Erster Arbeiterstreik der Geschichte

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Hathor
Silber Engel
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Erster Arbeiterstreik der Geschichte

Beitrag von Hathor »

Erster Arbeiterstreik der Geschichte

Im Neuen Reich waren alle Arbeiter, die irgendwas mit dem Anlegen von Königsgräbern oder dem Bau von Tempel zu tun hatten Staatsangestellte und wurden vom Pharao entlöhnt. Und das Heer der Arbeiter war riesig.

Es begann mit Steinbrucharbeiten bei Assuan und den Steinschneidern. Dann kamen die Transportarbeiter, die Nilschiffer, die Maurer, Holzsäger, Zimmerleute, bei Gräbern noch die Erdarbeiter.Für den Innenausbau wurden dann noch Stukkateure, Gipser, sowie Künstler und Maler benötigt.

Eine Arbeitskolonne bestand zumeist aus einem Vorarbeiter und 20 Arbeitern. Dazu zählten dann noch die Wasserträger, die in bestimmtem Rhythmus die Arbeitsstellen abgingen und die Arbeiter mit Trinkwasser versorgten.Sie alle erhielten während ihrer Arbeit eine staatliche Versorgung vom Pharao. Bei Instandsetzungsarbeiten am Tempel war hierfür die Priesterschaft des entsprechenden Tempelgottes maßgebend.

Die monatliche Deputatzahlung bestand meistens aus Spelz, einer Art ägyptisches Getreide. Es waren pro Person 150 kg Spelz und 56 kg Gerste.Fünf kg Spelz und etwas weniger als 2 kg Gerste reichte als tägliche Grundversorgung einer durchschnittlichen Familie mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern mit Brot und Bier.Ferner gab es dann noch regelmäßig Wasser, Fisch, Gemüse, Obst, Töpferwaren und Brennmaterial, und etwas seltener Kuchen, Fleisch, Wein, Honig, Öl und andere diverse Sachen.

Oft stockten sich Arbeiter noch ihr Einkommen mit kleineren Arbeiten für private Kunden und deren Gräbern auf. Schwarzarbeit würden wir das heute nennen.

Pharao Ramses III ließ nun zuerst in der Tempelstadt Karnak einen Stationentempel von 24 x 62 m bauen. Danach befahl er die Arbeiter zum Bau eines gewaltigen Millionenjahrestempel mit den Maßen 205 x 315 m in Medinet Habu.

Doch damit hatte er sich etwas übernommen, denn dieses Vorhaben erschöpfte seine Getreidevorräte, mit denen die Arbeiter der königlichen Nekropole entlohnt wurden. Zudem überstiegen die Kosten dieses riesigen Tempels die Vorauskalkulation.

Man begann also zu sparen und tat dies dort wo am wenigsten Widerstand zu erwarten war. Bei den Betriebskosten, d h die staatlichen Aufwendungen für das Heer der Tempelbauer wurden gekürzt.Doch dies war wohl nicht der richtige Weg, denn diese Staatsangestellten ließen sich eine Kürzung ihres Lebensunterhaltes nicht bieten. Sie waren ja schließlich keine Sklaven mit denen man nach Willkür verfahren konnte.

So kam es zum ersten Arbeiteraufstand der Geschichte.

Sie suchten sich einen Schreiber und brachten ihre Beschwerde zu Protokoll. Im Brief des Schreibers Neferhotep vom 21. Phaophi (17. Juli 1159 v Chr) lesen wir:

"Anderthalb khar (75 kg) Getreide hat man uns weggenommen...wir sterben, wir können nicht mehr
leben" ....

Das war zwar eine nette Übertreibung, doch die Minderung der Getreidemenge bei der Bezahlung löste den ersten Arbeitskampf in der Weltgeschichte aus.Zuerst erhielt der Pharao das Beschwerdeschreiben. Doch obwohl die fehlende Menge Getreide nachgeliefert wurde, setzten sich die schlechten Bedingungen fort. Am 3. November versammelten sich die Arbeiter bei den Tempeln.Sie verkündeten, dass ihr Lohn bereits seit 18 Tagen überfällig war und riefen im Chor "Wir sind hungrig!" Daraufhin marschierten sie geschlossen nach Medinet Habu.

Am nächsten Tag wurden zwar Brote geliefert, dennoch gab es erneut einen Marsch aus der Arbeiterdorf Deir-el-Medina nach Medinet Habu, wo die Arbeiter dann übernachteten.Wieder einen Tag später, es war inzwischen der 5. 11. 1159 v Chr erhielten alle dann die fälligen Rationen für die Monate September/Oktober nachgeliefert.

Doch die Stimmung war immer noch aufgeheizt weil sich die Getreidelieferungen weiter verzögerten. Erst nach weiteren Demonstrationen gab es eine kleine Anzahlung von weiteren 10 Sack Getreide für die einzelnen Kolonnen.

Und am 27. 12. kam der Rest Lieferung für Monat November. Doch die Lieferungen schleppten sich weiter dahin und am 12. 2. 1158 v Chr kam es erneut zum Streik. Diesmal erschien der Bürgermeister von Theben bei den Streikenden und hielt eine Rede. Dabei versprach er jeder Kolonne 50 Sack Getreide.

Diese Zusage wurde nur zum Teil eingehalten und am 24. 2. wurde erneut gestreikt. Jetzt verlangten die Arbeite, Brot aus den Opferbeständen des Amun-Tempels zu erhalten. Das wurde vom Hohenpriester abgelehnt, doch dann kam endlich die ausstehende Lieferung und im ganzen Jahr 1158 v Chr gab es keinen weiteren Streik mehr.

VG Hathor
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