Die Deutschen nehmen mehr Antidepressiva

Antworten
Benutzeravatar
DocNobbi
Administrator
Beiträge: 1410
Registriert: Do 22. Jul 2010, 13:59
Wohnort: nahe Stuttgart
Kontaktdaten:

Die Deutschen nehmen mehr Antidepressiva

Beitrag von DocNobbi »

Die Deutschen nehmen mehr Antidepressiva

Einem Bericht zufolge nehmen Menschen in wohlhabenden Industrieländern immer mehr Antidepressiva. Dabei sollten bei leichten Depressionen Psychotherapien klar den Arzneimitteln vorgezogen werden.

Menschen in wohlhabenden Industrieländern nehmen immer mehr Antidepressiva, heißt es im neuen Gesundheitsreport der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Autoren der Studie, die am Donnerstag in London veröffentlicht wurde, schließen nicht aus, dass die Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien oder Portugal ursächlich ist. In den beiden Ländern stieg der Konsum von Antidepressiva zwischen 2007 und 2011 um 20 und 23 Prozent. Die Fachleute der OECD merken aber an, dass diese Erklärung nicht ausreicht, um den noch schnelleren Anstieg in Deutschland zu begründen, das weniger von Arbeitslosigkeit betroffen ist: Hier stieg der Gebrauch von Antidepressiva zwischen 2007 und 2011 um 46 Prozent.

In dem Bericht heißt es weiter, dass die Einnahme von Antidepressiva in den meisten OECD-Ländern seit dem Jahr 2000 merklich gestiegen ist. Island verzeichnet den höchsten Stand im Jahr 2011, vor Australien, Kanada, Dänemark und Schweden. Korea, Chile, Estland und Ungarn stehen am unteren Ende der Tabelle. Gemessen wurde die definierte Tagesdosis der Medikamente je tausend Einwohner (siehe Grafik). Sie liegt in Island bei etwa 100 (im Jahr 2000 waren es nur 70), in Korea bei 13.In Island bekommen nach Angaben der Studie beispielsweise fast 30 Prozent aller Frauen im Alter von 65 Jahren oder darüber ein Antidepressivum verschrieben. Eine längere Dauer und eine größere Intensität bei der Verwendung von Antidepressiva seien eine mögliche Erklärung. Zudem sei denkbar, dass inzwischen schon bei milderen Formen von Depression oder auch bei Angststörungen und sozialen Phobien Arzneimittel eingesetzt werden. „Diese Erweiterungen lenken Aufmerksamkeit auf die Frage, ob das angemessen ist“, heißt es in dem Bericht neutral.
573055372.jpg
573055372.jpg (79 KiB) 3236 mal betrachtet
© F.A.Z.
„Der Anstieg hat möglicherweise mit der Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen in Deutschland zu tun“, sagt Christine Kühner vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. „Die Bereitschaft, Hilfe zu suchen, steigt bei den Betroffenen.“ Die Diplom-Psychologin war an der Erarbeitung der Nationalen Versorgungsleitlinie für Unipolare Depressionen beteiligt. „Darin wird klar gesagt, dass Antidepressiva zur Erstbehandlung leichter Depressionen nicht generell eingesetzt werden sollten, und dass Psychotherapie auch bei mittelschweren bis schweren Episoden gleichwertig zu einer medikamentösen Behandlung angeboten werden kann.“

Auch stationäre Aufnahmen steigen an
Hinter dem Anstieg des Gebrauchs von Antidepressiva könnte ein Missverhältnis zwischen der wachsenden Zahl der Hilfesuchenden und den Psychotherapie-Angeboten in Deutschland stehen: „Die Entstigmatisierung schreitet auf der einen Seite voran, auf der anderen gibt es ein Defizit in der psychotherapeutischen Versorgung.“ Um den Betroffenen Hilfe anbieten zu können, wird dann auf Antidepressiva zurückgegriffen.

Auch die stationären Aufnahmen bei Depressionen und Angststörungen seien in der Vergangenheit gestiegen, sagt Kühner. Ein Report der Barmer GEK ergab beispielsweise unlängst, dass im Jahr 2000 nur einer von 1000 Versicherten wegen Depressionen stationär ins Krankenhaus aufgenommen wurde. Zehn Jahre später waren es schon 2,3 von 1000 Versicherten. „Das kann man auch damit erklären, dass zu wenig ambulante Angebote vorhanden sind“, meint Kühner.

