Ma'at, Göttin der Gerechtigkeit

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Hathor
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Ma'at, Göttin der Gerechtigkeit

Beitrag von Hathor »

Hallo Freunde

Im alten Ägypten war die Ma'at die Göttin der Gerechtigkeit. Sie belohte und bestrafte aber nicht,
sondern versinnbildlichte nur das Prinzip der Wahrheit und Gerechtigkeit, wie bei uns die Göttin Justitia mit den verbundenen Augen und der Waage.

Über die soziale Gerechtigkeit wacht nach wie vor Gottvater Amun Re. Er allein belohnt und bestraft, ist Schöpfer und Erhalter von allem auf der Welt.

Die Göttin Ma'at wird dargestellt als Frau mit einer Straußenfeder auf dem Kopf und dem Anch-Kreuz in der Hand. Sie ist die Tochter des Re (das Ka des Re). Ma'at begleitet Re in der Sonnenbarke auf seiner Fahrt durchs DuatMa'at ist auch beim Totengericht anwesend. Dabei wird ihre Straußenfeder gegen das maatgerechte Verhalten des Herzens des Toten aufgewogen und nur sündenfreie Herzen gelangen zum Totengott Osiris.

Das gegnerische Prinzip von Ma'at ist die Göttin Isefet. Sie symbolisiert Unrecht, Gewalt, Unordnung und Ungerechtigkeit. Bei einer Gerichtsverhandlung im alten Ägypten ging es durchaus gerecht zu und zumeist war das Gericht bemüht, ein gerechtes Urteil zu fällen. Dafür haben wir ein schönes Beispiel auf einem Berliner Papyrus.

Die folgende Geschichte ist verzeichnet auf dem Berliner Papyrus P3023 und P3025. Sie stammt aus der 12. Dynastie des Mittleren Reiches (2050 - 1786 v Chr) und handelt von einem Bauer namens Che-en-Anubis,der mit seiner Esel-Karawane aus dem Wadi Natrun in die Hauptstadt Heliopolis zog um dort seine Ernte zu verkaufen.

Auf dem Hinweg zum dortigen Markt wurde er Opfer eines habgierigen Anwohners, der ihm mit unlauteren Mittel seine Ernte abnahm.Der Bauer wehrte sich so gut er konnte und klagte von Gericht zu Gericht, um endlich bei der höchsten Instanz, dem Pharao, zu landen.

Der Inhalt des Papyrus bietet ein anschauliches Beispiel altägyptischer Rechtsprechung.

Der Bauer Che-en-Anubis wollte seine Ernte in Heliopolis verkaufen. Auf dem Weg zum Markt musste er an dem Anwesen eines Landpächters vorbei.

Dieser legte Tücher zum Trocknen auf den ohnehin schmalen Weg und schmälerte so den Durchgang.

Der Bauer musste ihnen mit seinen Eseln ausweichen und konnte dabei nicht verhindern, dass die Esel nach den Kornähren schnappten und einige davon frassen.Der Pächter hatte dies erwartet und verlangte vom Bauern Wiedergutmachung. Er unterwies seine Knechte, dem Bauern seine Esel mit der Ernte abzunehmen.

Daraufhin klagte der Bauer in der Stadt vor den Richtern, doch diese wiesen seine Klage ab. Sie fühlten sich nicht zuständig. Jetzt ging der Bauer eine Stufe höher zum Vorsteher der Richter und beklagte sich bitterlich.

Schwache und Hilflose würden in Ägypten unterdrückt und man würde sich an den Armen bereichern. Der Bauer sagte auch, er würde sich in der Unterwelt bei seinem Namenspatron Gott Anubis beschweren.

Der Vorsteher war ein rechtschaffener Mann und brachte die Klage zum Pharao. Auch der Pharao war um ein gerechtes Urteil bemüht. Er urteilte im Namen der Göttin Ma'at und befahl, dem Bauern sein Eigentum zurückzugeben und ihm auch das Eigentum des räuberischen Pächters zu geben.

