Ägyptens nubische Kolonie Kusch

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Hathor
Silber Engel
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Ägyptens nubische Kolonie Kusch

Beitrag von Hathor »

Hallo Freunde!

Zwischen dem 1. und dem 4. Nilkatarakt, also zwischen Assuan und Meroe liegt Nubien. Das Land liegt an der Schnittstelle zweier Kulturen und zweier Ethnien, nämlich zwischen den hellhäutigen Ägyptern und Schwarzafrika.Schon von seiner Lage her an der Trennungslinie der beiden Menschenrassen ist und bleibt es immer ein Zankapfel.

Etwa um das Jahr 1800 v Chr erstarkte weiter im Süden, beginnend am 4. Nilkatarakt das schwarz-afrikanische Königreich Kerma mit der Hauptstadt Karima und machte den Ägyptern im Norden zu schaffen.Nach weiteren 50 Jahren konnten die Herrscher von Kerma bei ihren Feldzügen bis nach Assuan vordringen.

Verschiedentlich gelang es ihnen sogar auf ägyptisches Gebiet vorzudringen und Assuan in ihr Königreich einzufügen. Es war ein andauerndes Hin und Her und die Ägypter konnten sie immer wieder zurückschlagen. Im Jahr 1750 v Chr wollte Pharao Thutmosis III dem Geplänkel ein Ende machen und rückte mit einem starken Heer gegen das Königreich Kerma vor. Er besiegte Kerma und zerstörte die Hauptstadt Karima.

Dieser Sieg war der Beginn einer langen ägyptischen Herrschaft über Nubien, das fortan von den Ägyptern Kusch genannt wurde.Die Ägypter assimilierten die unterworfenen nubischen Völker mit den Anfängen ihrer Kultur fast vollkommen und ab diesem Zeitpunkt waren die Kuschiten zunächst genötigt, die ägyptische Kultur anzunehmen. Sie kopierten den ägyptischen Glauben an Gott Amun, an Isis, Osiris und Horus, verwendeten die ägyptische Sprache mit den Hieroglyphen und begannen ihre Verstorbenen zu mumifizieren.

Jetzt fehlten nur noch die Mastabas und Pyramiden zur vollkommenen Imitation des ägyptischen Totenkultes. Doch hier gab es eine ÄnderungIn Ägypten waren Pyramiden und Totentempel nur für Pharaone reserviert, nicht so in Kusch. Dort ließen sich auch wohlhabende Privatleute und Würdenträger in Mastabas und Pyramiden bestatten.Zuerst gab es für die Verstorbenen nur kleine Hügel als Totenmonumente in Al-Kurrusch, dann in Nuri, Meroe und am Gebel Barkal.Dann bekamen diese kleineren Pyramiden einen immer steileren Neigungswinkel und erreichten Höhen von 10 bis 30 Meter.

Sie wurden mit einem sogenannten Schaduf, einer Art Kran errichtet.
Bald gab es in ganz Kusch zahlenmäßig mehr dieser kleinen Pyramiden als in ganz Ägypten. Ewas über 200 werden heute noch gezählt, jedoch sind nur noch die in Meroe recht gut erhalten.

Nachdem Pharao Thutmosis III 1750 v Chr das Königreich Kerma besiegt und seine Hauptstadt zerstört hatte, begann er überall seinen Landgewinn abzusichern. Er legte Festungsbauten an.
Sie sollten im Fall eines Aufstandes als Zwingburg dienen. Für das Land Kusch wurde ein Vizekönig eingesetzt, der die eroberten Gebiete verwalten und die festgesetzten Abgaben eintreiben und weiter nach Ägypten leiten sollte.

Neben Getreide bezogen die Ägypter meistens Luxusgüter wie Gold, Elfenbei, Ebenholz, aber auch Sklaven und Soldaten. Solange die Abgaben stimmten, schritt die Besatzungsmacht erst im Falle eines Aufstandes ein.Für die Ägypter waren die schwarzen Einheimischen sowieso Untermenschen mit einer tieferstehenden Kultur. Sie praktizierten den ersten Fall von Rassismus.

Schwarze Nubier wurden in der Kunst zumeist gefesselt oder auf dem Boden kriechend dargestellt. Es war auch Brauch, deren Gesichter auf die Sohlen der Sandalen zu malen.
Nubisches Menschenmaterial war bei den Ägyptern zumeist gefragt als S klaven oder Konkubinen. Auch als Bogenschützen für die Söldnerarmee waren Nubier bekannt.

1 000 Jahre, von 1750 bis 700 v Chr war Kusch Kolonie von Ägypten. Doch die Zeiten begannen sich zu ändern.Während Ägypten in viele Einzelstaaten zerfiel mit jeweils eigenen Königen, erstarkte Kusch mehr und mehr. Die kuschitischen Fürsten begannen ob der Fremdherrschaft aufzubegehren und die Aufstände häuften sich.Die Ägypter konnten dem nicht mehr ihre geballte Militärmacht entgegensetzen.

