organe ablehnen würde. Wenn es um Tod oder Leben ging - ich bin 48, hab noch fast ein halbes Leben vor mir....ich denke, ich würde mch trotzdem für mich ebenfalls dagegen entscheiden. Das sage ich aber jetzt, wo ich nicht in der Situation bin.

Du weißt, dass ich schon oft am Leben gezweifelt habe, trotzdem hänge ich letztendlich sehr daran und liebe es sehr......

Die ganze Zeit ging es bei mir aber auch nicht nur um sich selbst, sondern auch um meine Kinder, meinen Mann. Wie würdest du da entscheiden? Dein Kind sterben lassen? Auf Gott vertrauen? Ich kann das nicht beantworten und bin heute froh, dass mein Vater mittlerweile eine genaue Patientenverfügung hinterlegt hat. Meine Mutter hatte das damals nicht - und wir standen schon einmal vor dieser Frage. Gott sei Dank musste ICH sie nicht beantworten.....

Wie gesagt, ich kann dich gut verstehen, sehe es ähnlich wie du - und solange man allein und nur für sich selbst verantwortlich ist, kann man das guten Gewissens mit einem "nein" beantworten. Sobald man aber andere Leben sozusagen "in seiner Hand hat", von Menschen, die man über alles liebt, sieht das Ganze schon wieder sehr viel anders aus.

Schon so oft wurde mir diese Frage gestellt und ich kann sie einfach nicht mit einem klaren "nein" oder "ja" beantworten.......
Antworten

Zurück zu „Aktuelle Themen“