VG Hathor
wulfila
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Re: Ma'at, Göttin der Gerechtigkeit

Beitrag von wulfila »

Hallo Hathor - sei mir net bös (ist ein guter Beitrag) aber mir ist diese moralische Beurteilung nicht sympathisch

ich gebe dir mal den Text von wiki rein
Maat ist eine Göttin der ägyptischen Mythologie. Dargestellt als Frau mit einer Straußenfeder auf dem Kopf und dem Anch in der Hand, symbolisiert sie die moralische Weltordnung. Maat taucht zuerst als untergeordneter Begriff beziehungsweise Gottheit in den Legenden um Re auf und trat erst später als eigenständige Gottheit hervor. Das ist möglicherweise ein Grund, warum sie nicht in der göttlichen Neunheit vertreten ist.
Oft taucht auch der Begriff der Maa.tj auf, „die beiden Maat“. Zuordnungsversuche wie beispielsweise einer für die innere und eine für die äußere Ordnung konnten sich in der Forschung nicht durchsetzen. Auch der Ursprung dieser Verdoppelung ist nicht geklärt.
Der Maat ist eine Schwester namens Isfet zugeordnet, die für das Chaos steht. Obwohl Isfet gefürchtet wird, weil sie Leid und Verwüstung mit sich bringt, wird ihre eigentliche Existenz jedoch nicht in Frage gestellt,da beide Aspekte, das Positive und das Negative, vorhanden sein müssen, damit ein Gleichgewicht bestehen kann.
Wenn ich dazu dein Zitat nehme:
Das gegnerische Prinzip von Ma'at ist die Göttin Isefet. Sie symbolisiert Unrecht, Gewalt, Unordnung und Ungerechtigkeit
ist mir das zu moralisch einseitig - und ich denke, dass die Ägypter nicht so sahen. Oder wie siehst du das selber?
eNTe
Co-Moderator

Re: Ma'at, Göttin der Gerechtigkeit

Beitrag von eNTe »

Hallo Hathor,

ich fand das ein klasse Beispiel, das Du herausgesucht hast!
Die Erzählung dahinter erklärt wirklich genau die Funktion von "Ma at"
übersetz es einfach mit "davon ist dies..."

Auf einem schmalen Weg bedrängt - was ist die Folge?
Es passiert logischerweise unter Bedrängnis ein Schaden.
Da war einer unverschämt und blockierte.

Ein Ausweichmanöver mussten der andere machen.
Was ist die Folge?
Beim Guten wäre es eine Entschuldigung gewesen - und gleich wieder gut.
Beim Schlechten wäre die Erwartung, dass das Opfer verzeiht und weiter blutet.

Was ist die Folge?
Der klagt, der Räuber hat nun einen Grund zum "gerechtfertigen" Angriff geschaffen.
Der Ausgebeutete kann nicht mehr zurück, das Unglück wird größer.

Was ist die Folge?
Die Richter weisen die Angelegenheit ab, das Opfer ist nun der Böse.
Im Guten wäre man den Dingen in die Tiefe nachgegangen.

Was folgt?
Keiner ist mehr zuständig für das richten.
Die Verbitterung und damit das Unrecht wächst weiter ins unendliche.

Bis das Opfer aufgibt oder mutig ist
endlich in die Tiefe geht - bis zu Anubis geht, damit die Blamage aufklärt.

Nun bin ich aber am Überlegen.
Wenn der Pharo dem Bauern sein Eigentum wiedergibt - ist da Ruhe?
Wenn der Pharao auch noch das Eigentum des räuberischen Pächters nimmt?
Was ist dann wieder los?

Hilfe!
Hathor
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Re: Ma'at, Göttin der Gerechtigkeit

Beitrag von Hathor »

Hallo eNTe!

Bedenke dies:

Der Pharao steht im Range eines Gottes. Sein Urteil ist unanfechtbar.

VG Hathor
eNTe
Co-Moderator

Re: Ma'at, Göttin der Gerechtigkeit

Beitrag von eNTe »

Hallo Hathor,
Du meintest:
> Der Pharao steht im Range eines Gottes. Sein Urteil ist unanfechtbar.

Momentan regieren gar keine.
Und gegen Naturgesetze hatte nicht mal ein Pharao was zu melden.
Und darüber hinaus, er kannte die Regeln von "maat".
Damit hatte er ziemlich Erfolg.

Deine Antwort blieb aus:
Was passiert, wenn der Geschädigte Recht fordert.
Wie weit ist dies zulässig und wo entstünde neuer Schaden?
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