Hier habe ich noch eine Zusammenfassung einer Radiosendung des MDR FIGARO "Das Kalenderblatt".
Hier berichtet u.a Heinrich Dickmann von der Hinrichtung seines Bruders, der er beiwohnen musste.
Auch andere Kriegsdienstverweigerer anderer Religionsgemeinschaften, die ebenfalls hingerichtet wurden, werden namentlich erwähnt.
Sehr wahr ist der letzte Satz von Gustav Stange:
- heute morgen kam auf MDR FIGARO das Kalenderblatt. Es ging um Wehrdiestverweigerer im 2. Weltkrieg - Zeugen Jehovas.
Sehr guter Artikel. Ich habe beim Sender nachgefragt u. die schriftliche Form davon bekommen.
hier das Kalenderblatt (wer möchte dem kann ich es auch per mail schicken):
"KALENDERBLATT VOM 15. SEPTEMBER 2014
1939 AUGUST DICKMANN HINGERICHTET
von Thomas Hartmann
Moderator.: Nicht einmal das dreißigste Lebensjahr durfte er vollenden. Heute vor 75 Jahren wurde der 1910 in Dinslaken geborene August Dickmann von den Nazis erschossen. Der Grund: seine Wehrdienstverweigerung. Er war der erste, der deshalb im Dritten Reich getötet wurde und längst nicht der letzte. Ein Kalenderblatt von Thomas Hartmann.
Musik 1
Zitat 1 Am 15. September 1939 war vorzeitiger Arbeitsschluss. Als wir in das Hauptlager gebracht wurden, sahen wir dem Haupttor gegenüber einen Kugelfang mit ein paar Sandhaufen davor. Daneben stand eine schwarze Kiste. Die SS war mit Sturzhelmen und Maschinengewehren ausgerüstet. Dann wurde mein Bruder mit gefesselten Händen vor den Kugelfang gebracht.
Ein Exempel wird statuiert. Im Konzentrationslager Sachsenhausen. August Dickmann verweigert den Kriegsdienst, für ihn als Zeugen Jehovas ist dieser unmöglich. Auf Anordnung Heinrich Himmlers soll er deshalb hingerichtet werden. Und Dickmanns Bruder Heinrich muss sich das mit ansehen:
Zitat 2 Den Blick zum Kugelfang gerichtet, wurde mein Bruder von drei SS-Unterführern erschossen. Nachdem er zusammengebrochen war, ging der Lagerführer hin und schoss ihm noch eine Kugel durch den Kopf.
Musik 2
Ab 1935 führen die Nazis die Wehrpflicht ein. Ihr ausweichen geht nicht. Für die Verweigerer bedeutet das meist ein- bis zweijährige Haftstrafen. Mit der ab August 1939 geltenden „Kriegssonderstrafrechtsverordnung“ setzen sie sich dann weit größerer Gefahr aus.
Zitat 3 Wegen Zersetzung der Wehrkraft wird mit dem Tode bestraft, wer es unternimmt, sich durch ein auf Täuschung berechnetes Mittel oder auf andere Weise der Erfüllung des Wehrdienstes ganz, teilweise oder zeitweise zu entziehen. In minder schweren Fällen kann auf Zuchthaus oder Gefängnis erkannt werden.
Insbesondere für die wehrpflichtigen Zeugen Jehovas ist dieser Paragraph mörderisch. Detlef Garbe schreibt in seinem Aufsatz „Du sollst nicht töten“:
Zitat 4 Für die Zeugen Jehovas schloss sowohl die Treue zu dem einen Herrn, dem allein Christen zu dienen hätten, als auch die Pflicht, sich in den Dingen der vergehenden Welt neutral zu verhalten, jegliche Teilnahme am Militärdienst aus. Das neutestamentliche Gebot der Gewaltlosigkeit verbot ihnen ebenso wie das alttestamentliche Gebot „Du sollst nicht töten“ jeden Waffengebrauch gegen Mitmenschen.
112 Todesurteile verhängt das Reichskriegsgericht schon in der Zeit vom Kriegsbeginn bis zum 30. September 1940. Gegen Zeugen Jehovas, die den vermeintlichen „Ehrendienst am deutschen Volke“ ablehnen. In den „Grundsätzen des Reichskriegsgerichtes“ heißt es dazu:
Zitat 5 Gegen den hartnäckigen Überzeugungstäter wird wegen der propagandistischen Wirkung seines Verhaltens im Normalfall nur die Todesstrafe angezeigt sein.
Musik 3
Zu den Menschen, die den Kriegsdienst im Nationalsozialismus auf Grund ihres Glaubens *offen* verweigern, gehören auch der Protestant Hermann Stöhr, der Katholik Franz Jägerstätter oder der Baptist Alfred Herbst. Sie alle werden hingerichtet. Doch die meisten Wehrdienstverweigerer sind Zeugen Jehovas. Gustav Stange ist einer von ihnen. Er steht 1942 vor dem Kriegsgericht. Dort will man von ihm wissen, was wohl wäre, würden alle eine Haltung an den Tag legen wie er. Er entgegnet:
Zitat 6 Dann wäre der Krieg gleich zu Ende. "
Liebe Grüße
Maggie