750 v Chr gründeten aufständische nubische Fürsten einen Staat unter dem bisherigen Namen Kusch und der Hauptstadt Karima. Jetzt ging es Schlag auf Schlag.So wie die Kuschiten erstarkten, so schwächelten die Ägypter. 780 v Chr hatten die Fürsten von Kusch ihren eigenen König gewählt. Er hieß Alara, regierte von 780 - 760 und gilt als Begründer des freien Kusch.

Ihm folgte Kaschta, der Oberägypten bis Assuan eroberte. Piye gelangte 716 bis Theben und sein Sohn Schabaka vervollständigte den Triumph und gelangte bis ins Nildelta.Dabei schlug Schabarka das vereinigte ägyptisch-assyrische Heer mit dem Assyrerkönig Sanherib. Tabarqa, der Nachfolger des siegreichen Schabarka regierte über ganz Ägypten.Er regierte bis 664 als erster schwarzer Pharao über das komplette Land beidseits des Nil. Die Hauptstadt des Schwarzen Pharao aber blieb die kuschitische hl Stadt Napata.

677 v Chr eroberten die Ägypter zwar wieder Memphis zurück, doch der nachgerückte Assurbanipal kam nur bis Theben, bevor er wieder den Rückzug antreten mußte.Fortan bekriegten sich Ägypten und Kusch wechselseitig. Die Kuschiten kamen aber bei ihren Eroberungen in Ägypten nicht über Theben hinaus. Die Geschichte von Kusch aber zeigt auch, dass zu diesem Zeitpunkt alles bisher ägyptische ab gelegt wurde, nur die Religion des Amun blieb.

Doch wurde eine eigene Kultur und Schrift entwickelt ab dem Jahr 300 v Chr. Auch die Hauptstadt wurde nach Meroe verlegt, Napata aber blieb hl Stadt. Ähnlich dem Amun-Orakel in Theben gab es auch in Napata ein Amun-Priester-Orakel.Der Berg Gebel Barkal, von dem damals vor über 1 000 Jahren schon Pharao Amenophis III ob seiner markanten Form meinte, in ihm wohne Gott Amun, blieb weiter hl Berg und an seinem Fuß wurde ein Amun-Tempel errichtet.

Amun blieb weiter Hauptgott und Gottvater. Ihm zur Seite standen als seine Gemahlin die Göttin Mut, dann noch die Göttin Anuket als Wassergöttin, Apedemak als Kriegsgott, Avensnupis, Gott der Jagd und Dendon, der Gott des Reichtums.

Die Rangfolge im Staat Kusch änderte sich nur dahingehend, dass gleich nach dem König die als Gemahlin des Gottes Amun fungierende menschliche Person das Sagen hatte. Sie mußte nur ledig sein und durfte keine Kinder haben.

Die Kuschitenkappe mit der Uräusschlange und den beiden Bändern im Genick gehen auf König Pije zurück. Er fühlte sich als wahrer Vertreter von Gott Amun und Herrscher über ganz Ägypten und Kusch zusammen.Um seine Herrschaft zu untermauern, ließ er in einem geschickten Schachzug seine Schwester von Gott Amun als dessen Gemahlin, Kandake genannt, adoptieren.
Dann feierte er zuerst in Theben das Opet-Fest, bevor er dann im Norden gegen den Libyer Tefnacht um die Herrschaft Ägyptens kämpfte und ihn besiegte.

Jetzt schien für Kusch im letzten Jahrhundert vor der Zeitenwende ein für allemal die ägyptische Gefahr gebannt. Doch jetzt tauchten als neue Gefahr die Römer auf. Ca 23 v Chr tauchte ein römisches Heer in Kusch bei der hl Stadt Napata auf und zerstörte sie.

Ein nubisches Heer von 25 000 Mann bot ihnen unter der Kandake Amanirenas Paroli bei Meroe und besiegte sie. Die Gottesgemahlin ließ ihren Sieg auf Stelen verewigen.Ihre Nachfolgerin war die berühmte Kandake Amanishakheto.

Von ihr wird erzählt, dass auch sie im Jahr 21 v Chr gegen den ägyptischen Statthalter Petronius des römischen Cäsar Augustus kämpfen musste. Dabei erbeutete sie eine Bronzefigur des Augustus und ließ den Bronzekopf der Figur des römischen Cäsar unter der Türschwelle ihres Thronsaales eingraben und stampfte dann täglich mit ihren Füßen darauf herum.

Bei ihrer Pyramide betätigte sich dann 1834 der italienische Militärarzt Giuseppe Felini als Grabräuber. Er sprengte einfach die Spitze der Pyramide ab und erbeutete so den Grabschatz dieser stolzen Königin.Danach zerstörte er noch auf dieselbe Art 40 weitere Pyramiden in Meroe, fand aber dann keine weiteren Goldschätze. Felini verkaufte den Grabschatz der Königin an König Ludwig I von Bayern.

Er ist heute in dem Museum von München und Berlin zu besichtigen. Die Humboldt-Uni Berlin betätigt sich heute immer noch in der Gegend von Meroe an archäologischen Ausgrabungen.
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