die ROSENKREUZER

"Der wahrhaft religiöse Geist ist frei von allen Gurus." (Krishnamurti, Vollkommene Freiheit)
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DocNobbi
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die ROSENKREUZER

Beitrag von DocNobbi »

hatte erst überlegt, ob ich die Rosenkreutzer vielleicht unter sog, christlichen Sekten einordnen sollte.
Aber nun steht es halt hier.


Wenn man die europäische Geschichte der verschiedenen Mysterienschulen und Initiationsgemeinschaften betrachtet, ist es schwierig, Rosenkreuzer exakt zu definieren. Der Name ist nicht geschützt und es gibt heutzutage in Europa und Amerika ungezählt viele größere und kleinere Gesellschaften, die den Namen Rosenkreuz oder Rosenkreuzer in Bezug auf ihre Mitglieder oder den Organisationsnamen ständig oder sporadisch verwenden. Daneben werden von den Anhängern solcher Gemeinschaften gern berühmte Namen der Geistesgeschichte postum zu Rosenkreuzern (bevorzugt der eigenen Traditionslinie) erklärt. Der Begriff „Rosenkreuzer“ kann folglich bezeichnen:
die in der Fama beziehungsweise Confessio Fraternitatis bezeichnete (literarisch-fiktive) Bruderschaft;
als Fremdbezeichnung: Anhänger bzw. Vertreter des dort formulierten pansophisch-hermetischen Gedankengutes, wie z. B. Michael Maier und Robert Fludd – auch wenn diese erklärtermaßen selbst nie Mitglied einer solchen Organisation waren;
als Eigenbezeichnung: die Mitglieder einer Organisation, die auf die Tradition der in der Fama beschriebenen Bruderschaft Bezug nimmt (so z. B. im AMORC oder überwiegend auf geistige Traditionen im Lectorium Rosicrucianum);
höhere Eingeweihte und Geistwesenheiten, welche an der spirituellen Führung der Menschheit beteiligt sein sollen (so zum Beispiel in der Rosicrucian Fellowship, zum Teil auch bei den Anthroposophen und im Lectorium Rosicrucianum).
Wolfram Frietsch nennt in seinem Buch Die Geheimnisse der Rosenkreuzer folgende Stichpunkte als historisch überlieferte Kennzeichen rosenkreuzerischer Lehre:
Alchemie geistiger Natur
(In älteren Schriften auch Alchimie genannt). Es geht nicht um materielle Umwandlung der Metalle oder Herstellung metallischen Goldes durch einen „Stein der Weisen“, wie häufig in der Trivial-Literatur erwähnt. Dieser Bezug wird lediglich als Symbol für geistige Umwandlung und den inneren Weg dorthin, auf dem die Läuterung stattfindet, benutzt.
Hermetik
Die Lehre des vermutlich fiktiven Weisen und Eingeweihten Hermes Trismegistos. Die uns vorliegenden Quellen (wie auch im Falle der Bibel: Abschriften, keine Originale) entstanden vermutlich im Ägypten der Römerzeit. Diese bilden die Grundlage fast sämtlicher europäischer Mystik, Magie und zum Teil des Rosenkreuzertums. Bekanntestes Axiom: „Wie oben, so unten.“ – der Mikrokosmos im Kleinen soll eine Entsprechung des Makrokosmos im Großen sein. Eine umfassende Ausführung zu diesem und sechs weiteren hermetischen Axiomen kann unter anderem im Kybalion nachgelesen werden.
Neuplatonismus
In der Neuzeit nachwirkend vor allem durch Plotin; eine Lehre, die das Göttliche als das „große Eine“ betrachtet, aus dem durch stufenweise Emanation die Welt bzw. Schöpfung hervorgeht. Wichtig für die christliche Rezeption ist der in manchen neuplatonischen Strömungen stark ausgeprägte Dualismus, die Unterscheidung zwischen einer vollkommenen geistigen Welt und einem mangelhaften, weil materiellen Diesseits.
Kabbala
(hebr.: קבלה; deutsch: Überlieferung, Entgegennahme) Die jüdische Mystik; die Lehre vom Baum des Lebens und den Sefiroth. Ein bekannterer Teil dieser Lehre ist die Gematrie, die mit Hilfe des hebräischen Alphabets Wort- und Namensbedeutungen berechnet und letztlich auf der Suche ist nach dem „Namen Gottes“, dem „verlorenen Wort“, auch nach einer überzeitlichen Ursprache, der Engels- bzw. henochischen Sprache (nach Dee).
Philosophie
Eine systematisch und nachvollziehbar erklärte, in sich schlüssige, weitgehend logische, Weltanschauung, die zumindest die spirituell relevanten Zusammenhänge des Erdenlebens und die über dieses Leben hinausgehenden feinstofflichen und geistigen Aspekte hinreichend erklärt.
Frietsch erwähnt in dieser Aufzählung einen Punkt nicht, der vor allem für das Lectorium Rosicrucianum bedeutsam ist:
Gnosis
(altgriech.: γνώσις; deutsch: Erkenntnis od. Wissen) Eine religiöse Vorstellung, derzufolge das Heil nur durch die Verbindung mit der göttlichen Lichtwelt zu finden und die Erkenntnis dieses Sachverhaltes der Ausgangspunkt auf dem Weg zum Erlangen des Heils sei.
Rosenkreuzerisch und gnostisch beeinflusst sind viele heutige okkult-philosophische, magische, mystisch-spirituell orientierte oder auch rein spirituelle westliche Gesellschaften. Manche haben in ihren Satzungen sogar konkrete Bezüge dieser Art wiedergegeben. Als kleine Auswahl wären hier u. a. zu nennen: Golden Dawn, O.T.O., Fraternitas Saturni, Theosophische Gesellschaft, Anthroposophie, AMORC, Lectorium Rosicrucianum.
Kreuz und Rose
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Das Rosenkreuz – Kreuz und Rose in vereinter Darstellung
Zentrale Symbole des Rosenkreuzertums sind das goldene Kreuz und die aufblühende rote Rose. Die Deutung und Interpretation dieser Symbolik variiert je nach Rosenkreuzerorganisation zum Teil stark.
In der Synthese aus goldenem Kreuz und roter Rose spiegelt sich auf symbolischer Ebene die Mystik, das Ideal und das geistige Ziel des Rosenkreuzertums wider. In erster Linie symbolisiert das Kreuz den Menschen. Dieser ist dazu aufgerufen, sich charakterlich und innerlich soweit zu prüfen und selbst zu hinterfragen, dass er sein Wesen von einem „unedlen“ bzw. unvollkommenen zu einem „aufrechten“, „edlen“ Menschen wandeln soll. Dies wird durch das goldene Kreuz symbolisiert, das erst durch Phasen der geistigen Reinigung zu einem Edelmetall (Gold) umgewandelt wird. Dieser symbolische Läuterungsprozess geht auf die praktischen Vorstellungen der Alchemisten des Mittelalters zurück, die davon ausgingen, dass unedle Metalle im Erdreich stufenweise vom Blei bis zum Gold „transmutieren“ (Vgl. hierzu die Transmutation der Alchemie im Opus Magnum).
Die Rose symbolisiert vorrangig die Bedeutung der Seele, die erblüht, wenn alle vier Elemente (Feuer, Erde, Wasser und Luft) in Einklang miteinander stehen. Dieser Einklang versinnbildlicht die Quintessenz. Gleichbedeutend für die Quintessenz ist im Rosenkreuzertum der Stein der Weisen. Der Weg dazu führe über die Liebe, symbolisiert durch eine aufblühende rote Rose und das „veredelte“ Kreuz, dem „vollkommenen“ Menschen.