Insgesamt werden psychische Störungen in Deutschland nicht häufiger. Das belegen regelmäßige bevölkerungsbasierte Langzeitstudien, die im Abstand von mehreren Jahren wiederholt werden, etwa der im Jahr 2011 ausgeführte Deutsche Gesundheits-Survey des Robert-Koch-Instituts.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft ... 75171.html (21.11.2013 v.CHRISTINA HUCKLENBROICH)
Prüfe, was du hörst oder liest, mit Herz und Verstand -
und behalte das Gute !
Benutzeravatar
DocNobbi
Administrator
Beiträge: 1410
Registriert: Do 22. Jul 2010, 13:59
Wohnort: nahe Stuttgart
Kontaktdaten:

Re: Die Deutschen nehmen mehr Antidepressiva

Beitrag von DocNobbi »

Plötzlicher Tod durch Antidepressiva

Antidepressiva sollten eigentlich die Stimmung heben. Inzwischen weiss man jedoch, dass sie auch unerwartet zum Tode führen können. Immer länger wird die Liste jener Medikamente, zu deren Nebenwirkungen offenbar auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen gehören sollen. Mit Citalopram zählt jetzt auch eines der am häufigsten verschriebenen Antidepressiva zur Kategorie der potentiell tödlichen Psychopharmaka.

Antidepressiva: Der Tod als neue Nebenwirkung
Antidepressiva können viele Nebenwirkungen haben: Mundtrockenheit, Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, übermässiges Schwitzen, körperliche Schwäche, Herzklopfen und Orgasmusschwierigkeiten. Viele Betroffenen nehmen diese Beschwerden nur allzu gerne in Kauf, wenn bloss die Schwermut verfliegt und endlich wieder das Leben Einzug halten kann.

Eine amerikanische Studie, die im Fachmagazin British Medical Journal veröffentlicht wurde, enthüllte jedoch, dass einige Psychopharmaka dazu in der Lage sind, gerade das Gegenteil zu bewirken, nämlich den Tod.

Citalopram und der plötzliche Herztod
Das zuletzt als lebensbedrohlich eingeschätzte Antidepressivum ist Citalopram – das zu den am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka gehört. Unter zahlreichen Markennamen ist die aufmunternde Substanz im Handel. Dazu gehören beispielsweise Citadura, Cipramil, Citalostad, Citarcana, Citalon, Celexa, Eostar, Rudopram, Serital, Seropram und viele weitere Präparate mehr.

Diese Medikamente sollen dazu neigen, eine Verlängerung des so genannten QT-Intervalls zu bewirken. QT steht dabei für einen Teil der EKG-Kurve.

Der Herzschlag wird bekanntlich durch eine Abfolge elektrischer Impulse reguliert, die in Form von Wellen auf dem EKG (Elektrokardiogramm) sichtbar gemacht werden. Jede Welle wird dabei mit einem anderen Buchstaben gekennzeichnet: P, Q, R, S, und T

Wenn Sie sich die Kurve eines EKGs (Elektrokardiogramms) vorstellen, so bezeichnet das QT-Intervall den Abstand zwischen der Q- und der T-Welle, also praktisch die hintere Hälfte des EKGs oder anders gesagt: die hohe Zacke und fast alles, was danach kommt.

Wird der Zeitraum zwischen Q und T nun grösser, so spricht man von einer QT-Verlängerung. Die einzige Möglichkeit festzustellen, ob dieses Phänomen auftritt, besteht nur in der Durchführung eines EKGs. Andere Diagnosemöglichkeiten gibt es nicht.

Ein verlängertes QT-Intervall ist ein Hochrisikofaktor für schwere Herzrhythmusstörungen, wie dem sog. Kammerflimmern, was für eine fehlende Pumpleistung des Herzens steht und unmittelbar zum Tode führt. Das heisst, es gibt keine Symptome, die vorwarnen würden. Eine vollkommen gesunde Person stirbt buchstäblich von einer Minute auf die andere – weshalb man hier auch vom plötzlichen Herztod spricht.

Je grösser die Dosis, je höher das Risiko
Die Wissenschaftler besagter Studie erklärten, dass das Risiko eines plötzlichen Todes durch die Einnahme von Citalopram steige, je höher die eingenommene Dosis sei.

Bei der Food and Drug Administration (FDA) ist das Phänomen der dosisabhängigen QT-Intervall-Verlängerung durch Citalopram offenbar ebenfalls bekannt. Und so forderte die Behörde bereits im Sommer 2011 Therapeuten dazu auf, Citalopram nicht in Dosen von mehr als 40 mg am Tag zu verordnen.

Im März 2012 dann senkte man die höchste empfohlene Dosis für spezielle Patientengruppen vorsichtshalber auf 20 mg pro Tag.

Die Antidepressiva-Studie
Für ihre Studie untersuchten die Forscher insgesamt 38.397 Erwachsene, die zu irgendeinem Zeitpunkt zwischen Februar 1990 und August 2011 entweder ein Antidepressivum oder Methadon (Heroin-Ersatzmedikament) eingenommen hatten.

Zu den Antidepressiva, die von den Probanden im besagten Zeitraum eingenommen wurden, zählten die folgenden Wirkstoffe: Citalopram (mögliche Handelsnamen s. o.), Escitalopram (z. B. Cipralex), Fluoxetin (z. B. Fluctin, Prozac), Paroxetin (z. B. Deroxat, Paroxat), Sertalin (z. B. Zoloft), Amitriptylin (z. B. Saroten), Bupropion (z. B. Elontril, Zyban), Duloxetin (z. B. Cymbalta), Mirtazapin (z. B. Remeron), Nortriptylin (z. B. Nortrilen) und Venlafaxin (z. B. Trevelor, Efexor).

