Ein Höhepunkt germanischer Dichtung ist ein Epos, das Leben und Leiden Christi beschreibt. Es ist in altsächsischer Sprache geschrieben, entstanden zwischen 822 und 840. Der Autor dieses Meisterwerks ist unbekannt.
In seiner Darstellung ist Christus ein germanischer König, seine Jünger bilden eine germanische Gefolgsschar. Ort der Handlung ist in der Beschreibung nicht mehr das römisch-jüdische Palästina, sondern das karolingische Sachsen. Der erste Herausgeber dieses Textes nannte das Werk Heliand. Heliand, das ist: Heiland.
Allerdings haben wir das Gefühl, dass das Wort „Heiland“ sein Ablaufdatum schon überschritten hat. Es wird wenig verwendet, Jugendlichen ist es eher fremd. Aber als Heliand, im Altsächsischen, hört sich das Wort Heiland auf einmal unverbrauchter an. Tatsächlich ist es ein schönes Wort: Heliand, Heiland, der Heilende. Das ist doch die verborgene Sehnsucht so vieler Menschen: in den Verletzungen des Lebens einen Heilenden zu finden.
Und die Heilmittel? Bei unseren Medikamenten findet man immer einen Beipackzettel, der uns oft Angst und Bang macht. Sogar die einfachsten Mittel können schlimme Folgen haben: Zittern, Konzentrationsverlust, Debilität überhaupt. Beim Heiland schaut das anders aus. Im Beipackzettel über die Folgen dieses Heilens stehen unter anderem Freude und Friede des Herzens.
Aus: Joop Roeland, Verlorene Wörter, S. 54 © Copyright 2009 by Wiener Dom-Verlag, A-1010 Wien. Internet: http://www.domverlag.at
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