Hermetisches Rosenkreuz des Golden Dawn
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Zusammengefasst versinnbildlicht das Rosenkreuz einen Prozess der seelischen Läuterung oder auch einen alchemistischen Reinigungsprozess auf geistiger Ebene. Das Rosenkreuz des Gold Dawn verdeutlicht dies in der Zusammenführung alchemistischer, hermetischer und kabbalistischer Elemente.


Die Lutherrose
Kreuz und Rosen spielten als Symbole schon immer eine entscheidende Bedeutung in der Geschichte der Menschheit. Nicht alles muss jedoch mit den Rosenkreuzern in Verbindung stehen. Bereits seit Martin Luther standen Kreuz und Rose in Verbindung mit einem reformatorischen Geist, wie ihn auch die Rosenkreuzer vertraten. Luther schrieb dazu folgendes:
„Das erste sollte ein Kreuz sein – schwarz – im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht […] Solch Herz soll mitten in einer weißen Rose stehen, anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt […] darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose steht im himmelfarbenen Feld, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlische Freude zukünftig […] Und um solch ein Feld einen goldenen Ring, dass solche Seligkeit im Himmel ewig währt und kein Ende hat und auch köstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das edelste köstlichste Erz ist.“
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– Martin Luther: Brief vom 8. Juli 1530
Die historisch wahrscheinlichste Herleitung führt die Symbolik auf das Familienwappen von Johann Valentin Andreae zurück, das vier Rosen in einem Andreaskreuz zeigte. Andreae selbst beschreibt diese Kombination in der „Chymischen Hochzeit Christiani Rosencreutz“ als Kleidung des Christian Rosenkreuz:
„Darauff rüstet ich mich auff den weg, zog meinen weisen Leinen Rock an, umbgürtet meine lenden mit einem Blutrothen Bendel kreutzweiß uber die Achslen gebunden. Auff meinen Hut steckt ich vier rother Rosen: damit ich under dem Hauffen durch solche Zeichen könte desto eh gemerkt werden.[2]“

Die Einleitung stammt aus den Wikipedia-Bericht
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