Jeder Teilnehmer wurde innerhalb von 14 bis 90 Tagen nach der Einnahme des verschriebenen Medikaments einem EKG unterzogen. Die Wissenschaftler fanden dabei heraus, dass einige Antidepressiva Auswirkungen auf die Länge des QT-Intervalls hatten.

Eine Ausnahme stellte das Antidepressivum Bupropion dar. Bei ihm konnte der gegensätzliche Effekt festgestellt werden. Hier zeigte sich eine Verkürzung des QT-Intervalls, was leider ebenfalls keine gute Nachricht ist, da auch ein kürzeres QT-Intervall zu Herzrhythmusstörungen, Ohnmachtsanfällen und dem plötzlichen Herztod führen kann.

Weitere Arzneimittel mit ähnlichem Risiko
Schon frühere Forschungsstudien hatten erbracht, dass Antidepressiva, aber auch viele andere Medikamente das QT-Intervall verlängern können. 2004 schrieb Dr. Dan M. Roden von der Vanderbilt University School of Medicine in der Fachzeitung The New England Journal of Medicine, dass im vergangenen Jahrzehnt "der hauptsächlichste Grund für den Rückruf oder die Einschränkung der Verwendung eines bereits zugelassenen Medikaments die potentiell tödliche QT-Intervall-Verlängerung war."

Eine Liste der Medikamente, die das QT-Intervall verlängern können, finden Sie bei den Quellenangaben. Dazu gehören – neben den genannten Antidepressiva – insbesondere Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika), aber auch manche Herzmedikamente, Medikamente gegen Erkrankungen des Verdauungstrakts und der Atemwege, einige Antibiotika, Medikamente gegen Pilzinfektionen sowie etliche andere Arzneimittel wie z. B. Methylphenidat (z. B. Ritalin) oder auch Tamoxifen, das häufig bei Brustkrebs verordnet wird.

Die schlimmsten Antidepressiva
Die schlimmsten Antidepressiva – also jene, die das QT-Intervall durchschnittlich am meisten verlängern – sind laut obiger Studie Citalopram, Escitalopram und Amitriptylin.

Insgesamt zeigte sich bei einem von fünf Nutzern dieser Präparate ein abnormales EKG, vor allem bezüglich des verlängerten QT-Intervalls. Die Forscher gaben jedoch an, dass die klinische Signifikanz dieser Ergebnisse noch nicht bekannt sei.

Aufklärung bei Antidepressiva-Verordnung findet nicht statt
Wir wissen also, dass ein längeres QT-Intervall zum plötzlichen Tod führen kann. In der Realität geschieht dies aber nicht sehr oft – auch wenn bis jetzt noch niemand wirklich die diesbezügliche Sterbehäufigkeit einschätzen kann.

Daher bleibt derzeit nichts anderes übrig, als die betroffenen Menschen vor den potenziellen Risiken eines plötzlichen Todes aufgrund der Einnahme dieser Medikamente zu warnen.

Das jedoch geschieht in der Praxis nicht oft. Vielleicht wird den Patienten mitgeteilt, dass ein Risiko für Nebenwirkungen bestehe. Details zur Art und Ausprägung dieser Nebenwirkungen werden hingegen nicht erläutert. Man agiert nach dem Motto: Der Nutzen überwiegt das Risiko.

Da Depressionen aber nicht selten auch mit Hilfe von speziellen Nahrungsergänzungsmitteln und Vitalstoffen gelindert werden könnten, müsste man in vielen Fällen das bestehende Risiko des plötzlichen Herztodes gar nicht erst eingehen.



Lesen Sie mehr unter: http://www.zentrum-der-gesundheit.de/an ... z2n6aXjmc4
Prüfe, was du hörst oder liest, mit Herz und Verstand -
und behalte das Gute !
Benutzeravatar
DocNobbi
Administrator
Beiträge: 1410
Registriert: Do 22. Jul 2010, 13:59
Wohnort: nahe Stuttgart
Kontaktdaten:

Re: Die Deutschen nehmen mehr Antidepressiva

Beitrag von DocNobbi »

Folgende Punkte werden wir hier noch durchsprechen müssen:

Depressionen und Darmflora

Ernährung bei Depressionen

Depressionen durch Fertignahrung

Depressionen durch Transfette

Nährstoffe gegen Depressionen

Serotoninspiegel natürlich erhöhen



Lesen Sie auch mehr unter: http://www.zentrum-der-gesundheit.de/an ... z2n6enrudX

:hilfe: :hilfe:
Prüfe, was du hörst oder liest, mit Herz und Verstand -
und behalte das Gute !
Antworten

Zurück zu „Psychatrie“