Weihrauch von Punt

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Hathor
Silber Engel
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Weihrauch von Punt

Beitrag von Hathor »

Hallo Freunde!

Bekanntlich huldigten die Ägypter vielen Göttern und jeder Gott hatte seinen eigenen Tempel in dem er verehrt wurde.

Mit den Jahren hatte das riesige Priesterheer zur Verehrung dieser Götter eigene Rituale geschaffen, die in diesen Tempeln, oft mehrmals am Tage, ausgeübt wurden.Die Hauptbestandteile dieser Rituale waren Gesang und Räucherung. Dies wurde in den großen Tempeln dreimal am Tage durchgeführt.

Nehmen wir als Beispiel die täglichen Rituale im Amun-Tempel von Karnak. Schon am frühen Morgen vor Sonnenaufgang ging der von seinem Hohenpriester beauftragte Agi-Priester
(Priester, der Zutritt hatte) mit einer Kerze ins Sanctuarium des riesigen Tempels und klopfte an das Türchen des Tabernakels, hinter dem sich die Statue des Amun befand, um den Gott zu erwecken.

Dann wurde der Gott vom Sem-Priester gereinigt, eingeölt und beweihräuchert mit normalem Weihrauch. Nach dem Aufweckritual stellte man ihm auserlesenes Essen vor und schloss die Tür des Tabernakels wieder. Zur Mittagszeit wurde Gott Amun Myrrhe geopfert und abends dann Kyphi, eine Mischung aus verschiedenen Sorten. Beim Weihrauch gab es nämlich sechs Sorten oder sechs Reinheitsgrade.

Im Tempel der Löwengöttin Repit zu Athribis waren in der sogenannten Punt-Kapelle alle vorhandenen Weihrauchbaumarten sorgfältig und farbig auf den Wänden aufgemalt.
Weihrauch, Myrrhe und Räucherharze waren Luxusgüter und mußten importiert werden, denn es gab sie im gesamten Mittelmeerraum nicht und die Händler hielten den Herkunftsort geheim.
Weihrauch hieß in Ägypten se netscher (göttlich machen) und es kam aus Ta netscher (Gottesland), dort wohnten auch die netscher.

Bereits 2450 v Chr gelangte ein Schiff des ägyptischen Pharao Sahure nach dem sagenhaften Land Punt und brachte von dort Weihrauch, Ebenholz, Elfenbein, Gold, Silber, Schminke, Salz,
Affen (Paviane), Hunde, Pantherfelle und Straußenfedern als Handelsware mit. Die Eingeborenen dort lebten auf Pfahlbauten und hielten Rinder.

Die Ägypten nannten Punt ob seiner Reichtümer das Paradies und Ta netscher, das Land der Gottes. Auf ihren Hieroglyphenbildern sind sie mit dunkelrotem Teint, langen Haar und feinen Gesichtszügen dargestellt.Was die Ägypter aber am meisten erstaunte und für sie bis dahin völlig unbekannt war, das waren die auf Esel und Pferden reitenden Einwohner.

Diese erste Handelsexpedition im Jahre 2 450 v Chr. brachte dann auch Pferde und Esel aus Punt nach Ägypten mit und erst von da ab wurde das Pferd in Ägypten heimisch. In weiter unregelmäßigen Zeitabständen hielten die Ägypter durch ihre Handelsexpeditionen Kontakt zu dem sagenhaften Land Ta netscher.

Als tausend Jahre später die Pharaonin Hatschepsut (1490 - 1468 v Chr) die Regierungsgeschäfte führte, sprach man vom Land des Gottes, Punt, wie von einem schönen Märchen. Dann erhielt die Regentin durch das Amun-Orakel den Auftrag "Suche den Weg nach Punt". Als Hatschepsut dies verkündete, meldeten sich Hunderte Freiwillige. Sie alle wollten an dieser heiligen Mission ins Land der Götter teilnehmen.

Die Planung für diese Expedition nahm Monate in Anspruch. Die Ägypter fuhren zunächst von Theben aus nilabwärts nach Norden bis zum Hafen von Koptos. Von Koptos aus ging es an der engsten Stelle über 10 Tagesreisen durch das Wadi Hammamat bis an den Strand des Roten Meeres.

Von dort ging es in 10 Tagen über Land in einer Karawane mit den Einzelteilen der Schiffe über die engste Stelle des Landes zum Roten Meer und dort wieder 60 km nach Norden bis zum nächsten Hafen.Dieser ägyptische Hafen am Roten Meer wurde als Depot benutzt fast nur für Schiffsreisen nach Punt. Unsere Archäologen fanden dort sechs Speicherhöhlen in denen noch eine Unmenge Krüge lagerten als Tauschwaren.

Man muss sich jetzt vorstellen, was das für eine Arbeit war, alle Einzelteile zu dieser Reise durch die Wüste zu transportieren. Essen, Wasser, Tauschwaren und die Einzelteile der Schiffe aus Zedernholz, die dort wieder zusammengebaut wurden. Das Feldlager am Reisedepot für Punt umfaßte Tausende Personen die tätig waren um die 5 Schiffe der Punt-Expedition unter dem Kanzler Nehesj der Hatschepsut reisefertig zu machen.

Doch wie aus den Skulpturen im Totentempel der Hatschepsut ersichtlich, die Handelsexpedition nach Punt ans Horn von Afrika war ein voller Erfolg. Neben vielen Luxusgütern wurden sogar die begehrten Myrrhebäume ausgegraben, nach Ägypten transportiert und dort wieder angepflanzt.

Viele unserer Ägyptologen streiten sich heute in der Meinung, ob das Land Punt rechts oder links des Roten Meeres lag, also entweder in Afrika oder im Jemen.

Doch auf den Bildern der Punt Expedition auf den Wänden des Totentempel der Pharaonin Hatschepsut sind Giraffen und Elefanten aufgemalt und das deutet auf Afrika hin entweder auf Südsudan, Eritrea, Äthiopien oder gar Somalia, im Jemen gibt es ja keine Giraffen und Elefanten.
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